Marc Liesching

Duisberg/Picot (Hrsg.), Recht der Computer- und Videospiele


Alexander Duisberg/Henriette Picot (Hrsg.), Recht der Computer- und Videospiele. The Law of Video and Computer Games, Berlin (Erich Schmidt Verlag), 2013, ISBN 978-3-503-15403-6, € 82,-

 

Das mit gut 480 Seiten umfangreiche Werk schließt thematisch eine Lücke in der medienrechtlichen Fachliteratur und trägt – hinsichtlich des Umfangs keinesfalls überdimensioniert – der enormen Bedeutung der Computerspielbranche mit ihren zahlreichen Bezügen in die klassischen Rechtsgebiete des Vertrags-, Urheber-, Marken-, Straf- und Jugendschutzrechts Rechnung. Auch praxisrelevante Spezialmaterien wie das Datenschutzrecht und das Glücks- und Gewinnspielrecht werden in eigenständigen Kapiteln abgehandelt, ehe in englischer Sprache mehr als nur die Grundzüge des Computerspielrechts in Belgien, Tschechien, Finnland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Spanien, Schweden und im Vereinigten Königreich dargestellt  werden.

 

Die in den Kapiteln zum deutschen Recht zum Ausdruck kommende Gliederung ist in gewisser Weise unentschieden durch einerseits die Strukturierung nach Rechtsgebieten (z.B. Kap. 2: „Urheberrechte“ oder Kap. 9: „Strafbare Inhalte und Jugendschutz“) und andererseits der Rubrizierung nach Phasen der Spielentwicklung, des Vertriebs oder der Werbung (z.B. Kap. 1: „Die Entstehung des Spiels“,  Kap. 4: Vertrieb und Lizenzierung). Dies führt zum – freilich geringen –  Teil zu thematischen Überschneidungen und erschwert etwas die Nutzung des Handbuchs als Nachschlagewerk. Allerdings ergeben sich weniger Redundanzen, als die heterogene Gliederungsstruktur zunächst vermuten lässt.

 

Auch wenn eine vollständige Behandlung aller in dem Buch gefassten Kapitel im Rahmen der Rezension unmöglich ist, sei auf einzelne Texte im Folgenden eingegangen. Besonders gelungen ist aus Sicht des Rezensenten das 1. Kapitel zur Spielentwicklungsphase, in dem insbesondere das Vertragsrecht praxisorientiert abgehandelt wird. Dabei werden auch vertragsstrategische Hinweise gegeben. Die Typologie der Entwicklungsverträge ist umfassend und zutreffend dargestellt. Besonders gewinnbringend ist das von Oehler und von Ribbeck verfasste Kapitel zu dem praktisch kaum zu gering zu erachtenden Bereich der Online- und Browserspiele sowie Communities, welches nicht nur die Vertragsbeziehungen zwischen Spielbetreiber und Spieler beleuchtet, sondern auch die rechtliche Qualifizierung virtueller Gegenstände umfassend und überzeugend darstellt. Im Kapitel 8 „Strafbare Inhalte und Jugendschutz“ werden einige games-relevante Rechtsfragen nur gestreift. Dies betrifft insbesondere Fragen der Lagerung sowie Ein- und Ausfuhr beschlagnahmter und indizierter Spieletitel. Auch bei einschlägigen materiell straf- und jugendschutzrechtlichen Fragestellungen bleibt Luft für vertiefende Darstellungen in der zweiten Auflage. Im insgesamt gelungenen Glücksspiel-Kapitel wird bei der praktisch sehr bedeutsamen Frage der Einsatzgeringwertigkeit die Grundsatzrechtsprechung des BGH (U. v. 28. 9. 2011 - I ZR 93/10) noch nicht erwähnt. Auch dies ist aus Sicht des Rezensenten bei der Zweitauflage nachzuholen, da dies gerade für den Gamesbereich erhebliche praktische Auswirkungen zeitigt.

 

Insgesamt kann das Handbuch „Recht der Computer- und Videospiele“ – nicht zuletzt wegen seiner zusätzlichen internationalen Ausrichtung – nur als epochal und unverzichtbar für alle Rechtsanwender im Bereich der Computerspielbranche bezeichnet werden. Dem Werk ist weite Verbreitung zu wünschen.

 

 

Prof. Dr. Marc Liesching ist Rechtsanwalt in München und hat die Professur für „Medienrecht und Medientheorie“ an der HTWK Leipzig inne.