Volker Heeg

Schmid/Talos/Aquilina, Social Gaming in Europe


Günter Schmid/Thomas Talos/Nicholas Aquilina, Social Gaming in Europe, Wien (LexisNexis) 2013, ISBN 978-3-7007-5420-6, € 59,-

 

MMR 2013, 345982     Das 228 Seiten starke englischsprachige Buch aus der Feder österreichischer Autoren hebt sich bereits durch seine mangaartige Einbandgestaltung von der üblichen monochromen juristischen Literatur ab. Auch inhaltlich bietet das Werk - dem Thema durchaus angemessen - eine facettenreiche Aufbereitung des Phänomens Social Gaming.

Im ersten Teil wird das Thema plastisch und praxisnah aus einer Business-Perspektive dargestellt. Besonders interessant und relevant sind aus der Perspektive des rechtichen Beraters etwa die Darstellung von Monetarisierungsmodellen im Social Gaming und die Ausführungen zu den relevanten Phasen von der Entwicklung bis zum Betrieb und der kommerziellen Verwertung der Spiele („Product Life Cycle Management“).

 

Der umfangreiche zweite Teil des Werks bietet zunächst eine Einführung in die europarechtlichen Grundlagen der Spieleregulierung. Erfreulicherweise werden die relevanten Rechtsthemen und ihre konkreten Implikationen für den Gaming-Bereich sehr präzise auf den Punkt gebracht. Ein konsistenter roter Faden durch das Werk ist das Eintreten der Autoren gegen gesetzgeberische Überregulierung und für eine Selbst-Regulierung der Branche. Konsequenterweise werden zu einigen Themen wie dem Datenschutz kurz die Regularien des in diesem Bereich wichtigsten privaten Standardsetzers, Facebook, dargestellt. Eine etwas vertieftere Auseinandersetzung mit diesem Thema wäre wünschenswert gewesen – zumal diesseits und jenseits des Atlantik ja durchaus unterschiedliche Vorstellungen hierüber zu bestehen scheinen.

Den Hauptteil der rechtlichen Ausführungen nimmt die Abgrenzung von Social Gaming zum Glücksspiel/Gambling ein. Der Leser bekommt einheitlich systematisierte Länderreports zum Glücksspielrecht aus sieben EU-Jurisdiktionen. Nach dem Eindruck des Rezensenten sind diese Länderreports aktuell und bieten einen verlässlichen Überblick über den jeweiligen rechtlichen Rahmen. Die jeweilige nationale Definition von Glücksspiel und die hieraus resultierende Reichweite der Glücksspielregulierung werden dargestellt, wobei sich erstaunliche Unterschiede im Detail offenbaren. Gemein erscheint über die behandelten Jurisdiktionen hinweg in der negativen Abgrenzung zum Social Gaming zu sein, dass das Element des „Gewinns“ die Demarkationslinie zum Gambling darstellt (in den Worten der französischen Regulierungsbehörde ARJEL: „As long as money goes in but does not come out“ werde sie sich mit Social Gaming nicht befassen). Die Autoren verbinden dies allerdings mit dem Hinweis auf nicht untersuchte Jurisdiktionen, in denen der „Gewinn“ kein zentrales Merkmal der Glücksspieldefinition bildet – und nach denen damit auch das Social Gaming eher der restriktiven Glücksspielregulierung unterfallen kann.

 

In der definitorischen Eingrenzung des (überwiegend prohibitiv bzw. streng regulierten) Glücksspiels liegt der größte praktische - und auch rechtsvergleichend akademische - Nutzen des Werks. Der Rezensent hat durchaus eine große Sympathie für dieses Vorgehen, liegt doch in der zunehmenden Konvergenz der Geschäftsmodelle eines der großen Zukunftsthemen der Branche (vgl. etwa die gemeinsame PM von Zynga und bwin v. 24.10.2012: “Zynga partners with bwin.party to launch Real Money Games in the UK”). Hieraus leitet sich die eigentliche rechtliche Herausforderung der Zukunft ab: „Turning a social game into gambling is not necessarily negative, but only for someone who is well prepared and legally instructed”.

Diese begrüßenswerte Tiefe ging aber zwangsläufig zu Lasten der Breite: Der spezifisch auf das Social Gaming anwendbare Rechtsrahmen (namentlich die E-Commerce-Richtlinie, die Verbraucherschutzrichtlinie, die Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken sowie die Datenschutzgesetzgebung) werden überwiegend kursorisch dargestellt. Ein Werk zum Social Gaming ohne vertiefte Auseinandersetzung mit Werbe- und jugendschutzrechtlichen Resektionen erhebt sicher nicht den Anspruch auf vollständige Aufarbeitung des Themas. So bleibt die von den Verfassern vorbezeichnete „Big Question: Does it need to be regulated?“ weitgehend thesenartig beantwortet.

 

Dr. Volker Heeg ist Rechtsanwalt und Steuerberater bei Weinert Levermann Heeg in Hamburg.