Clarissa Otto

Wadle, Beiträge zur Geschichte des Urheberrechts


Elmar Wadle, Beiträge  zur Geschichte des Urheberrechts. Etappen auf einem langen Weg, Berlin (Duncker & Humblot) 2012, ISBN 978-3-428-13647-6, € 86,-

 

MMR-Aktuell 2012, 340779          Nachdem der Rechtshistoriker Wadle in den Jahren 1996 und 2003 bereits Sammelbände zur Geschichte des Urheberrechts vorgelegt hat (Geistiges Eigentum – Bausteine zur Rechtsgeschichte I und II), veröffentlichte er nun bei Duncker & Humblot einen weiteren Band. Die darin enthaltenen Beiträge wurden vom Autor in den letzten elf Jahren veröffentlicht und sollen „fortsetzen, was die beiden Bände beabsichtigt haben“ (S. 5).

 

Der erste Teil (Grundlagen und Zusammenhänge) beginnt mit einer leicht überarbeiteten Fassung der Abschiedsvorlesung von Wadle vom November 2006 mit dem Titel „Urheberrecht zwischen Gestern und Morgen“. Wadle beschäftigt sich mit den Anfängen des Urheberrechts im 18. und 19. Jahrhundert und schließt mit einem Ausblick auf das „Morgen“ ab. Dabei bringt er zum Ausdruck, dass er die dargestellte „Verflachung des Werkbegriffs“ (S. 26) für gefährlich hält.

Ebenfalls im ersten Teil findet sich ein Beitrag zum Presserecht des 19. Jahrhunderts, der in Erläuterungen über die Entfaltung des Dualismus zwischen Urheberrecht und Pressefreiheit endet.

Der erste Teil endet mit einem ausführlichen Aufsatz über die Spätphase des Privilegienwesens (1770-1870). Zunächst schildert Wadle die Entwicklung der Privilegien in den einzelnen deutschen Staaten und später im Deutschen Bund, bevor er die These aufstellt, dass sich die Anfänge des Schöpferprinzips bereits in der Privilegienpraxis vor 1870 widerspiegeln (S. 93).

 

Der zweite Teil enthält Einzelstudien unter der Überschrift „Von den Anfängen bis zum späten 18. Jahrhundert“ und beginnt mit einem Aufsatz, in dem sich Wadle intensiv mit den Würzburger Privilegien für Drucke des Georg Reyser im Zeitraum von ca. 1440-1504 auseinandersetzt. Dabei stellt der Autor fest, dass die Anzahl der in den liturgischen Büchern von Georg Reyser abgedruckten Privilegientexte beachtlich ist (S. 103). Gleichwohl merkt er an, dass der Schutz gegen den Nachdruck bei den dargestellten Privilegien am wenigsten ausgeprägt war (S. 108).

Dem zweiten Teil des Buchs hat Wadle zudem eine Skizze hinzugefügt, in der er das von ihm seit Jahren bearbeitete Projekt „Privilegia Impressoria vor dem Reichshofrat“ beschreibt.

Der zweite Teil endet schließlich mit Ausführungen zu den „Problemen um Honorar und Nachdruck eines unbekannten Autors des späten 18. Jahrhunderts“. Anstatt selbst die Informationen zu präsentieren, bedient sich der Autor eines Hilfsmittels: Nach einer Einführung in die Thematik beschreibt und zitiert er ein aus dieser Zeit stammendes Lustspiel mit dem Titel „So rächen sich Schriftsteller an betrügerischen Buchhändlern“. Diese außergewöhnliche Darstellungsweise ermöglicht es dem Leser, einen lebendigen Einblick in die Thematik zu erhalten.

 

Daran schließt sich der letzte und zugleich umfangreichste Teil des Sammelbands an. Unter der Überschrift „19. Jahrhundert: Deutscher Bund – Preußen – Baden“ finden sich zwölf weitere Einzelstudien.

Den Anfang macht dabei ein Beitrag über die Deutsche Bundesakte vom 8.6.1815, in der unter Art. XVIII Abschnitt d) sowohl „Pressefreiheit“ als auch „Rechte der Schriftsteller und Verleger“ genannt sind. Wadle wirft die Frage auf, ob und falls ja wie die Deutsche Bundesakte die Entwicklung von Urheberrecht und Presse- sowie Zensurwesen beeinflusst hat (S. 137). Zur Beantwortung dieser Frage setzt sich der Autor zunächst mit den Texten der Art. XVI und XVII auseinander (S. 141), bevor er die Entstehungsgeschichte der Deutschen Bundesakte näher beleuchtet (S. 147).

Im Anschluss daran folgt eine Analyse von Metternichs erstem Vorschlag zur Organisation des Deutschen Buchhandels und dem Schutz gegen Nachdruck (S. 163). Daran anschließend finden sich Ausführungen zur Gesetzlichkeit im vorkonstitutionellen Preußen anhand zweier Fallbeispiele aus der Praxis nach 1815 an (S. 181).

Unter der Überschrift „Der Schutz gegen den Nachdruck aus der Sicht eines preußischen Beamten“ wird ein, bis zur erstmaligen Veröffentlichung durch den Autor 2008, unbekanntes Votum eines hohen Berliner Beamten aus dem Jahre 1825 in ganzer Länge abgedruckt und anschließend mit Bezug auf die darin zum Ausdruck kommende Nachdruckproblematik besprochen (S. 203).

Daran schließt sich chronologisch die detaillierte Beschreibung der Initiative Preußens zum Schutz gegen Nachdruck aus den Jahren 1826-1829 mit dem Ergebnis an, dass sie die Diskussion um den Nachdruck auf der Ebene des Bundes wieder eröffnet und den Schutz gegen Nachdruck befördert hat (S. 215-243).

Nachdem sich der Großteil der Einzelstudien ausführlich mit dem Thema Nachdruck befasst, rückt im Aufsatz „Frühe Bemühungen um den Rechtsschutz privater Briefe“ die Reichweite des preußischen Gesetzes vom 11.6.1837 und die Beziehung zwischen Urheberrecht und Persönlichkeitsrecht in den Vordergrund.

Darauf folgt eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Goethes Privilegiengesuch an die Deutsche Bundesversammlung, das seine Werkausgabe „letzter Hand“ schützen sollte. Diese werden eingekleidet in die politischen Situation zu dieser Zeit und ergänzt durch Ausführungen zu Goethes Wünschen hinsichtlich des Nachdruckschutzes außerhalb des Deutschen Bundes und den badischen Privilegienschutz gegen den Nachdruck seiner Werke. Der finale Beitrag des Sammelbands enthält eine Übersicht über die Reform des Urheberrechts im Großherzogtum Baden von 1840/1841.

 

Auch wenn durch die Vielzahl der im Original abgedruckten Textstellen innerhalb der einzelnen Ausführungen der Lesefluss im dritten Teil des Sammelbands zuweilen etwas ins Stocken gerät, ist es dem Autor gelungen, einen in sich schlüssigen Sammelband vorzulegen, der einen wichtigen Beitrag dazu leisten kann, die Rechtsgeschichte in der rechtswissenschaftlichen Forschung und Lehre zu erhalten.

 

Wadle kleidet seine Ausführungen über die Geschichte des Urheberrechts in lebhafte Schilderungen der jeweiligen politischen und sozialen Situation ein und macht sein Werk damit auch für den kultur- oder sozialhistorisch interessierten Leser jenseits der Rechtswissenschaften lesenswert.

 

Clarissa Otto ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Prof. Dr. Thomas Hoeren am Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht an der Universität Münster.