Philipp Roos

Jänich/Eichelberger, Urheber- und Designrecht


Volker Michael Jänich/Jan Eichelberger, Urheber- und Designrecht, Stuttgart (W. Kohlhammer) 2012, ISBN 978-3-17-021781-2, € 19,90

 

MMR-Aktuell 2012, 340781       Ein weiteres Lehrbuch zum Urheberrecht?“ fragen Jänich/Eichelberger nicht unberechtigt im Vorwort ihres Werks „Urheber- und Designrecht“. Das Urheberrecht ist in Zeiten einer immer weiter fortschreitenden Digitalisierung allgegenwärtig: Ob auf der großen politischen Bühne, bei Protestaktionen auf der Straße oder am Stammtisch – jeder möchte gerne mitreden, wenn es um „geistiges Eigentum“ geht. Dies schlägt sich auch in der Ausbildung der Studenten nieder, sodass in erhöhtem Maße – nicht-juristische Studiengänge eingeschlossen – Kurse zum Urheberrecht angeboten werden. An sämtliche Studierende sowie auch an Praktiker richtet sich das mit seinen rund 150 Seiten recht schmale Lehrbuch, das in der von Kohlhammer vertriebenen Reihe „Kompass Recht“ nun erstmals erschienen ist.

Die Gliederung des Lehrbuchs folgt dabei den gängigen lehrbuchartigen Darstellungen im Urheberrecht (Kap. 1 – 9) und umfasst – als Besonderheit – auch das Geschmacksmusterrecht (Kap. 10 – 12). Anschaulich führen die Verfasser in die Grundlagen des Urheberrechts ein, wobei sie einerseits die gesellschaftliche Bedeutung des Urheberrechts betonen und andererseits die historische Entwicklung des Urheberrechts darstellen. Ausführlicher widmen sich Jänich/Eichelberger dem Werk i.S.d. UrhG, den einzelnen Verwertungsrechten und Rechtsverletzungen. Schön sind der normative Bezug, auf den stets geachtet wurde, und die vielen anschaulichen Beispiele, die optisch hervorgehoben sind. Derart untermalt wird die Bedeutung der Ausführungen fernab des Lehrbuchs schnell deutlich. Die Verfasser verzichten auf die ausschweifende Darstellung von Streitständen, die jedoch – mit entsprechendem Vertiefungshinweis – an einigen Stellen angedeutet werden. Ein Großteil der Leserkreise, die angesprochen werden sollen, wird ihnen dafür danken.

Etwas an Tiefe hätte man sich jedoch bei der Darstellung der verwandten Schutzrechte gewünscht – zumal diese oft nicht minder bedeutend sind. Leider gänzlich außen vor gelassen wurde das Recht der Verwertungsgesellschaften: Ein weiteres Kapitel hierzu hätte den gesteckten Rahmen sicherlich auch nicht gesprengt und rechtliche Fragen zu den Verwertungsgesellschaften erscheinen zudem in Anbetracht des vielerlei bestehenden Halbwissens und des urheberrechtlichen Bezugs von enormer Relevanz.

Gelungen ist die Auseinandersetzung mit dem Geschmacksmusterrecht, die das Lehrbuch insbesondere für Studierende an Kunsthochschulen interessant macht. Durch die vorherige Behandlung des Urheberrechts können Gemeinsamkeiten und Unterschiede gut herausgearbeitet werden.

Die eingangs gestellte Frage aufgreifend, lässt sich feststellen, dass es den Autoren – trotz marginaler Mängel – in besonderer Weise gelungen ist, einen Einstieg und eine kompakte Darstellung in die Thematik zu bieten. Der flüssige, unkomplizierte Schreibstil trägt sein Übriges dazu bei, dass ein hohes Maß an Verständnis und Wissen gewonnen werden kann. Stets wird auf die gängigen Lehrbücher (wie z.B. das Standardwerk von Schack) und Kommentare sowie auf wesentliche Entscheidungen zum Urheberrecht verwiesen, sodass eine Vertiefung für den geneigten Leser ohne zeitintensive eigene Recherchen möglich ist. Ihrem Anspruch, ein Studienbuch zu liefern, werden die Verfasser in besonderem Maße dadurch gerecht, dass sie dem Leser sowohl einprägsame Beispiele als auch Tipps für das Verfassen einer Klausur im Urheberrecht geben. Nicht unterschlagen werden darf die beiliegende CD-ROM, auf der sich einige „Zugaben“ befinden, vor allem aber eine Hörbuchfassung des gesamten Buchs.

Insbesondere für fachfremde Studenten sowie nicht-juristische Bibliotheken ist das Buch daher unbedingt zu empfehlen. Auch Jura-Studenten werden ebenso wie Praktiker Freude an der kompakten Darstellungsform haben.

 

Philipp Roos ist Wissenschaftler Mitarbeiter am Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) – zivilrechtl. Abt. (Prof. Hoeren) ­– der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.