Sebastian Klein

USA: Datenskandal bei Facebook


Seit Mitte März 2018 zeichnet sich bei dem sozialen Netzwerk Facebook ein Datenskandal ab. Private Daten wurden für politische Zwecke missbraucht.

Ursprünglich stellten Nutzer ihre Daten der App „Thisisyourdigitallife“ zur Verfügung, die mit Hilfe der Daten eine Art psychologisches Profil des Nutzers erstellen sollte. Dabei wurde aber nicht nur ein Zugriff auf die Konten der Nutzer, sondern auch auf deren Freunde und die Freunde der Freunde gewährt. Insgesamt kamen so zwischen 50 und 60 Mio. Datensätze zusammen. Der Betreiber der App verkaufte diese Daten dann an Cambridge Analytica weiter.

 

Cambridge Analytica ist ein Datenanalyseunternehmen mit Sitz in New York City. Mit Hilfe der gekauften Datensätze war es dem Unternehmen möglich, weitere Informationen über die soziale Stellung und politische Einstellung der entsprechenden Nutzer zu ermitteln. Besondere Bedeutung erlangte das Unternehmen im Zusammenhang des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs 2016. In diesem heuerte der spätere Wahlsieger Donald Trump das Unternehmen an und zahlte ihm für seine Dienste zwischen Juli und Dezember 2016 insgesamt US$ 5,9 Mio. Cambridge Analytica wird ein maßgeblicher Anteil am überraschenden Sieg des Kandidaten Trump zugeschrieben, denn mit Hilfe des Unternehmens konnten durch zielgerichtete Werbeanzeigen viele potenzielle Wähler Trumps ermittelt und mobilisiert werden.

 

Nach Bekanntwerden des Datenskandals verlor die Aktie des Unternehmens massiv an Wert, insgesamt wurden mehr als US$ 35 Mrd. an Börsenwert verloren. Facebook reagiert nur schleppend auf die Enthüllungen. Nach ersten Recherchen liegt es jedoch nahe, dass das Unternehmen bereits im Jahr 2015 von dem Weiterverkauf der Daten wusste. Zunächst verlautete es aus der Firmenzentrale lediglich, dass man die Vorwürfe prüfen würde. Erst mehrere Tage später äußerte sich der Gründer und CEO des Unternehmens Mark Zuckerberg. Er räumte Fehler des Unternehmens ein und sprach von einem „massiven Vertrauensbruch“. Des Weiteren kündigte er an, dass in Zukunft der Datenschutz der Nutzer intensiviert würde und darüber hinaus dafür Sorge getragen werde, dass eine Beeinflussung von Wahlen über Facebook in Zukunft ausgeschlossen würde.

 

Damit ging Zuckerberg auf Forderungen von Politikern aus aller Welt ein, die mit Empörung auf den Datenmissbrauch regierten. So sah die deutsche Justizministerin Barley in Facebook eine „Gefahr für die Demokratie“ und lud Vertreter des Unternehmens in ihr Ministerium ein. Dabei forderte sie auch, dass klarer erkennbar sein müsste, nach welchen Programmcodes Unternehmen wirklich vorgehen. In die gleiche Kerbe schlägt der Grünen-Politiker Konstantin von Notz, der ausführt, dass die zuständigen Aufsichtsbehörden stärker unterstützt werden müssten.

 

Auf europäischer Ebene wird darüber hinaus ein besserer Datenschutz für Nutzerdaten gefordert. Die für Facebook zuständige Hamburger Datenschutzbehörde forderte eine grds. stärkere Regulierung des Unternehmens, um einer verdeckten politischen Manipulation über die Plattform wirksam entgegentreten zu können. Ähnliche Rufe werden mittlerweile auch im amerikanischen Senat, u.a. von der demokratischen Senatorin Amy Klobuchar, laut.

Sebastian Klein ist studentischer Mitarbeiter am Institut für Europäisches Medienrecht (EMR), Saarbrücken/Brüssel.