Jürgen Taeger

Sreball/Schmidt/Hermonies, Handbuch Datenschutz im Sport


Günther Sreball/Stefan Schmidt/Felix Hermonies, Handbuch Datenschutz im Sport. Formulare - Erläuterungen - Gesetze, Baden-Baden (Nomos) 2013, ISBN 978-3-8329-6887-8, € 29,-

 

ZD-Aktuell 2014, 03192     In deutschen Sportvereinen organisieren sich etwa 28 Mio. Mitglieder. Ihre Mitgliederdaten und – sofern sie am Wettkampfsport teilnehmen – die Wettkampfergebnisse werden erhoben, gespeichert, übermittelt und genutzt. Treten die Vereine auch als Wettkampfveranstalter auf und organisieren den Eintrittskartenverkauf selbst, werden von ihnen auch die Daten von Besuchern der Sportveranstaltungen erhoben und verarbeitet. Weitere Daten wie die von Schiedsrichtern, Verbandsfunktionären, Lieferanten und Dienstleistern kommen hinzu. Damit sind die Sportvereine verantwortliche Stelle i.S.v. § 3 Abs. 7 BDSG und haben die rechtskonforme Verarbeitung der personenbezogenen Daten sicherzustellen. Neben den Vereinen i.S.v. § 21 BGB gibt es inzwischen im Profisport Kapitalgesellschaften, die in gleicher Weise verantwortliche Stelle nach dem BDSG sind.

 

Bei mehr als 90.000 Sportvereinen in Deutschland darf angenommen werden, dass insbesondere die kleineren Vereine häufig nicht über die notwendigen Kenntnisse verfügen, um fachlich zutreffende datenschutzrechtliche Bewertungen beim Umgang mit personenbezogenen Daten vornehmen zu können. Einzelne Verbände (s. etwa http://www.lsbh-vereinsberater.de/leseobjekte.pdf?id=1088o), Ministerien (z.B. Innenministerium Baden-Württemberg: http://www.dsb.de/media/PDF/Recht/Vereinsrecht/BW-Datenschutz_im_Verein.pdf) und auch die Aufsichtsbehörden (s. LfD Baden-Württemberg: http://www.baden-wuerttemberg.datenschutz.de/wp-content/uploads/2013/08/Datenschutz-im-Verein.pdf) stellen Materialien zur Verfügung, anhand derer sich die Vereinsvorstände orientieren können. Einzelne Landessportverbände bieten erfreulicherweise Schulungen auf dem Gebiet des Datenschutzes an.

 

Trotz dieser Aufklärungsarbeit stellen die Aufsichtsbehörden für den Datenschutz immer wieder Datenschutzverstöße bei Sportvereinen fest. Vor diesem Hintergrund ist es außerordentlich erfreulich, dass Günther Sreball, Stefan Schmidt und Felix Hermonies als ausgewiesene Fachleute, aus deren Federn hochinteressante Fachzeitschriftenbeiträge zu sport- und datenschutzrechtlichen Themen stammen, ein „Handbuch Datenschutz im Sport“ vorgelegt haben.

 

Das Handbuch gibt den Verantwortlichen in Sportvereinen und Sportverbänden auf 100 Seiten eine exzellente, an den Bedürfnissen der Praxis orientierte Einführung in das Datenschutzrecht in ihren Vereinen und Verbänden. Der 80seitige Anhang enthält Muster für Verfahrensverzeichnisse und Gesetzestexte.

 

Die ausgezeichnete, übersichtliche Gliederung in 19 Fachkapitel behandelt alle wesentlichen sich den Sportvereinen stellenden Datenschutzfragen. Die Pflicht zur Bestellung eines Datenschutzbeauftragten und dessen Aufgaben, die Verpflichtung von – auch ehrenamtlichen – Vereinsmitarbeitern auf das Datengeheimnis nach § 5 BDSG, die Erstellung von Verfahrensverzeichnissen und die Durchführung einer Vorabkontrolle sind ebenso Themen wie die Auftragsdatenverarbeitung, die Einholung von Einwilligungen und die werbliche Nutzung von elektronischen Daten. Dabei zeichnet sich das Werk besonders dadurch aus, dass es zu jedem Stichwort Mustertexte vorschlägt, die zumeist direkt übernommen werden können.

 

Zielgruppe des Handbuchs sind eindeutig Funktionsträger in Sportvereinen und -ver­bänden, die sich auf Grund ihrer verantwortlichen Stellung mit Datenschutzfragen befassen müssen, aber nur geringe oder keine Kenntnisse im Datenschutzrecht aufweisen. Hier wird das Handbuch Datenschutz im Sport die Erwartungen der Leserschaft vollkommen erfüllen und willkommene Unterstützung bei der Bewältigung der datenschutzrechtlichen Anforderungen im Verein leisten. Auch Dank der niedrigen Anschaffungskosten wird das Werk eine ihm zu wünschende gute Verbreitung finden.

 

Wegen dieser Zielrichtung befasst sich das Werk nicht mit sehr speziellen, komplexen datenschutzrechtlichen Fragen des Datenschutzes im Sport. So wird das auch aus Datenschutzsicht hoch sensible Thema des Datenschutzes bei Dopingverfahren in der Einleitung angesprochen und in einem eigenen Kapitel kurz behandelt; eine kritische wissenschaftliche Hinterfragung der Rechtsgrundlagen der tief in die Persönlichkeitsrechte der Athleten eingreifenden Dopingkontrollen findet sich im Handbuch nicht. Auch die von den Aufsichtsbehörden thematisierte Nutzung der öffentlich zugänglichen Wettkampfergebnisse durch Social Media-Plattformen für Aktive und für Fans einzelner Sportarten oder die Speicherdauer der Wettkampfresultate in öffentlichen elektronischen Archiven wird hier nicht behandelt. Bei speziellen, komplexen datenschutzrechtlichen Fragen muss von den Vereinen und Verbänden doch externer Rat hinzugezogen werden. Wer von diesem Handbuch eine derartige wissenschaftliche Behandlung aller Streitfragen erwartet, wird enttäuscht. Weil dies aber zu Recht nicht die Intention der Verfasser war, bleibt es dabei: Das Handbuch Datenschutz im Sport schließt eine Lücke in der datenschutzrechtlichen Literatur und liefert der Zielgruppe der Vereins- und Verbandsfunktionäre eine nützliche und außerordentlich hilfreiche Handreichung mit zahlreichen Mustertexten. Dem Datenschutz bei Sportvereinen wird damit ein guter Dienst erwiesen.

 

Prof. Dr. Jürgen Taeger ist Lehrstuhlinhaber für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht sowie Rechtsinformatik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Vorsitzender der Deutschen Stiftung für Recht und Informatik (DSRI) und Mitglied des Wissenschaftsbeirats der ZD.