NZA 3/2018
Befristete Spielerverträge im Profifußball – Keine Revolution

Die Befristung von Arbeitsverträgen mit Lizenzspielern der Fußball-Bundesliga ist als Sachgrundbefristung zulässig. So hat es der 7. Senat des BAG am 16.1.2018 im Fall des früheren Torwarts Heinz Müller entschieden. Das Urteil ist auf ein vergleichsweise geringes Medieninteresse gestoßen. Anders wäre es gewesen, wenn der 7. Senat der Revision stattgegeben und die Befristung für unzulässig erklärt hätte. Das wäre für den Profi-Fußball eine Revolution mit der Sprengkraft des Bosman-Urteils (NZA 1996, 191) gewesen. Bei unbefristeten Arbeitsverhältnissen würden die Spieler einerseits Kündigungsschutz genießen, hätten andererseits die Möglichkeit, ihren Verein jederzeit durch Eigenkündigung zu verlassen. Zwar würde es wahrscheinlich auch in diesem Fall nicht zu Spielen zwischen angehenden Rentnern mit altersüblichen Bauchansätzen kommen; aber die Vereine müssten auch ihre alternden und im Spiel nicht mehr einsatzfähigen Spieler im Zweifel bis zum Erreichen des Regelrentenalters bezahlen und deren Beschäftigungsanspruch zumindest durch Teilnahme am Training erfüllen (Trainingsgruppe 3 für Senioren). Diese Vorstellung dürfte nicht einmal die meisten der betroffenen Spieler verzücken; denn die damit verbundenen Kosten würden zu Lasten der aktiven Spieler gehen. Die Grundgehälter würden bis an die Grenze des Zulässigen sinken und durch Einsatz- und sonstige Prämien ergänzt, die aber nur den eingesetzten Spielern zugutekommen. Im Übrigen schützen Befristungen im professionellen Mannschaftssport vor Wettbewerbsverzerrungen, weil sie verhindern, dass Spieler den Verein in der entscheidenden Phase der Saison verlassen. Vor allem sind sie eine Säule für die Finanzierbarkeit der Vereine; denn diese können durch den Verkauf von Spielern aus laufenden Verträgen notwendige Einnahmen erzielen. Schließlich würden deutsche Vereine im internationalen Wettbewerb gegenüber ausländischen Vereinen inakzeptabel benachteiligt, solange dort nicht ebenfalls die Befristung von Spielerverträgen für unzulässig erklärt würde. Deshalb überrascht es nicht, dass die Entscheidung des Senats schon vor Veröffentlichung der Entscheidungsgründe auf breite Akzeptanz im Sport stößt. Aber auch aus juristischer Perspektive verdienen das Ergebnis und die in der Pressemitteilung des BAG (NZA aktuell, S. VI [in diesem Heft]) angedeutete Begründung Zustimmung. Der Sachgrund für die Befristung liegt in der Eigenart der Arbeitsleistung (§ 14 I 2 Nr. 4 TzBfG). Profisportler sind zwar in vielfacher Hinsicht weisungsgebunden tätig und daher Arbeitnehmer. Es handelt sich aber doch um atypische Arbeitsverhältnisse, die ein ganzes Bündel von Eigenarten aufweisen.

Die Entscheidung des 7. Senats des BAG erging zwar zum Arbeitsverhältnis eines Berufsfußballspielers. Sie hat aber auch Bedeutung für den professionellen Sport in anderen Mannschaftssportarten (Eishockey, Handball, Basketball). Dagegen kann aus der Entscheidung nicht automatisch die Zulässigkeit der Befristung von Verträgen mit Trainern, Sportdirektoren und vergleichbaren Managern abgeleitet werden. Deren Arbeitsverhältnisse weisen jedenfalls nicht die gleichen Eigenarten auf wie diejenigen der Spieler.

                 

Editorial

 

PDF öffnen Professor Dr. Wolf-Dietrich Walker, Gießen