Ergänzung zu IAS 1 und IAS 8 zur Definition des Wesentlichkeitsbegriffs


IRZ, Heft 12, Dezember 2018, S. 517

Der IASB hat am 31. Oktober 2018 den Ergänzungsstandard „Definition von ‚wesentlich‘ (Änderungen an IAS 1 und IAS 8)“ herausgegeben, um die Definition des Begriffs der Wesentlichkeit zu verbessern und um die bisher teilweise abweichenden Definitionen im Rahmenkonzept und in den Standards selbst zu vereinheitlichen.

Nach der überarbeiteten Definition sind Informationen wesentlich, wenn vernünftigerweise zu erwarten ist, dass ihre Auslassung, fehlerhafte Darstellung oder Verschleierung die Entscheidungen der primären Adressaten von Mehrzweckabschlüssen, die diese auf Grundlage eines solchen Abschlusses treffen, beeinflussen können. Diese Definition deckt sich mit derjenigen des neuen Rahmenkonzepts 2018 und des Leitliniendokuments von 2017 und führt drei wesentliche neue Aspekte ein:

  • Verschleierung: In der bisherigen Definition wurde nur auf das Auslassen oder die fehlerhafte Darstellung von Informationen eingegangen. Der IASB ist der Ansicht, dass auch eine Verschleierung von wesentlichen Informationen durch überflüssige Informationen ähnliche Auswirkungen haben kann. Obwohl der Ausdruck Verschleierung neu in die Definition aufgenommen wurde, war er bereits bisher in IAS 1.30A enthalten.
  • Vernünftigerweise zu erwarten: Die bestehende Definition formulierte bisher einfacher „beeinflussen könnten“. Der Board war der Meinung, dass dies so gelesen werden könnte, dass zu viele Informationen gefordert werden.
  • Primäre Adressaten: In der bestehenden Definition wird allgemein auf „Adressaten“ Bezug genommen. Auch an dieser Stelle war der Board der Meinung, dass dies zu allgemein verstanden werden und so ausgelegt werden könnte, dass alle denkbaren Adressaten von Abschlüssen bei der Auswahl von aufnahmepflichtigen Informationen berücksichtigt werden müssen. Deshalb wurde der Adressatenkreis auf „primäre Adressaten“ fokussiert.

 

Ein besonderer Schwerpunkt der Erörterungen lag auf der Abgrenzung des neu in die Definition eingeführten Begriffs der „Verschleierung“. Um diesen Begriff zu verdeutlichen, sind in den Standardänderungen fünf exemplarische Umstände beschrieben, die darauf hindeuten können, dass wesentliche Informationen verschleiert werden:

  • vage oder unklare Beschreibung eines wesentlichen Postens, einer Transaktion oder eines anderen Ereignisses;
  • Informationen über einen wesentlichen Posten, eine Transaktion oder ein anderes Ereignis werden über den Abschluss verstreut;
  • Aggregation ungleicher Posten, Transaktionen oder andere Ereignisse in unangemessener Weise;
  • unangemessene Disaggregation gleicher Posten, Transaktionen oder anderer Ereignisse; oder
  • Verdeckung wesentlicher Informationen durch unwesentliche Informationen, sodass unklar wird, welche Informationen wirklich wesentlich sind.

 

Die Änderungen sind erstmals verpflichtend für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2020 beginnen. Eine frühere Anwendung ist zulässig, bedarf jedoch für IFRS-Anwender in der EU vorab noch der Anerkennung im Rahmen des europäischen Endorsement-Verfahrens.