IASB veröffentlicht Änderung des IFRS 4


IRZ, Heft 10, Oktober 2016, S. 403

Der International Accounting Standards Board (IASB) hat am 12. September 2016 Änderungen an IFRS 4 „Versicherungsverträge“ mit dem Titel Anwendung von IFRS 9 'Finanzinstrumente' gemeinsam mit IFRS 4 'Versicherungsverträge' veröffentlicht. Mit den Änderungen werden Bedenken berücksichtigt, die sich aus den unterschiedlichen Zeitpunkten des Inkrafttretens von IFRS 9 und dem anstehenden Standard zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen (IFRS 17) ergeben haben.

Ursprünglich hatte der IASB beabsichtigt, den verpflichtenden Erstanwendungszeitpunkt von IFRS 9 und IFRS 17 zu synchronisieren und beide Standardtexte aufeinander abzustimmen. Wäre dies gelungen, hätte es keine Notwendigkeit für die nun vorgelegte Ergänzung des als Übergangsstandard konzipierten IFRS 4 gegeben. Nachdem eine solche Synchronisation jedoch nicht gelungen ist, wurde vonseiten der Anwender vorgeschlagen, die verpflichtende Anwendung von IFRS 9 für Versicherungsaktivitäten aufzuschieben und den Zeitpunkt des Inkrafttretens von IFRS 9 für diese Aktivitäten in Einklang mit dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Standards zu Versicherungsverträgen zu bringen. Von den Befürwortern der zeitlichen Synchronisation wurden im Wesentlichen die folgenden Argumente angeführt:

 

  • Durch die unterschiedlichen Zeitpunkte des Inkrafttretens kann es in den Erfolgsrechnungen der betroffenen Unternehmen zu Rechnungslegungsanomalien und Volatilitäten kommen, welche den Adressaten von Abschlüssen möglicherweise schwer zu vermitteln seien.
  • Eine reguläre Anwendung von IFRS 9 für Versicherungsunternehmen erschwert diesen, sachgerechte Entscheidungen über die Anwendung der neuen Klassifizierungs- und Bewertungsvorschriften in IFRS 9 zu fällen, da diese Entscheidungen möglicherweise von denen abweichen, die gefällt werden würden, wenn alle Details des neuen Standards zu Versicherungsverträgen bereits bekannt wären.
  • Zwei umfassende Änderungen in der Bilanzierung in relativ kurzer Zeit können bei den betroffenen Unternehmen gesteigerten Aufwand und damit erhebliche Kostenerhöhungen bedeuten.

 

Diesen Bedenken hat der IASB mit den nunmehr veröffentlichten Änderungen an IFRS 4 Rechnung getragen, indem Unternehmen, die Versicherungsverträge im Anwendungsbereich von IFRS 4 begeben, hinsichtlich der Anwendung der Regelungen des IFRS 9 die folgenden zwei Optionen eingeräumt werden:

Bei Anwendung des sog. Aufschubansatzes („temporary exemption“) haben Unternehmen, deren vorherrschende Geschäftstätigkeit das Begeben von Versicherungsverträgen im Anwendungsbereich von IFRS 4 ist, die Möglichkeit eines einstweiligen Aufschubs der Anwendung von IFRS 9. Demnach ist es einem Unternehmen gestattet, IAS 39 anstelle von IFRS 9 für Berichtsperioden anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2018 und vor dem 1. Januar 2021 beginnen. Voraussetzung hierfür ist, dass das Unternehmen nicht zuvor schon IFRS 9 angewendet hat und seine vorrangige Geschäftstätigkeit das Begeben von Versicherungsverträgen ist, die unter IFRS 4 fallen. Die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens ist vorrangig das Begeben von Versicherungsverträgen, wenn (a) der Buchwert seiner Schulden aus Versicherungstätigkeit im Vergleich mit dem Gesamtbuchwert seiner Schulden bedeutend ist und (b) der prozentuale Anteil dieser Schulden entweder größer als 90 % ist oder zwischen 80 % und 90 % liegt und der Versicherer keiner bedeutenden anderen Geschäftstätigkeit nachgeht, die nicht in Verbindung mit der Versicherungstätigkeit steht.

Bei Anwendung des sog. Überlagerungsansatzes („overlay approach“) wenden Unternehmen IFRS 9 an, können aber für bestimmte finanzielle Vermögenswerte Aufwendungen und Erträge aus der Gewinn- und Verlustrechnung in das sonstige Ergebnis umklassifizieren, sodass das erfolgswirksame Ergebnis nach IFRS 9 dem nach IAS 39 entspricht. Voraussetzung hierfür ist, dass das Unternehmen nach IFRS 4 bilanzierte Verträge begibt und IFRS 9 in Verbindung mit IFRS 4 anwendet. Für den Überlagerungsansatz qualifizierende Vermögenswerte sind finanzielle Vermögenswerte, die nach IFRS 9 erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden, jedoch bei Anwendung des IAS 39 nicht vollständig erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden. Die Anwendung des Überlagerungsansatzes erfordert einen separaten Ausweis des Umgliederungsbetrags sowohl in der Gewinn- und Verlustrechnung als auch im sonstigen Ergebnis. Ein Unternehmen wendet den Überlagerungsansatz rückwirkend auf qualifizierende Vermögenswerte an, sobald es das erste Mal IFRS 9 anwendet.

Die Anwendung sowohl des Aufschub- als auch des Überlagerungsansatzes ist freiwillig und mit verpflichtenden Angaben im Anhang verbunden. Die Unternehmen können die Anwendung aufgeben, bevor der neue Standard zu Versicherungsverträgen herausgegeben bzw. erstmalig verpflichtend anzuwenden sein wird.