Klarstellung akzeptabler Abschreibungsmethoden


IRZ, Heft 6, Juni 2014, S. 232

Das IASB hat am 12. Mai 2014 den Ergänzungsstandard „Klarstellung akzeptabler Abschreibungsmethoden (Änderungen an IAS 16 und IAS 38)“ veröffentlicht. Er ergänzt die Leitlinien bzgl. der zulässigen Abschreibungsmethoden für immaterielle Vermögenswerte und für Sachanlagen.

Mit der Veröffentlichung der zusätzlichen Leitlinien beendete der IASB ein Projekt, das 2011 zunächst innerhalb des IFRS IC diskutiert und anschließend an den IASB weitergereicht worden war. Auslöser war die Bitte eines Anwenders, die Bedeutung der Formulierung „Grundlage des erwarteten Verbrauchs des künftigen wirtschaftlichen Nutzens dieses Vermögenswerts“ als Basis zur Bestimmung einer sachgerechten Abschreibungsmethode in IAS 16 und IAS 38 klarzustellen. Das IFRS IC kam zu dem Schluss, dem IASB zu empfehlen, die beiden Standards zu ergänzen, insbesondere um klarzustellen, dass eine erlösbasierte Methode, die sich aus einer Tätigkeit unter Verwendung eines Vermögenswerts ergibt, keine sachgerechte Darstellung des Verbrauchs darstellt. Am 4. Dezember 2012 veröffentlichte der IASB den Entwurf ED/2012/5 (vgl. IRZ 2013, 13), der den Empfehlungen des IFRS IC im Wesentlichen folgte. Im Gegensatz zum Entwurf wurde jedoch im endgültigen Ergänzungsstandard in den Grundlagen für Schlussfolgerungen auf die Anmerkung, unter begrenzten Umständen könne eine erlösbasierte Abschreibungsmethode zu denselben Ergebnissen führen wie die leistungsabhängige planmäßige Abschreibung, aufgrund der diesbezüglichen Kritik in den öffentlichen Stellungnahmen verzichtet.

Im Einzelnen werden nun folgende Änderungen bzw. Ergänzungen aufgenommen:

 

  • Die Vorschriften in IAS 16 wurden klarstellend dahingehend geändert, dass eine erlösbasierte Abschreibung nicht sachgerecht ist, da Erlöse die Erzeugung erwarteten wirtschaftlichen Nutzens und nicht dessen Verbrauch abbilden.
  • In IAS 38 wurde die (unter begrenzten Umständen) widerlegbare Annahme aufgenommen, dass eine erlösbasierte Abschreibungsmethode aus denselben Gründen wie in IAS 16 nicht sachgerecht ist.
  • In beide Standards wurden Leitlinien aufgenommen, um zu erläutern, dass erwartete künftige Verringerungen des Veräußerungspreises ein Hinweis auf einen stärkeren Verbrauch des künftigen wirtschaftlichen Nutzens des Vermögenswerts sein können.

 

Während also bei Sachanlagen niemals eine erlösbasierte Abschreibung zur Anwendung gelangen kann, ist dies bei immateriellen Vermögenswerten in Ausnahmefällen möglich. Dies kann der Fall sein, wenn der immaterielle Vermögenswert in Bezug zu Erlösen ausgedrückt wird, weil bspw. der bestimmende begrenzende Faktor, der den immateriellen Vermögenswert ausmacht, das Erreichen einer Erlösschwelle ist. In diesem Fall ist außerdem nachzuweisen, dass Erlöse und der Verbrauch des wirtschaftlichen Nutzens stark korrelieren. Lt. IASB wird eine solche Konstellation aber nur in seltenen Ausnahmefällen anzutreffen sein.

Die Änderungen treten für Berichtsperioden in Kraft, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen. Eine frühere Anwendung ist zulässig, wobei EU-Anwender vor einer freiwilligen früheren Anwendung in einem befreienden IFRS-Konzernabschluss zunächst das noch ausstehende Endorsement-Verfahren abzuwarten haben (www.ifrs.org).