Von Detlef Schreiner

Flexible Plankostenrechnung - Leistungsverrechnung


Die innerbetriebliche Leistungsverrechnung hat nach wie vor den schlechten Ruf der Willkürlichkeit und des Grauzonen-Vagabundentums. Denn Verteilungsschlüssel für die Umlage zahlreicher Stellenkosten (z.B. der allgemeinen Verwaltung) auf Empfängerkostenstellen oder Kostenträger lassen sich zuweilen kaum verursachungsgerecht bestimmen. Eine größere Annäherung an die Realität der Kostenverursachung ermöglicht die Softwarelösung SAP/R3 mit der flexiblen Plankostenrechnung, die eine systemunterstützte Aufteilung einzelner Kostenarten in fixe und variable Bestandteile bietet.

Was bei der internen Leistungsverrechnung mit Plangrößen im Einzelnen zu beachten ist, zeigt der Autor anhand von Praxisbeispielen.


Wie lässt sich eine verursachungsgerechtere interne Leistungsverrechnung erreichen?

Im Rahmen der innerbetrieblichen (kostenorientierten) Leistungsverrechnung werden in vielen Unternehmen – in Verbindung mit der Kostenstellenrechnung – die Stelleneinzel und -gemeinkosten der Nebenkostenstellen (z.B. Stromerzeugung, Gebäudereinigung, Werkschutz, EDV-Zentrale) durch einfache Kostenstellenumlage auf die Empfängerkostenstellen verteilt – u.a. durch Schlüsselung von Vollkosten. Die Leistungsverrechnung der Hauptkostenstellen auf Produkte/Dienstleistungen im Rahmen der Kostenträgerrechnung (z.B. Verrechnung Fertigungsstelle zum jeweiligen Fertigungsauftrag) erfolgt in SAP R/3 häufig mit manuell eingegebenen Tarifen (Verrechnungssatz z.B. 100 Euro je Maschinenstunde). Dieses Verfahren ist für eine Kostenkontrolle wenig geeignet, da es keine korrekte Aufsplittung in fixe und variable Kostenbestandteile ermöglicht sowie eine verursachungsgerechte Nachberechnung der tatsächlich zu verrechnenden Kosten (Ist-Tarife) verhindert.

Als Lösung bietet sich in SAP R/3 die Hinterlegung einer flexiblen Plankostenrechnung an, bei der sich der Arbeitsaufwand in Grenzen hält: Hierzu werden über den gesamten Plan- und Ist-Verrechnungsprozess hinweg die fixen und variablen Plan-Verrechnungssätze von der ersten Nebenkostenstelle bis zur letzten Hauptkostenstelle „weitergereicht“. Auch die Verrechnung der Leistungen (z.B. Produktionskosten) auf die Fertigungsaufträge erfolgt mit den errechneten Plantarifen. Im Periodenabschluss (z.B. pro Monat oder Quartal) kann die verursachungsgerechte Zuordnung im Leistungsnetz zusätzlich mit Ist-Tarifen überprüft werden.

Folgendes Zahlenbeispiel „Leistungsunabhängige Planung und Verrechnung...“ verdeutlicht die Mängel einer Kosten- und Leistungsverrechnung mit pauschalen Plangrößen.



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Eine systemseitige Differenzierung der fixen und variablen Kostenbestandteile je Kostenstelle fördert hingegen eine verursachungsgerechtere Leistungsverrechnung, wie das nachstehende Zahlenbeispiel „Leistungsabhängige Planung und Verrechnung...“ zeigt.



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Was ist bei der Umsetzung der internen Leistungsverrechnung mit Plangrößen zu beachten?

Die primären Stellenkosten, die aus der Kostenartenrechnung übernommen werden (z.B. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe), sollten in variable und fixe Bestandteile unterteilt werden. Eine weitere Voraussetzung ist die leistungsbezogene Planung der Primärkosten und der Leistungsaufnahmen auf den einzelnen Kostenstellen. Dies wird durch Ermittlung der Leistungsbeziehungen innerhalb der Kostenstellenrechnung erreicht – z.B. durch Hinterlegung der Primärkosten und Leistungsaufnahmen (z.B. Dampferzeugung, Heizung) in Bezug auf den Output der jeweiligen Kostenstelle (z.B. Herstellung von Sitzmöbeln der Maschine XY in Kostenstelle XY) im DV-System (siehe Beispiele zu den Kostenstellen „Strom“ und „Maschine“).





Bei der Verrechnung der Leistungen ist zwischen der direkten und indirekten Leistungsverrechnung zu unterscheiden:

  • Bei der direkten Leistungsverrechnung lassen sich die Leistungsbeziehungen zwischen einer Senderkostenstelle und dem Empfänger unmittelbar erkennen. Externe und interne Belege ermöglichen eine direkte verursachungsgerechte Verteilung dieser Kosten auf die einzelnen Kostenstellen oder Kostenträger. Bei Hilfs- und Betriebsstoffen beispielsweise sind dies Materialentnahmescheine oder bei Strom, Gas, Wasser der Zähler (Verteilungsschlüssel bzw. Bezugsbasis: verbrauchte Mengen wie Kilowattstunden x Preis). Die umgelegten Werte werden unter einer sekundären Kostenart ausgewiesen, die eine Unterscheidung in fix und variabel erlaubt (siehe Beispiel).



  • Demgegenüber können bei der indirekten Leistungsverrechnung die betreffenden Stellenkosten (auch Stellengemeinkosten) nur indirekt auf die Empfänger verrechnet werden, da für sie nicht eindeutig erkennbar ist, welche Kostenstelle in welcher Höhe die Kosten verursacht hat (z.B. bei Kosten der Gebäudeverwaltung, Unfallverhütung, Werksarzt). Die Verrechnung der Stellengemeinkosten erfolgt über Umlageschlüssel bzw. statistische Kennzahlen (z.B. Anzahl der Beschäftigten, Arbeitsstunden, Raumflächen). Die so verrechneten Leistungsmengen tragen den für die Senderkostenstelle geplanten Anteil der fixen und variablen Kosten. Deshalb können diese Belastungen auf der Empfängerkostenstelle getrennt nach fixen und variablen Kostenbestandteilen ausgewiesen werden (siehe Beispiel).


 

Die indirekte Leistungsverrechnung bietet einen ähnlichen Funktionsumfang wie die  nicht mehr zu nutzende, einfache Kostenstellenumlage.

 

Vorteile der flexiblen Plankostenrechnung mit SAP/R3

Im Plan

  • Automatische Ermittlung der Plan-Verrechnungssätze (Tarife der Leistungsarten) – getrennt nach fixen und variablen Bestandteilen.

  • Ermittlung des fixen Anteils in den Plan-Verrechnungssätzen über die maximale Kapazität der Kostenstellen (z.B. Maschinen) anstatt über den Plan-Output (bei Unterbeschäftigung handelsrechtlich korrekt).

  • Transparenz der Verrechnungssätze (Wie teuer ist eine SAP-Lizenz inkl. Support? Was kostet ein qm Bürogebäude?).

  • Nachvollziehbare Definition der fixen und variablen Kostenbestandteile im System.

Im Ist

  • Möglichkeit der Ist-Vorverteilung der geplanten Fixkosten auf die Empfänger (zur Vermeidung der Proportionalisierung von Fixkosten).

  • Automatische Ermittlung von Sollkosten je Kostenstelle.

  • Automatische Ermittlung der Ist-Verrechnungssätze (wahlweise nach drei verschiedenen Verfahren).

  • Splittung der Istkosten in ihre fixen und variablen Bestandteile (Ermittlung über die Sollkosten und Sollmengen).

  • Ermittlung des fixen Anteils in den Ist-Verrechnungssätzen über die maximale Kapazität anstatt über den Ist-Output der Kostenstelle (bei Unterbeschäftigung handelsrechtlich korrekt).

  • Möglichkeit der Nachbewertung mit dem Ist-Verrechnungssatz (kann im Reporting getrennt ausgewiesen werden).

  • Ist-Verrechnungssätze auch in der Erzeugniskalkulation nutzbar (z.B. für die Inventurkalkulation).

Allgemein

  • Ermittlung der Primärkostenschichtung im Plan und Ist und Weiterleitung dieser Informationen bis in die Erzeugniskalkulation (CO-PC) und Ergebnisrechnung (CO-PA) (z.B. Wie viel AfA wurde dem Produkt A zugerechnet?).

  • Grenzplankostenrechnung möglich (inkl. Fixkosten-Vorverteilung).

Welche Vorarbeiten in SAP/R3 sind erforderlich?
  • Aufbau der leistungsabhängigen Planung (Mehraufwand gegenüber dem bisherigen Planungsprozess).

  • Customizing (unternehmensspezifische Einstellung) im SAP-System.

  • Anlage von Stammdaten (Leistungsarten/statistische Kennzahlen/sekundäre Stellenkosten).

  • Anlage der Zyklen für die indirekte Leistungsverrechnung.

 

In weiteren Kurzbeiträgen wird der Autor auf die flexible Plankostenrechnung mit SAP/R3 eingehen (z.B. Produktkostencontrolling und Ergebnisrechnung, Darstellung von Planungs- und Ist-Prozessen).

 

Autor:

Detlef Schreiner (Senior Berater Controlling)

Kontakt:

Stellwerk Consulting GmbH

Europaallee 33

50226 Frechen

Telefon: 02234-696718

Fax: 02234-696719

E-Mail:

Internet: www.stellwerk.net

 

BC 12/2003