Value Reporting


In der traditionellen Unternehmensberichterstattung klaffen große Lücken zwischen den Informationsbedürfnissen von Investoren und Analysten und den offengelegten Daten und Fakten. Eine grundlegende Änderung des Berichtswesens strebt das Value Reporting an, d.h. eine wertorientierte Unternehmensberichterstattung.

Wie lässt sich ein aussagekräftiges Berichtswesen
zusammenstellen? Sehen Sie sich hierzu ein Praxisbeispiel an!

In jüngerer Zeit ist zu beobachten, dass börsennotierte Unternehmen zunehmend freiwillig Informationen über ihre wirtschaftliche Lage und ihr Umfeld liefern, um den Kapitalmarktteilnehmern eine fundierte, zeitnähere Einschätzung künftiger Kursveränderungen und Dividenden zu ermöglichen. Zu diesem Zweck publizieren sie Angaben, die über die Informationen der traditionellen Finanzberichterstattung hinausgehen. So haben z.B. Gewinngrößen, nicht zuletzt im Zusammenspiel mit Markterwartungen, an Bedeutung eingebüßt, und Risiken werden nicht adäquat wiedergegeben.


Das Value-Reporting-Modell wurde anhand von weltweiten Befragungen und der Analyse veröffentlichter Unternehmensinformationen entwickelt. Dabei setzt sich ein idealer Value-Report aus vier miteinander verwobenen Elementen zusammen, die insgesamt ein umfassendes Bild von den Plänen und Leistungen eines Unternehmens geben sollen:


  • Marktübersicht,
  • Strategie (z.B. Anstreben der Marktführerschaft durch Konzentration auf bestimmte Kerngeschäfte, Ausbau von Beteiligungen, Expansion in Osteuropa und USA),
  • wertorientiertes Management (z.B. keine Orientierung an kurzfristigen Erfolgen, sondern an langfristiger Wertsteigerung, erfolgsabhängige Entlohnung, Mitarbeiterbeteiligung),
  • Wertbasis (z.B. wichtigste interne Zielgröße ist die Rentabilität des zur Verfügung gestellten Kapitals – der ROCE – Return on Capital Employed.


Reportingbeispiel zum wertorientierten Management:


Wir wollen für unsere Aktionäre eine hohe Rendite erwirtschaften und den Wert der Unternehmensgruppe nachhaltig erhöhen. Dabei orientieren wir uns nicht an kurzfristigen Erfolgen, sondern an einer zukunftsgerichteten, langfristigen Wertsteigerung. Dies liegt im Interesse unserer Kunden, Marktpartner und Mitarbeiter.


Als wichtigste interne Zielgröße haben wir die Rentabilität des zur Verfügung gestellten Kapitals, den ROCE – Return on Capital Employed – eingeführt.


Der ROCE wird laufend für alle operativen Profit-Center des Unternehmens ermittelt und zeigt uns – in Relation zu den jeweiligen Kapitalkosten – den Beitrag zur Steigerung des Unternehmenswertes. Durch die laufende Performancemessung sollen jene Bereiche identifiziert werden, bei denen noch Verbesserungspotenziale bestehen. Langfristig müssen alle Bereiche mindestens ihre Kapitalkosten verdienen.


Außerdem verwenden wir die Kennzahl, um wichtige strategische Entscheidungen, z.B. Akquisitionen oder Devestitionen, zu beurteilen. Auch hier gilt: Wir wollen das Geld unserer Kapitalgeber in jene Bereiche lenken, in denen langfristig gesehen die höchsten Renditen erwirtschaftet werden.


Auf Ebene der Holding wird das Planungs- und Steuerungsinstrumentarium durch die Kennzahlen "Earnings per Share" und "Gearing" (als Maß für die Verschuldung) ergänzt. Detailanalysen von Unternehmen werden mit Hilfe der DCF-Methode (Discounted Cash-flow) durchgeführt.


Auch die Aussagefähigkeit unseres Managementinformationssystems wird durch wertorientierte Berichtsgrößen weiter erhöht. Wir haben daher in allen Reportingsystemen (Monatsberichte, Business Pläne, Budgets, Abschlüsse usw.) unsere Value Kennzahlen eingebaut.


Die wichtigsten Kennzahlen sind:


  • Return on Capital Employed (ROCE) und
  • Economic Value Added (EVA)

       - ROCE = NOPAT : Capital Employed

       - NOPAT = Net Operating Profit after Tax = EBIT ./. Steuern ./. bereinigte Steuern (Finanzergebnis x 0,34)

       - Capital Employed = Eigenkapital + verzinsliches Fremdkapital ./. liquide Mittel
    Der errechnete ROCE sollte langfristig über den Gesamtkapitalkosten des Unternehmens liegen. Die Gesamtkapitalkosten des Unternehmens (WACC = Weighted Average Cost of Capital) wurden mit 8 % festgelegt.


    Das Konzept des EVA ist eng mit jenem des ROCE verwandt. Der EVA zeigt die Verzinsung des eingesetzten Kapitals in absoluten Beträgen. Ein positiver EVA weist den Übergewinn eines Unternehmens, der über die Kapitalkosten hinaus erwirtschaftet wurde, aus.


       - EVA = NOPAT ./. (Capital Employed x WACC)

  • Das vorstehende Beispiel zur wertorientierten Unternehmensberichterstattung orientiert sich am Value Reporting der Wienerberger AG, Wien (www.wienerberger.com).


    Der bestimmende Gedanke einer transparenten Berichterstattung ist, dass der Kapitalmarkt nur dann positive Entwicklungen in einem Unternehmen angemessen honorieren kann, wenn die Marktteilnehmer hinreichend informiert werden. Dasselbe gilt aber auch für die Teilnehmer anderer Märkte, in denen ein Unternehmen auftritt (beispielsweise als Arbeitgeber). Dabei hat jedes Unternehmen die Vor- und Nachteile einer umfangreichen Berichterstattung selbst abzuwägen.


    Als vorbildlich gilt in diesem Zusammenhang beispielsweise der Shell Report 2000.

     

    Stand: 8/2001



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