Pensionsverpflichtungen: Finanzierungswege und Kennzahlen bei DAX-Unternehmen


Unternehmen nehmen immer mehr die Liquiditätsbelastungen durch die betriebliche Altersversorgung unter die Lupe. Rechnungswesen und Controlling sind daher gefordert, aussagekräftige Kenn- und Vergleichsgrößen zu liefern (z.B. Altersvorsorge-Aufwendungen in Relation zum Umsatz). Eine Auswertung von 30 DAX-Unternehmen, welche Mitte 2003 die SES Research GmbH (Hamburg) vorgenommen hat, liefert handfeste Beurteilungs- und Entscheidungskriterien für die Finanzierungswege und Risiken bei der betrieblichen Altersversorgung.
Wie wird die betriebliche Altersversorgung finanziert?


Klassifizierung der Finanzierungswege der betrieblichen Altersversorgung (vgl. auch ausführlich Ludwig, BC 4/2002, S. 82 ff.):

  • Interne Finanzierung in Form der Direktzusage (unmittelbare Versorgungszusage): Verpflichtung des Unternehmens, eine Betriebsrente zu zahlen und diese Leistungen auch selbst zu erbringen. Hierzu wird Vermögen in der Bilanz durch Bildung von Pensionsrückstellungen „reserviert“; dieser Betriebsaufwand mindert den steuerpflichtigen Gewinn. In der Versorgungsphase sind die Pensionsrückstellungen ertragswirksam aufzulösen (Steuerstundung der Ertragsteuern zum Teil über 30 Jahre). Zudem fließen bei diesem Versorgungsmodell zunächst keine Finanzmittel aus dem Unternehmen ab (Innenfinanzierungseffekt). Die Betriebsrenten müssen allerdings aus dem laufenden Umsatzprozess bezahlt werden (Cash-Flow des laufenden Geschäfts). Im ungünstigsten Fall kommt es zum Entzug der Liquidität, wenn die fälligen Rentenzahlungen den Finanzierungsbeitrag neuer Pensionsrückstellungen überschreiten.

  • Externe Finanzierung über Pensionsfonds, Pensionskassen, Unterstützungskassen oder Versicherungsunternehmen: Ansammlung von Kapital bei einem außerbetrieblichen, rechtlich selbständigen Versorgungsträger (Abfluss von Finanzmitteln). Die externe Versorgungseinrichtung legt das Geld meist am Kapitalmarkt an und erbringt die Zahlung der Betriebsrenten. Sofern eine feste Versorgungszusage besteht, ergeben sich Chancen und Risiken: Ein boomender Kapitalmarkt mit hohen Kapitalanlageerträgen reduziert die Kosten der Rentenfinanzierung. Umgekehrt bedeuten geringe Renditen am Kapitalmarkt auch höhere Prämien zur Vorausfinanzierung der Pensionszusagen.


Welche Wege der betrieblichen Altersvorsorge nutzen DAX-Unternehmen?


Bei der Finanzierung der Betriebsrenten lassen sich folgende vier Gruppen einteilen:

  • „Klassische Innenfinanzierer“: Über 90 % der Pensionsverbindlichkeiten sind über Rückstellungen finanziert; hierzu zählen Adidas, Deutsche Börse, Lufthansa, MAN und MLP. Volkswagen, bei der derzeit noch 85 % der Betriebsrenten rückstellungsfinanziert sind, will langfristig zu einer Fondsfinanzierung übergehen.

  • „Innenfinanzierer mit Durchbrechungen“: Diese Unternehmen wickeln ihre ausländischen Pensionspläne über Pensionsfonds ab, weil die jeweiligen gesetzlichen Rahmenbedingungen es verlangen; ansonsten werden die deutschen Pensionspläne generell über Pensionsrückstellungen finanziert. Hierzu zählen Atlanta, BASF, Bayer, BMW, E.ON, Fresenius Medical Care, Henkel, Linde, Münchener Rück, RWE, ThyssenKrupp und TUI.

  • „Mischfinanzierer“: In- und ausländische Rentenverpflichtungen werden teilweise über Pensionsrückstellungen, teilweise über externe Versorgungseinrichtungen (Pensionsfonds, Pensionskassen, Unterstützungskassen) finanziert. Hierzu zählen Allianz, Commerzbank, Deutsche Post, Deutsche Telekom, HypoVereinsbank, Metro und Schering.

  • „Fondsfinanzierer“ sind DaimlerChrysler, Deutsche Bank, Infineon, SAP und Siemens.


Welche Vergleichskennzahlen lassen sich zur Beurteilung der Pensionsverpflichtungen heranziehen?


Nach der Untersuchung von SES Research verursachen die Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung bei DAX-Unternehmen Personalzusatzkosten von durchschnittlich 7,6 % – bezogen auf Löhne und Gehälter. Die relativen Altersvorsorge-Aufwendungen sind bei DAX-Unternehmen zum Teil extrem unterschiedlich und liegen zwischen 0,7 % und 17 % (im Einzelnen siehe Grafik).



Ein Vergleich der intern finanzierten Rentenzahlungen mit den Umsatzerlösen, dem Bruttoergebnis vom Umsatz oder dem operativen Cash-Flow gibt Hinweise darauf, wie stark die Betriebsrenten das laufende Geschäft bzw. den Cash-Flow belasten. Gemäß der Analyse von SES zahlen die 30 DAX-Unternehmen durchschnittlich 0,75 % der Umsatzerlöse als intern finanzierte Betriebsrenten aus (im Einzelnen siehe Grafik). Wie eine ähnliche Kennzahl „Verhältnis Altersvorsorge-Aufwendungen zu Umsatzerlösen“ bei den DAX-Unternehmen ausfällt, wird in der Info-Börse von BC 1/2004 (S. XVI) vorgestellt.



Auch die Belastung der Bilanzen durch Pensionsrückstellungen fällt bei den DAX-Unternehmen sehr unterschiedlich aus: Durchschnittlich sind 6,4 % der Bilanzsumme durch Pensionsrückstellungen repräsentiert; die Bandbreite bewegt sich von unter 1 % bis 21 % (im Einzelnen siehe Grafik).



Vergleichszahlen zur Kenngröße „Summe der Pensionsverpflichtungen pro aktiven Mitarbeiter“ werden in der Info-Börse von BC 1/2004 (S. XVI) vorgestellt.


Volltext-Bezug der Studie bei:

Die 42-seitige Auswertung mit einer detaillierten Einzelanalyse für jedes DAX-Unternehmen – u.a. Darstellung der Pensionsverpflichtungen, Kennzahlen sowie Beurteilung der individuellen Belastungen und Risiken – kann bezogen werden bei:

SES Research GmbH

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20095 Hamburg

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