BiBu 11/1996: Titelthema: Shareholder-Value


20. Jahrgang; Seiten 241-264; November 1996
TITELTHEMA
Shareholder-Value

BUCHFÜHRUNG/ RECHNUNGSLEGUNG/
JAHRESABSCHLUSS
Burkhard Klein und Alexander Wolff
Traditionelle Verfahren der Bilanzanalyse und Shareholder-Value Verfahren S. 241

Prof. Dr. Petar Proklin
Benedikt Kotruljevic – der eigentliche der doppelten Buchführung S. 246

KOSTENRECHNUNG/CONTROLLING
Eduard Unzeitig und Dietmar Köthner
Der Shareholder-Value als Planungs und Steuerungsgröße S. 248

EDV/ORGANISATION
Dr. Martin Reitz
Die Anwendung des Shareholder-Value-Konzepts bei mittelständischen Unternehmen mit Hilfe PC-gestützter Simulation S. 254

WIRTSCHAFTSRECHT
Dr. K. Jan Schiffer und Iris Neumaier
Haftung und Gewährleistung bei der Unternehmensbewertung S. 259

BVBB-NACHRICHTEN S. 262

Impressum S. IX

Shareholder-Value

Der häufig zur Zauberformel stilisierte und zugleich umstrittene Shareholder-Value (Eigentümerwert) dürfte aufgrund seiner internationalen Verbreitung mehr als eine Modeerscheinung sein. Im Kern handelt es sich um einen abdiskontierten Barwert aller künftig erwarteten Cash-flows eines Unternehmens. Nicht kurzfristige Umsatz- und Gewinnsteigerung stehen beim Shareholder-Value-Konzept im Vordergrund, sondern eine Rendite- oder Wertsteigerung, welche mit Blick auf Eigentümerinteressen langfristig die Ertragskraft eines Unternehmens mehren und sichern soll.
Anhänger des Shareholder-Value-Ansatzes feiern ihn als maßgebliche Kennzahl für die Qualität des Managements, welche die Konzentration auf das Kerngeschäft forciere und für Kapitalmärkte den Wert eines Unternehmens transparenter mache. Kritiker qualifizieren das aus den angelsächsischen Ländern Shareholder-Value-Konzept als ab, da es hierzulande bereits seit den sechziger Jahren bekannt und eines unter vielen Ertragswertmethoden sei; die mit der Wertsteigerung des Unternehmens einhergehenden drastischen Rationalisierungsmaßnahmen werden als Ursache für unsere Arbeitsmarktmisere gesehen.
Bei Einführung des Shareholder-Value-Konzepts, das übrigens nicht nur börsennotierte Aktiengesellschaften anwenden, werden Finanzbuchhaltung und Controlling im Unternehmen vornehmlich mit Kennzahlenermittlung und Steuerungsaufgaben befaßt. Vergangenheitsorientierung sowie mangelnde Aussagekraft der klassischen Erfolgs- und Rentabilitätsgrößen (z.B. Jahresüberschuß, Eigenkapitalrendite, Cash-flow) können zu falschen unternehmerischen Entscheidungen führen. Doch auch die Berechnung der zukunftsorientierten Ziel- und Lenkungsgröße Shareholder-Value hat ihre Tücken, da die Einbeziehung mittel- und langfristiger Unternehmenspläne zahlreiche Unbekannten birgt. Sobald der Restwert des Unternehmens (Residualwert), der für einen noch völlig ungewissen Planungszeitraum von mehr als zehn Jahren ermittelt wird, den überwiegenden Teil des Unternehmenswerts (z.B. über 80 Prozent) ausmacht, kann man beim Shareholder-Value nur noch von einer Scheingenauigkeit sprechen.
Schon diese Ausgabe macht deutlich, daß es für die Berechnung des Shareholder-Value keine einheitliche Methode gibt. Das Shareholder-Value-Konzept bietet bisher «weder ein schlüsselfertiges Gedankengebäude noch ein unmittelbar anwendbares formales Modell, das nur noch gefüttert werden muß» (Prof. Küting).


Vorschau

Die voraussichtlichen Themen der Dezember-Ausgabe 1996 des Bilanzbuchhalter:

  • Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme (GoBS) in der Praxis;
  • Cost Benchmarking;
  • Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 bis 9003 im Finanzbereich;
  • Überblick zum Umsatzsteuer-Änderungsgesetz;
    Steuerhinweise zum Jahresende 1996;
  • Neues zum Arbeitsrecht.


Organ des Bundesverbandes der
Bilanzbuchhalter und Controller e.V. BV/BC

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