BC 5/1999: Titelthema: Geringfügige Beschäftigung und Scheinselbständigkeit


23. Jahrgang; Seiten 97-120; Mai 1999
Titelthema
Geringfügige Beschäftigung und Scheinselbständigkeit

Buchführung/Rechnungslegung/
Jahresabschluß

Harmonisierung von internem und externem Rechnungswesen mit US-GAAP oder IAS S. 97

Steuerrecht
Jürgen Plenker
Neuregelung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse aus steuerlicher Sicht S. 108

Arbeits-/Sozialrecht
Bruno Krawczyk
Neue sozialversicherungs- und beitragsrechtliche Regelungen bei geringfügigen Beschäftigungen
S. 102

Bruno Krawczyk
Scheinselbständige Arbeitnehmer und arbeitnehmerähnliche Selbständige S. 110

Sozialrecht/Steuerrecht
Abgabenbelastung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse S. 106

Wirtschaftsrecht
Dr. Jörg Burkhard und Dr. K. Jan Schiffer
Von der Betriebsprüfung zur Steuerfahndung (Teil II) S. 115

BVBC-Nachrichten S. 118

Impressum S. XIII

"Geringfügig unterschätzt"

Die Kostenbelastungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgrund der Neuregelungen zu den geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, deren Zahl in den Jahren 1992 bis 1997 von 4,5 Mio. auf 5,6 Mio. stieg (vgl. "SAPMAG-Newsletter" vom 21.4.1999 via Internet), wurden vom Gesetzgeber unterschätzt. Denn beim größeren Teil der "Mini-Jobber" – vor allem bei denjenigen, die neben einer Hauptbeschäftigung auf 630 DM-Basis arbeiten – kommt eine Steuerfreistellung nicht in Betracht. Die Pauschalierung der Abgaben z.B. belastet den Arbeitgeber in diesen Fällen mit bis zu 44,5 % (bisher 22,5 %). Dieser "Abgaben-Schock" hat bereits dazu geführt, daß viele geringfügige Beschäftigungsverhältnisse gekündigt wurden. Der Hinweis, daß beim geringfügig Beschäftigten im Fall der Regelbesteuerung zumindest teilweise eine Erstattung der Lohnsteuer in Verbindung mit der Einkommensteuerveranlagung im folgenden Jahr möglich ist, wird daran wohl in der Regel kaum etwas ändern können.

Um die monatliche Entgeltgrenze von 630 DM nicht zu überschreiten und geringfügig Beschäftigte halten zu können, sehen sich daher Arbeitgeber gezwungen, Arbeitnehmer "netto" möglichst so zu stellen, wie sie vor dem 1.4.1999 gestanden sind. Dies läßt sich z.B. annähernd durch eine Erhöhung des Stundenlohns bei gleichzeitiger Verringerung der monatlichen Arbeitszeit erreichen. Als Maßstab für einen Kostenvergleich zwischen Alt- und Neuregelung kann nur der Nettostundenlohn genommen werden. Für dieselbe Menge an Arbeit müssen dann künftig mehr Menschen eingesetzt werden. Es kommt zur Erhöhung der Personalkosten (bei Berücksichtigung des Arbeitsstundenausfalls in den meisten Fällen bis zu 40 %, zum Teil sogar über 70 %) und zu zusätzlichen Verwaltungskosten.

Ausweichmöglichkeiten bestehen über ein Outsourcing: Eine Putzfrau kann z.B. durch eine Reinigungsfirma, ein Hausmeister auf 630 DM-Basis durch einen Hausverwaltungsservice ersetzt werden. Ein verbleibendes "Schlupfloch" ist es, die Zahl der geringfügig entlohnten zugunsten der kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisse abzubauen (vgl. in dieser Ausgabe Seite 104). Sofern ein werkvertraglicher Erfolg nachgewiesen werden kann, z.B. die Erstellung eines bestimmten Computerprogramms oder einer Abschlußrechnung, könnten geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse in Vertragsverhältnisse mit "echten" Selbständigen oder auch arbeitnehmerähnlichen Selbständigen (siehe in dieser Ausgabe Seite 110) überführt werden. Um die Personal- und Verwaltungskosten gering zu halten, werden Arbeitgeber zudem versuchen, möglichst Arbeitnehmer ohne eine Hauptbeschäftigung zu finden (Steuerfreistellung!), wie Hausfrauen, Rentner und Beamte/n-Ehegatten.


Vorschau
Die voraussichtlichen Themen der BC-Juni-Ausgabe 1999:

  • Auswirkungen der Jahr-2000-Umstellung auf die Rechnungslegungspraxis;
  • Jahr-2000-Wechsel im Finanz- und Rechnungswesen meistern;
  • Haftungs- und Versicherungsfragen bei der Softwareumstellung/Jahr 2000;
  • Betriebliche Altersversorgung aus lohnsteuerlicher Sicht.

Organ des Bundesverbandes der
Bilanzbuchhalter und Controller e.V. BV/BC

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