Exposure Draft zu Investmentgesellschaften (ED/2011/04) erschienen


IRZ, Heft 10, Oktober 2011, S. 416

Am 25.08.2011 hat der IASB den Exposure Draft ED 2011/04 „Investmentgesellschaften“ herausgegeben. Hierin werden Investmentgesellschaften als eine eigenständige Form von Unternehmen definiert, die aus den Vorschriften zur Konsolidierungskreisabgrenzung nach IFRS 10 ausgenommen sind.

Nach Darstellung des Board sind die im Standardentwurf vorgeschlagenen Regelungen im Rahmen des Konsultationsprozesses zu den allgemeinen Regelungen zur Konzernabschlusspflicht des IFRS 10 entstanden. Im Hinblick auf das Geschäftsmodell von Investmentgesellschaften wurde von einer Vielzahl der Kommentierenden nach der Aussagekraft von Abschlüssen gefragt, wenn in den IFRS weiterhin auch für diese Gesellschaften die Konsolidierung von Unternehmen vorgeschrieben wird, welche von der Investmentgesellschaft beherrscht werden.

Der Standardentwurf grenzt zunächst den Anwenderkreis ab. Als Investmentgesellschaft ist nach ED/2011/04 ein Unternehmen zu beurteilen, welches sämtliche nachfolgenden Kriterien erfüllt:

 

  • Art der Anlagetätigkeit: Die substanzielle Tätigkeit des Unternehmens beschränkt sich auf die Investition in verschiedene Anlageobjekte zum Zwecke der Werterhöhung, der Erzielung von Anlageerträgen (wie beispielsweise Dividenden oder Zinsen) oder beidem.
  • Geschäftszweck: Das Unternehmen verpflichtet sich gegenüber seinen Anteilseignern ausdrücklich, dass der Zweck des Unternehmens in der Werterhöhung, der Erzielung von Anlageerträgen (wie beispielsweise Dividenden oder Zinsen) oder beidem liegt.
  • Eigentum an Anteilen: Das Eigentum an der Investmentgesellschaft resultiert aus Investmentanteilen wie beispielsweise Aktien oder Partneranteilen, denen proportionale Anteile am Nettovermögen zugeordnet werden.
  • Pooling der Mittel: Zum Zweck eines professionellen Investmentmanagements im Interesse der Anleger werden die Mittel der Anteilseigner im Unternehmen gepoolt. Das Unternehmen hat Anleger, die in keiner Beziehung zu etwaigen Mutterunternehmen stehen und die zusammen einen bedeutenden Anteil am Eigenkapital des Unternehmens halten.
  •  Bewertung zum beizulegenden Zeitwert: So gut wie alle Anlagen des Unternehmens werden auf Grundlage des beizulegenden Zeitwerts geführt und ihre Ertragskraft entsprechend beurteilt.
  • Angaben: Das Unternehmen stellt seinen Anlegern regelmäßig Finanzinformationen über seine Anlagen zur Verfügung. Das Unternehmen kann, muss aber nicht rechtlich den Status  einer eigenständigen Gesellschaft haben.

 

Wird ein Unternehmen demzufolge als Investmentgesellschaft qualifiziert, so schlägt ED/2011/04 vor, ihre Beteiligungen nach den Vorschriften des IFRS 9 erfolgswirksam zum Fair Value zu bewerten. Allerdings soll den Mutterunternehmen von Investmentgesellschaften verboten werden, die von seinem Tochterunternehmen angewendete Zeitwertbilanzierung seiner Investments zu übernehmen, wenn das Mutterunternehmen nicht selbst als Investmentgesellschaft anzusehen ist. In diesem Fall soll das Mutterunternehmen verpflichtet sein, alle Unternehmen im Konzern zu konsolidieren.

Darüber hinaus schreibt der Standardentwurf entsprechende Zusatzanhangangaben vor, die den Jahresabschlussadressaten in die Lage versetzen sollen, die Art und die finanziellen Auswirkungen der Anlagetätigkeit der Gesellschaft einzuschätzen.

Als Folgeänderungen aus ED/2011/04 werden zudem Änderungen von IAS 28 dergestalt vorgeschlagen, als Investmentgesellschaften zukünftig vorgeschrieben werden soll, ihre Beteiligungen an assoziierten Unternehmen und Joint Ventures nach IFRS 9 erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert zu bewerten. In diesem Zusammenhang soll der Begriff „Wagniskapitalgesellschaft, Investmentfonds, Unit Trust oder vergleichbare Unternehmen“ einheitlich durch den Terminus Investmentgesellschaft ersetzt werden.

Stellungnahmen zu ED/2011/04 können bis zum 05.01.2012 an den IASB gerichtet werden. Dieser verfolgt das Projekt „Investmentgesellschaften“ gemeinsam mit dem FASB. Es wird erwartet, dass der FASB entsprechende Vorschläge in Kürze herausbringen wird. Die Verabschiedung des endgültigen Standards ist für das zweite Halbjahr 2012 geplant. Für kapitalmarktorientierte Konzerne in der EU kommt eine Anwendung allerdings erst dann in Betracht, wenn die EU nicht nur den dann endgültigen Standard, sondern auch IFRS 9 im Rahmen des Endorsement-Verfahrens anerkannt hat.

 

» IRZ-Beitrag zum Thema: Buschhüter, ED/2011/4 – Der neue Standardentwurf zur Bilanzierung von Investmentgesellschaften