Thomas Hoeren

Beisenherz, Der professionelle Sport und das europäische Kartellrecht


Maja Beisenherz, Der professionelle Sport und das europäische Kartellrecht, Köln (Carl Heymanns) 2011, ISBN 978-3-452-27507-3, € 74,-
MMR-Aktuell 2012, 340775         Das Sportrecht ist eine wenig bekannte, doch von großer wirtschaftlicher Bedeutung getragene Disziplin. Viele Fragen rund um dieses Rechtsgebiet sind unklar, etwa die Frage nach der kartellrechtlichen Einordnung des Profisports. Insofern ist es ein besonderer Verdienst von Maja Beisenherz, sich dieser schwierigen Thematik angenommen zu haben. Sie beginnt in ihrer Dissertation zunächst einmal mit Begriffsdefinitionen insbesondere im Hinblick auf den Begriff des Sportveranstalters (S. 9 ff.). Eher einführenden Charakter hat auch die Darstellung zur Regelung des Sports im europäischen Primärrecht (S. 31 ff.). Kurze Hinweise gelten auch dem Hinweis auf die Verbandsautonomie und dessen Bedeutung für die Auslegung der Grundfreiheiten (S. 41 ff.). Ab S. 63 beginnt die Arbeit dann mit der Prüfung des Kartellrechts. Zunächst einmal werden subsumtionsmäßig die Voraussetzungen des Kartellverbots nach Art. 101 AEUV vorgestellt (S. 70 ff.). Dann werden die Freistellungskriterien (S. 91 ff.) und die (bislang noch fehlende) Möglichkeit einer Gruppenfreistellung thematisiert (S. 99 ff.). Die Verfasserin plädiert dafür, nicht bloß floskelhaft auf die angeblichen sportlichen Besonderheiten abzustellen, wie dies von Sportfunktionären oft vorgetragen werde. Vielmehr seien die konkreten Marktverhältnisse und die jeweilige Wettbewerbsbeschränkung im Detail zu prüfen. Mit dieser Einzelfallbetrachtung geht die Beisenherz dann an einzelne Wettbewerbsklauseln heran (S. 111 ff.). Sehr schön werden verschiedenste Formen der sportspezifischen Wettbewerbsbeschränkung herausgearbeitet und im Detail untersucht.

 

Im Kern geht es der Verfasserin darum, Wahrscheinlichkeiten für eine Wettbewerbsbeschränkung einschätzen zu können. Sie unterscheidet aus diesem Grund zwischen Regelungen, die allein auf den sportinternen Markt wirken, der Chancengleichheit dienen und nicht die Vermarktung einer Sportart oder eines Sportereignisses betreffen. Diese seien wahrscheinlich eher nicht wettbewerbswidrig; die Verfasserin listet als Beispiele dafür Financial Fair Play-Konzepte oder das Verbot von wettbewerbsverzerrenden Hilfsmitteln im Wettkampf auf. Als schwieriger und kartellrechtlich bedenklicher sieht die Autorin Regelungen zur zentralen Rechtevermarktung an (S. 123 ff.). Zu Recht kritisiert die Verfasserin, dass die Kommission bei ihren diesbezüglichen Abwägungen die Nachteile für den Verbraucher durch die Zentralvermarktung kaum berücksichtigt habe. Im Kern hält sie die derzeitige Regelung zur Zentralvermarktung für kartellrechtlich eher bedenklich. Gar nicht hinnehmen will die Verfasserin Regelungen, die keine sportspezifische Wirkung haben, dennoch aber das Marktverhalten von Vertretern des Sportsektors betreffen. Denn diese seien mit hoher Wahrscheinlichkeit unzulässig. Dazu sollte insbesondere das die Mannschaftsunternehmen Sportcast des DFL gehören (S. 153 ff.). Dann prüft Beisenherz noch die Frage des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung (S. 161 ff.). Ferner kritisiert die Verfasserin vor allem die Produktkoppelung und problematisiert die Vermarktung über gebündelte Rechtepakete sowie die Vergabe von Sponsorenrechten für mehrere Großereignisse etwa im Hinblick auf die Olympischen Spiele (Letzteres S. 211 ff.). Die Arbeit schließt dann noch mit Hinweisen zum Erfordernis der Transparenz für Sportverbände (S. 205 ff.) und Hinweisen zur Rechtsdurchsetzung (S. 219 ff.).

 

Wie man dieser kurzen Übersicht schon anmerken kann, ist die Verfasserin erfreulich kritisch. Sie glaubt insbesondere dem „Gerede“ vieler Sportfunktionäre nicht, die immer wieder das Kartellrecht durch Verweis auf sportspezifische Besonderheiten umschiffen wollen. Allerdings kommt sie auch selbst nicht darum herum, immer wieder auf den Einzelfall und sportspezifische Besonderheiten abzustellen. Insofern ist sie manchmal mit ihren Urteilen auch sehr vorsichtig und hätte durchaus noch prononcierter prüfen können. Dennoch handelt es sich vorliegend um eine mutige Arbeit einer jungen Rechtswissenschaftlerin, die das Sportrecht gerade in seiner kartellrechtlichen Dimension nachhaltig beeinflussen wird. Dem Leser sei daher diese Dissertation zur Lektüre empfohlen – vor allem dem Leser aus der Sportwirtschaft selbst.

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.