Helmut Hoffmann

Miras, Die neue Unternehmergesellschaft


Antonio Miras, Die neue Unternehmergesellschaft. UG (haftungsbeschränkt) und vereinfachte Gründung nach neuem Recht. Mit Formularteil, München (Verlag C. H. Beck) 2., erweiterte Auflage 2011, ISBN 978-3-406-61394-4, € 36,-

 

MMR-Aktuell 2012, 329296    Mit der 2. Auflage aktualisiert und erweitert Miras sein Werk über die neue Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt). Diese war durch das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen („MoMiG“) im neu geschaffenen § 5a GmbHG eingeführt worden. In der 2. Auflage hinzu gekommen sind Darstellungen zum rechtlichen Status der Gesellschafter und Geschäftsführer.

Das Buch gliedert sich in zwei Hauptteile. Im ersten Teil wird die UG (haftungsbeschränkt) ausführlich erläutert. Zunächst wird herausgestellt, dass es sich um eine Rechtsformvariante der GmbH handelt. Hieraus folgt, dass manche der anschließenden Erläuterungen auch als Einführung in bestimmte Aspekte des GmbH-Rechts gelesen werden können. Von besonderem Interesse für den Leser werden die Ausführungen sein, die sich einerseits mit der Neugründung befassen, andererseits die sich aufdrängenden Fragen behandeln, ob z.B. eine reguläre GmbH zur UG (haftungsbeschränkt) „herabgestuft“ werden oder ob eine UG (haftungsbeschränkt) im Wege der Umwandlung entstehen kann.

Da seit mehreren Jahren die englische Limited als Alternative zur deutschen GmbH erachtet wurde und zahlreiche Firmen mit nur geringem Stammkapital in dieser Rechtsform gegründet worden waren, befasst sich Miras sehr gründlich damit, worin heute die Vor- und Nachteile der UG (haftungsbeschränkt) einerseits und der Limited andererseits bestehen. Er kommt zu dem einleuchtenden Ergebnis, dass heute alles für die Gründung einer UG (haftungsbeschränkt) spricht, wenn ein Kapital von mind. € 25.000,- zur Firmengründung nicht zur Verfügung steht.

Seine Ausführungen gelten insbesondere auch für Existenzgründer im IT- und Online-Bereich. Bei weitem nicht jede neu gegründete Firma wird kurz nach ihrer Gründung einern Kapitalbedarf von mind. € 25.000,- benötigen, sodass sich unter diesem Aspekt bereits ein starkes Argument für die UG (haftungsbeschränkt) ergibt. Miras stellt heraus, dass eine Gründung mit dieser Gesellschaftsform vor allem für haftungsgefährdete Unternehmen mit geringem Kapitalbedarf in Frage kommt, was in den hier angesprochenen Branchen häufig durchaus zutreffen wird.

In einem ausführlichen Kapitel zum Stammkapital weist Miras einerseits darauf hin, dass theoretisch eine Firmengründung mit lediglich € 1,- Stammkapital zulässig ist. Er verweist andererseits darauf, dass die Wahl eines solch extrem geringen Betrags eigentlich nie sinnvoll erscheint, sondern der in bar eingezahlte Betrag ausreichen sollte, um hiervon die Gründungskosten zu begleichen, damit nicht die Notar- und Eintragungskosten aus dem Privatvermögen des Gesellschafters bzw. der Gesellschafter aufgebracht werden müssen. Und er verweist mit Recht darauf, dass nahezu immer eine übliche technischen Büroausstattung erforderlich ist und aus dem eingezahlten Stammkapital finanziert werden sollte, wobei ein Nachteil der UG (haftungsbeschränkt) darin zu sehen ist, dass der bei der GmbH mögliche Weg der Sacheinlage (§ 5 Abs. 4 GmbHG) hier gem. § 5a Abs. 2 Satz 2 GmbHG unzulässig ist.

Miras rechnet sehr ausführlich die verschiedenen Varianten der Gründung einer Ein- und Mehrpersonengesellschaft und verschiedener Stammkapitalhöhen in Verbindung mit den Varianten der Gründung unter Verwendung des Musterprotokolls oder einer individuell formulierten Urkunde durch. Er kommt hierbei zu dem sicherlich manchen Leser überraschenden Ergebnis, dass nicht immer die Musterprotokoll-Verwendung der preiswertere Weg sein muss.

Wünschenswert für die nächste Auflage wären zusätzliche Ausführungen zu Buchführungs- und Steuerberatungskosten, mit denen ein Existenzgründer, wenn er diese Rechtsform wählt, in den ersten Jahren je nach Geschäftsumfang zu rechnen hat.

Eindringlich stellt Miras auch die Nachteile gegenüber der regulären GmbH dar, die mit der Thesaurierungspflicht zusammenhängen: Der erwirtschaftete Gewinn darf gem. § 5a Abs. 3 GmbHG entgegen § 46 GmbHG nicht beliebig verwendet werden, vielmehr hat die Gesellschaft in ihrer Jahresbilanz eine Rücklage von einem Viertel des – ggf. um einen Verlustvortrag aus dem Vorjahr geminderten – Jahresüberschusses einzustellen. Dargestellt werden in diesem Zusammenhang der Rechtsrahmen der Verwendung dieser Rücklagen, die Rechtsfolgen bei einem Verstoß gegen die Thesaurierungsverpflichtung, aber auch die bestehenden Spielräume bei der Gewinnermittlung durch Generierung zusätzlicher Betriebsausgaben und die Grenzen solcher Möglichkeiten.

 

Der zweite, wesentlich kürzere Hauptteil ist als Formularteil ausgestaltet und enthält Muster für die Gründungsdokumente, den Übergang von der UG (haftungsbeschränkt) in eine reguläre GmbH und den notariellen Beglaubigungsvermerk im Musterprotokoll für eine Mehr-Personen-Gesellschaft.

 

Das Buch liest sich sehr gut. Bei aller juristischen Exaktheit ist die Sprache stets eingängig und instruktiv. Es ist vor allem für den anwaltlichen Berater ohne spezifischen Tätigkeitsschwerpunkt im Gesellschaftsrecht ebenso uneingeschränkt empfehlenswert wie für den Unternehmensgründer mit einer kaufmännischen Ausbildung, dem juristische Gedankengänge nicht völlig fremd sind. Der Preis ist für ein juristisches Fachbuch äußerst moderat.

 

RiOLG a.D. Dr. Helmut Hoffmann, Ulm.