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    Erfahrungsbericht JA 3/2016

    Von Ref. jur. Björn Krämer, Bonn

    Schule des Polnischen Rechts – LL.M. »Polnisches Wirtschaftsrecht« an der Jagiellonen Universität Krakau

    Begibt man sich auf die Suche nach dem passenden LL.M.-Programm wird man zwangsläufig mit Programmen von Universitäten in Nordamerika oder England konfrontiert. Dafür spricht das weltweite Renommee von Universitäten wie Cambridge, Harvard, Princeton uvm. Warum sollte man sich also für einen LL.M. in Krakau entscheiden, insbesondere wenn man keinen polnischen Background hat?

    Zweifel an den genannten Programmen können aufkommen, wenn man bedenkt, wie viele Semester ein Studium über das deutsche Recht in Anspruch nimmt und man dennoch die Materie nicht in vollem Umfange verinnerlichen kann. Wie soll dies über ein fremdes Rechtssystem in einem Jahr möglich sein? Wenn das Ziel weniger der Erwerb der englischen Sprache, sondern die juristische Weiterbildung ist, sollte man sich intensiver mit dem Krakauer LL.M.-Programm beschäftigen.

    Vorteile des Programms

    Die Ausbildung an der juristischen Fakultät der Jagiellonen-Universität Krakau gilt als die Schwerste aber auch Beste in Polen. Im Zuge der Förderung der deutsch-polnischen Beziehungen ist das dortige Programm ausschließlich auf deutsche Juristen ausgelegt. Daraus entspringt der Vorteil, dass insbesondere die Dozenten im Schuld und Gesellschaftsrecht regelmäßig Vergleiche zum deutschen Recht ziehen. Den Studenten werden die Bereiche aufgezeigt, in denen sich deutsches und polnisches Recht entsprechen. Diese Entsprechung von Rechtsinstituten ist auf die geschichtliche Entstehung des polnischen Zivilgesetzbuches sowie die europäischen Einflüsse zurückzuführen. So galten, als die Kodifizierungskommission ihre Arbeit aufnahm, auf polnischem Staatsgebiet fünf Rechtsordnungen. Dies waren das deutsche BGB, das österreichische ABGB, der französische Code Civil, sowie die damals geltende ungarische und russische Zivilrechtsordnung. Bei der Erschaffung einer neuen polnischen Rechtsordnung wurde somit zwangsläufig auf diese Rechtsordnungen und darüber hinaus auf das schweizerische ZGB zurückgegriffen (wobei das deutsche und das französische Recht den größten Einfluss hatten). Aus dieser Geschichte heraus ist auch erklärbar, dass das Oberste Gericht bei seiner Rechtsfindung teilweise einen Blick auf die BGH-Rechtsprechung wirft, so zB im Gesellschaftsrecht in einem der Holzmüller-Entscheidung ähnelnden Fall. Andererseits wird den Studenten auch deutlich vor Augen geführt, in welchen Bereichen sich die Rechtssysteme unterscheiden, worauf der deutsche Jurist im polnischen Recht also besonders Acht geben muss. Beispielsweise existiert im polnischen Zivilrecht kein Abstraktionsprinzip, stattdessen hat die Kodifikationskommission das Einheits- und Kausalitätsprinzip aus dem Code Civil übernommen. Aus diesen Vergleichen der Dozenten resultiert für die deutschen Studenten der Vorteil, dass sie beim Erlernen des neuen Rechtssystems das bereits bekannte deutsche Recht vertiefen. Vorteilhaft ist zudem, dass die Gesetzestexte und Skripte in deutscher Sprache verfasst sind und somit auch hier den Studenten das Erlernen des polnischen Rechts erleichtert wird.

    Insbesondere im Wirtschaftsrecht können Beziehungen zum größten östlichen Nachbarland wichtig sein. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes ist Deutschland seit zwei Jahrzehnten der mit Abstand größte Handelspartner Polens. Polen wickelt etwa 26 % seiner Exporte und ca. 22 % der Importe mit Deutschland ab. Eine weitere dynamische Entwicklung der polnischen Wirtschaft ist anzunehmen. Mit dem LL.M.-Programm können sich Studenten zum einen abgrenzen, aber auch wichtige Kenntnisse über das Rechtssystem dieses wichtigen Handelspartners in Wirtschaftskanzleien oder Unternehmen einbringen.

    Programmablauf

    Das Programm ist zweigliedrig aufgeteilt. Im ersten Semester bestreiten die Studenten die Schule des polnischen Rechts. Hier treffen sowohl aktuelle Studenten der Rechtswissenschaft (ab dem dritten Fachsemester) als auch examinierte Juristen aufeinander. Erstere können das Semester an ihrer Heimatuniversität als Urlaubssemester anrechnen lassen, sodass die Chance auf den Freischuss nicht gemindert wird. Der Fächerkanon umfasst das polnische Schuld- und Sachenrecht, Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht, Arbeitsrecht, Internationales Privatrecht, Öffentliches Recht, Öffentliches Wirtschaftsrecht, Verwaltungsrecht und Verfassungsrecht. Hinzu kommt ein verpflichtender Sprachkurs. Auch beinhaltet das Programm Stadtführungen, Geschichtsvorlesungen und Ausflüge zur Salzmiene Wieliczka, zum Konzentrationslager Auschwitz und das Pieniny-Gebirge. Abgeschlossen wird die Schule des Polnischen Rechts mit einer Abschlussfeier zusammen mit der Schule des Deutschen Rechts im Festsaal der Jagiellonen Universität Krakau. Im Rahmen dieser Feier erhalten die Absolventen beider Rechtsschulen ihre Zeugnisse über die erbrachten Leistungen im vorangegangenen Semester. Das Bestehen der Schule des Polnischen Rechts setzt die erfolgreiche Teilnahme an sechs zweistündigen Rechtsklausuren sowie der schriftlichen und mündlichen Sprachprüfung voraus.

    In den Semesterferien besteht für die Absolventen der Schule despolnischen Rechts die Möglichkeit Praktika in polnischen Kanzleien zu absolvieren, wobei diese zumeist in Warschau ansässig und nicht vergütet werden. Das zweite Semester des LL.M.-Programms setzt sich schließlich aus einem Wochenendseminar in Krakau und der Anfertigung der Masterthesis über ein selbstgewähltes Thema im polnischen oder deutsch-polnischen Recht zusammen.

    Bewerbung, Wohnungssuche und Kosten

    Nach der Bewerbung (die Bewerbungsfristen divergieren und sind der Homepage http://www.llm.law.uj.edu.pl zu entnehmen) mittels eines digitalen Bewerbungsformulars erhält der Teilnehmer Anfang Februar die Benachrichtigung, ob er ab März in Krakau studiert und kann sich sodann auf Wohnungssuche begeben. Über das Sekretariat der Schule des Polnischen Rechts ist es möglich, einen Platz im Studentenwohnheim zu erwerben. Das Leben im Studentenwohnheim kostet ca. 90–100 EUR im Monat. Ein Wohnabteil setzt sich aus zwei Zimmern mit je drei Schlafplätzen, Küche sowie Bad zusammen. Allerdings wird man in dem Studentenwohnheim weniger auf polnische Mitbewohner stoßen, da diese in einem anderen Haus untergebracht sind. Sucht man den sofortigen Kontakt zu polnischen Studenten, bietet sich die Suche nach einem WG-Zimmer auf einschlägigen Internetportalen (zB gumtree.pl, dlastudenta.pl) an. In einem ca. zwei Kilometer weiten Umkreis vom Zentrum kann man mit 200–300 EUR Miete für das Zimmer rechnen. Eine Einzimmerwohnung kostet in demselben Umkreis etwa 400 EUR zuzüglich Nebenkosten.

    Die Studiengebühren für die Schule des Polnischen Rechts betragen 1.500 EUR. Diese erhöhen sich bei Teilnahme am LL.M.-Programm auf 4.500 EUR. In finanzieller Hinsicht bietet sich den Teilnehmern die Möglichkeit der Teilfinanzierung durch ein Stipendium des polnischen Hochschulministeriums für deutsche Studenten und des DAAD für deutsch-polnische Studenten. Die Stipendiaten erhalten monatlich 300 EUR und einmalig 200 EUR Reisekostenzuschuss. Hinzu kommt die Befreiung von Kursgebühren für die Schule des Polnischen Rechts sowie die Verringerung der Studiengebühren von 4.500 EUR auf 3.000 EUR. Hinsichtlich der Lebenshaltungskosten kann man es sich bei separater Mietzahlung von den 300 EUR des Stipendiums durchaus gut gehen lassen, sodass lediglich ein geringer Mehraufwand bestehen wird.

    Studentenstadt im Wandel

    Ein weiteres Argument für das Programm ist der Charme der Stadt Krakau. Eine Stadt, die sich im stetigen Wandel befindet, und in der Königszeit, Kommunismus und Moderne aufeinander treffen. Die Studentenstadt, immerhin sind ein Viertel der 760.000 Einwohner Studenten, hat auch abseits des Hörsaals einiges zu bieten. Insbesondere wenn Krakau den kalten Winter hinter sich gelassen hat, kommt die Schönheit der Stadt zum Vorschein. Zahlreiche Cafés, die Planten oder das Weichselufer unterhalb des Wawels mit dem ehemaligen Königsschloss laden zum verweilen ein. Der Abend lässt sich schließlich in einer der Bars im In-Viertel Kazimierz, in den Clubs, Jazzbars uvm am Rynek (Hauptmarkt) ausklingen. Ein Highlight stellt im Mai das Studentenfest der Juwenalia dar. In dieser Zeit finden zahlreiche studentische Veranstaltungen im Stadtzentrum statt.

    Fazit / Teilnahmeempfehlung

    Wer sich für ein Studium an der zweitältesten Universität Mitteleuropas entscheidet, wird eine Stadt mit Charme vorfinden, die schnell zur zweiten Heimat wird. Das Studium des polnischen Wirtschaftsrechts wird einem durch Verknüpfungen mit dem deutschen Recht so eingängig wie möglich vermittelt wird. Auch Studenten ohne polnischen Background sollten den Schritt nach Krakau nicht scheuen. Die Freundlichkeit, die einem im Alltag beim Versuch polnisch zu sprechen, zB beim Bäcker oder Metzger, entgegengebracht wird, ist unglaublich. Während der Zeit in Krakau wird man Kontakte, Erfahrungen und Kenntnisse erhalten können, die gewinnbringend im späteren Beruf oder in der weiteren akademischen Laufbahn sind. Aus dem Abschlussjahrgang 2013 der Schule des Polnischen Rechts ist im August 2015 das Deutsch-Polnische Juristennetzwerk hervorgegangen. Dies zeigt, dass auch zwei Jahre nach dem Programm die Verbindung zur Jagiellonen-Universität, der Stadt Krakau und Polen nicht abreißt.

    Erfahrungsbericht JA 12/2015

    Von Mirjam Lahusen und Philipp Ritter, Referendare im Bezirk des OLG Braunschweig, Göttingen

    Auch der Krieg hat Regeln – Referendartagung »Die Verbreitung des Humanitären Völkerrechts« (9.–10.10.2015 in Bad Pyrmont)

    Anlässlich der Tagung kamen 30 Rechtsreferendare des Landes Niedersachsen und Konventionsbeauftragte des Deutschen Roten Kreuzes in der DRK-Landesschule in Bad Pyrmont zusammen. In einer Kooperationsveranstaltung des Deutschen Roten Kreuzes, des Instituts für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum und des Niedersächsischen Justizministeriums informierten sich die Referendare über den Inhalt, die Entwicklung und die Verbreitung des Humanitären Völkerrechts sowie dessen Bedeutung.

    In der Begrüßung erläuterte Otto-Werner Beushausen das Tätigkeitsfeld der Konventionsbeauftragten des DRK, deren vornehmste Aufgabe es sei, die Allgemeinheit über den Inhalt und den Geltungsbereich der nunmehr vier Genfer Konventionen zu unterrichten, er selbst hat dieses Ehrenamt für den DRK-Landesverband Niedersachsen inne.

    Im Anschluss daran führte Prof. Dr. Hans-Joachim Heintze, IFHV/Bochum, in die Materie des Humanitären Völkerrechts ein. Darunter sei das Recht des Krieges sowohl in Bezug auf den Schutz der Kampfteilnehmer, den sog Kombattanten, als auch den Schutz der Zivilbevölkerung zu verstehen, die Beschränkung von Kriegsmethoden und Kriegswaffen falle ebenfalls darunter. In seinem Vortrag zeigte er Herkunft und Bedeutung ethischer Erwägungen in Kriegszeiten auf und verdeutlichte den Zusammenhang zwischen fortschreitender Waffentechnik einerseits und dem zunehmenden Interesse an dem Schutz der Beteiligten und Opfer andererseits. So ist es verboten, dem Kriegsgegner und dessen Zivilbevölkerung überflüssige Verletzungen oder unnötige Leiden zuzufügen. Ganze Waffengattungen (so etwa die »ABC-Waffen«) dürften aus diesem Grund in kriegerischen Auseinandersetzungen nicht eingesetzt werden, da es an einer beherrschbaren Zerstörungswirkung fehle. Die Bindung an diese Regeln erfolge durch die internationale Staatengemeinschaft aufgrund einer Gegenseitigkeitserwartung, der sog. Reziprozität.

    Den Abschluss des ersten Seminartages bildete ein Referat von Robin Ramsahye, IFHV/Bochum, das die Entstehung von und aktuelle Entwicklungen im Völkerstrafrecht zum Gegenstand hatte. Dabei spannte Ramsahye den Bogen von dem Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess bis zum Internationalen Strafgerichtshof mit Sitz in Den Haag.

    Felix Boor, Hamburg, informierte zu Beginn des zweiten Seminartages über den Zusammenhang zwischen Humanitärem Völkerrecht und Waffenverboten. Dabei vertiefte er den bereits von Prof. Dr. Heintze angerissenen Grundsatz, unnötiges Leid in kriegerischen Auseinandersetzungen nach Möglichkeit zu vermeiden und gab einen Ausblick auf neue Kriegstechnologien, wie den Einsatz von Drohnen und den Cyberkrieg.

    Im Anschluss daran beleuchtete Tobias Ackermann, IFHV/Bochum, die Durchsetzbarkeit von Schadensersatzansprüchen aus Verletzungen des Humanitären Völkerrechts und benannte mögliche Anspruchsgrundlagen und zuständige Gerichte.

    Abgerundet wurden die Vorträge durch ein Referat von Dr. Stefanie Haumer, DRK/Berlin, über die Prinzipien der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Die Juristin aus dem DRK-Generalsekretariat stellte dabei auch die Arbeit des DRK in gegenwärtigen Krisengebieten vor und beleuchtete Entstehungsgeschichte und Bedeutung der offiziellen Symbole des Verbands.

    In seinem Schlusswort unterstrich Otto-Werner Beushausen nochmals den andauernden Auftrag, den Inhalt der Konventionen zu verbreiten. Nur die Kenntnis des Inhalts der Genfer Konventionen könne dabei helfen, Kriegsverbrechen und unnötiges Leid für Soldaten und die Zivilbevölkerung in weiten Teilen der Welt zukünftig zu verhindern.

    Die gelungene und für Referendare kostenfreie Tagung bot einen fundierten Überblick über das Humanitäre Völkerrecht und dessen ungemein aktuelle Bedeutung. Die Teilnahme an der jährlich angebotenen Veranstaltung sei jenen Referendaren wärmstens ans Herz gelegt, die sich für jüngere Geschichte und Weltpolitik interessieren. Kenntnisse des Völkerrechts sind weniger notwendig, als vielmehr die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit. Informationen zu weiteren Tagungen werden gegebenenfalls rechtzeitig auf den Internetseiten des Landesjustizprüfungsamtes des Landes Niedersachsen bekannt gegeben.

    Erfahrungsbericht JA 8/2015

    Von Laura Helen Thoma, Studentische Mitarbeiterin Dekanat Juristische Fakultät; Eberhard Karls Universität Tübingen

    Fakultätskarrieretag in Tübingen

    Einleitung: Vom Praktikum und zur Karriere

    Netzwerke und berufliche Kontakte können den Einstieg in das Berufsleben erleichtern. Um hier anzuknüpfen und frühzeitig den Kontakt zu künftigen Arbeitgebern herzustellen, bot die Juristische Fakultät der Eberhard Karls Universität mit dem diesjährigen Fakultätskarrieretag bereits zum fünften Mal eine Karriereplattform an, bei der sich die Besucher über die verschiedenen Berufsfelder der Juristerei informieren konnten: Auf der Suche nach Praktika, Nebentätigkeiten, Referendarstationen oder Festanstellungen bekamen Studierende wie Referendare die Möglichkeit in direkten Kontakt mit Personal- und Fachverantwortlichen aus Unternehmen, Kanzleien oder öffentlicher Verwaltung zu treten und sich dabei über aktuelle und künftige Stellenangebote zu informieren und auszutauschen. Das Absolvieren verschiedener Praktika vor, während und nach dem Studium ist zu einem unerlässlichen Bestandteil der juristischen Grundausbildung geworden. Praktische Erfahrungen helfen das theoretisch erlernte Wissen in die Praxis umzusetzen und geben Einblicke in verschiedene juristische Berufsfelder – gerade oder vor allem deshalb ist in der Juristenausbildungs- und Prüfungsordnung Baden-Württemberg in § 5 II festgeschrieben, dass Studierende während der praktischen Studienzeit eine »Anschauung von praktischer Rechtsanwendung« erhalten.

    Bei der Praktikums- oder Arbeitsplatzsuche steht den Bewerbern aber eine Vielzahl von attraktiven und potenziellen Arbeitgebern gegenüber. Um dabei die Recherche nach den relevanten Informationen und den richtigen Ansprechpartnern zu erleichtern, sollte der Fakultätskarrieretag den ersten Kontakt und Austausch mit den potentiellen Arbeitgebern erleichtern. So übernahm – getreu dem Motto »Die Karriere kommt zu Ihnen« – der Dienstleister MYJOBFAIR die Organisation des Tübinger Fakultätskarrieretags.

    In Vorbereitung auf die Karrieremesse boten Kurzprofile der Aussteller auf dem Bewerbungsportal von MYJOBFAIR einen schnellen Überblick über ihre jeweiligen Spezialgebiete, Standorte und Angebote. Bestand für die Interessierten darüber hinaus ein konkreter Bewerbungswunsch, war es möglich bereits im Vorfeld der Karrieremesse den Ausstellern den eigenen Lebenslauf über dieses Bewerbungsportal zukommen zu lassen. Die Aussteller wählten dann Bewerber mit passendem Profil aus und luden sie zu einem persönlichen Gespräch an ihren Messestand ein. Mittels dieses Verfahrens konnte am Messetag das individuelle Bewerbungsanliegen konkret besprochen werden. Diese Möglichkeit des Bewerberportals wurde von mehr als der Hälfte der Besucher genutzt, die dadurch zahlreiche Gesprächsangebote erhielten. Aber auch Bewerbungsgespräche müssen trainiert und geübt werden: Interessierte konnten deshalb das Angebot eines Bewerbungstraining mit Karriere-Coach Frank Schornstheimer in Anspruch nehmen, der den Teilnehmern anhand praxisnaher Beispiele und Übungen zeigte, worauf es im Bewerbungsgespräch konkret ankommt und welche Erwartungen an den Bewerber gestellt werden (Unterlagen von Schornstheimer zum kostenlosen Download: http://www.lawyer-coaching.de/downloads.html).

    Sprungbrett: Der Fakultätskarrieretag in Tübingen

    Nach diesen intensiven Vorbereitungen im Vorfeld der Messe, eröffnete am 5.5.2015 Studiendekan Prof. Dr. Christoph Thole die Veranstaltung und begrüßte zunächst die 25 Aussteller. Anschließend hob er die Bedeutung der Karrieremesse hervor, die sowohl den Besuchern die Möglichkeit biete, Kontakte mit der Berufspraxis zu knüpfen, als auch den Arbeitgebern die Chance gebe, mit den potentiellen Mitarbeitern von morgen in direkten Austausch und Kontakt zu treten.

    Auch in diesem Jahr deckten die Messeaussteller wieder ein breites Spektrum an Arbeitgebern ab. So waren neben internationalen Großkanzleien, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Institutionen auch lokal-orientierte Aussteller unterschiedlicher Schwerpunkte aus der Heimat bzw. der näheren Umgebung vertreten, was für die Besucher von ebenso großem Interesse war. Denn durch die oft lange Ausbildungszeit sind Studenten, Referendare und Absolventen aus Tübingen in ihrer (Wahl-)Heimat sozial oder familiär verwurzelt, weshalb sie nicht selten auf der Suche nach potentiellen Arbeitgebern in ihrer Nähe sind. Bei bundesweiten Veranstaltungen wird diese Ausstellerpräsenz lokal verwurzelter Arbeitgeber oft nicht geboten und wird daher von vielen Besuchern als einer der Mehrwerte des Fakultätskarrieretags in Tübingen angegeben.

    Einige Besucher gaben an, dass sie die Veranstaltung nutzen, um sich allgemein über den Aussteller zu informieren, andere hatten aber auch bereits gezielte Fragen und Anliegen, mit denen sie das Gespräch zu bestimmten Arbeitgebern suchten. Im Idealfall wurden Bewerbungsunterlagen und Kontaktdaten ausgetauscht, eventuell wurden Bewerbungsgespräche vereinbart oder es folgten Einladungen zu Veranstaltungen der Unternehmen und Kanzleien.

    Der Fakultätskarrieretag in Tübingen beschränkte sich aber nicht nur auf die zahlreichen Messestände, sondern wurde auch durch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm abgerundet: So konnten Besucher zum einen an Fachvorträgen der Aussteller über berufliche Perspektiven in ihrer Branche teilnehmen oder ihren eigenen »Bewerbungsmappencheck« sowie eine individuelle Karriereberatung bei Karriere-Coach Frank Schornstheimer einholen. Der zentrale Ausstellerstandort in der Neuen Aula der Juristischen Fakultät hat sich mit seinen »kurzenWegen für alle« auch in diesem Jahr wieder bewährt: so konnten die Referendare und Studierenden den Veranstaltungstag so nutzen, dass sie Karriereplanung und Vorlesungsbesuche verbinden konnten, bspw. indemsie die Pausen zwischen den Vorlesungen für Standbesuche oder gezielte Gespräche nutzten.

    Resonanz und Fazit

    Der Messetag in Tübingen bot sowohl die Möglichkeit, sich generell ein Bild über die verschiedenen Aussteller zu machen und sich unverbindlich an die großen Kanzleien heranzutasten, als auch die Chance, sich gezielt zu bestimmten Themen, wie zum Beispiel Praktikumsplätzen oder Referendarsstellen zu informieren. Insbesondere konnten die vielfältigen Angebote direkt verglichen und die Unterschiede zwischen den Arbeitgebern ausgemacht werden.

    Dabei nahmen sich die Repräsentanten der Aussteller meist viel Zeit, um auf die Informationssuchenden individuell einzugehen, Fragen zu beantworten und sich einen persönlichen Eindruck von seinem Gegenüber zu machen. Es konnten dadurch viele erste Kontakte geknüpft werden, die teilweise noch über den Messetag hinaus wirken.

    Sowohl Aussteller wie Besucher zogen eine durchweg positive Resonanz von der Veranstaltung: So wurden von 100% der Befragten die Erwartungen an das Karriereevent vollkommen erfüllt. Auch für die Aussteller war der »Karrieretag in Tübingen eine sehr gelungene Veranstaltung«. Andere waren »sehr angetan … und positiv überrascht von der Zahl der guten und interessanten Gespräche mit Studierenden und Referendaren« (alle Ausstellerstimmen auf der Seite von MYJOBFAIR: https://www.myjobfair.de/myjobfair/ausstellerstimmen/).

    Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich ein Besuch des Karrieretages in jedem Fall zu jeder Ausbildungsphase lohnt, egal ob Praktikum, Referendariat oder Festanstellung: Der Besuch des Karriereevents sollte aber gut vorbereitet sein.Wichtig ist es deshalb sich zuvor über die Aussteller zu informieren und Fragen für ein gut geführtes Gespräch herauszuarbeiten. Nur so kann das Netzwerk der beruflichen Kontakte wachsen. Vielleicht lassen sich dann auch schon bald daraus die gewünschten Früchte ernten.

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