Leserfragen-Treff: Leserfragen 2009


Thema: Aktivierung von Fremdkapitalkosten nach IAS 23

Leserfrage:

Mit der Änderung des IAS 23 ist das bisherige Wahlrecht bezüglich der Aktivierung von Fremdkapitalkosten weggefallen: Künftig sind alle Fremdkapitalkosten zu aktivieren, falls sie der Anschaffung, Errichtung oder Herstellung eines qualifizierten Vermögenswertes dienen:

  • Wie definiert IAS 23 einen „beträchtlichen Zeitraum“?
  • Wie ist der oben genannte Zeitraum zu prüfen, d.h., muss im Vorfeld festgelegt werden, in welchem Zeitraum der Vermögenswert in seinen gebrauchsfähigen Zustand versetzt wird?
  • Ist dann entsprechend der Zinsaufwand zu aktivieren?
  • Oder wird im Nachgang der Zeitraum geprüft, und es erfolgt dann eine Umbuchung der Zinsen aus dem Aufwand in die Aktiva?
  • Wie erfolgt die Abgrenzung der Zinsen auf den jeweiligen Vermögenswert, wenn mit einer größeren Linie verschiedene Vermögenswerte hergestellt werden?
  • Welche Unterlagen dienen dem Nachweis?
  • Wie kann der IAS 23 sichergestellt werden?

Erste Antwort-Hinweise:

Für nach dem 31.12.2008 beginnende Geschäftsjahre sieht die Neufassung von IAS 23 statt des bisherigen Wahlrechts eine Aktivierungspflicht von Fremdkapitalkosten unter bestimmten tatbestandlichen Voraussetzungen vor (z.B. Vorliegen besonderer Vermögenswerte (qualifying assets) – wie z.B. immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen, Vorräte, Fertigungsaufträge).

IAS 23.4 spricht von einer substancial period, in der Leseranfrage zutreffend mit „beträchtlichem Zeitraum“ übersetzt. IAS 23 definiert diese substancial period nicht, überlässt es der pflichtgemäßen Auslegung des Anwenders, der dabei das ökonomische Umfeld gebührend würdigen muss. Im Klartext: Sofern eine spezielle Finanzierung für die Herstellung eines Gebäudes, einer Maschinenanlage, einer Brücke (im Kundenauftrag) vorliegt, ist damit auch der Tatbestand der substancial period erfüllt. In Zeiteinheiten betrachtet, besagt dies: Die Herstellungsperiode muss nicht etwa ein Jahr übersteigen oder sich zwischen zwei Bilanzstichtagen bewegen. Auch eine Herstellungsperiode von vier Monaten kann in diesem Sinn substancial sein. Dabei kann es nicht darauf ankommen, ob eine etwa planmäßig festgelegte Herstellungsfrist von fünf Monaten für eine Maschinenanlage um einige Wochen über- oder unterschritten wird.

Ausführliche Erläuterungen (zu den Voraussetzungen, zur Verbuchung der Zinsen und zur Führung von Nachweisen) von WP/StB Prof. Dr. Wolf-Dieter Hoffmann in Heft 6/2009, S. 277.

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