''Notwendige'' Wohnungskosten bei doppelter Haushaltsführung


BFH-Urteile vom 9.8.2007, VI R 10/06 und VI R 23/06
  • Unterkunftskosten am Beschäftigungsort sind notwendig (im Sinne von § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 1 EStG), wenn sie den Durchschnittsmietzins einer 60 qm-Wohnung am Beschäftigungsort nicht überschreiten.
  • Im Rahmen der Mehraufwendungen für doppelte Haushaltsführung sind Kosten für ein in der Wohnung am Beschäftigungsort gelegenes Arbeitszimmer, sofern die Abzugsvoraussetzungen dem Grunde nach gegeben sind, gesondert zu beurteilen und in den gesetzlichen Grenzen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG zu berücksichtigen.

 

Praxis-Info!

Problemstellung

Entstehen einem Steuerzahler im Rahmen einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung Aufwendungen für eine Wohnung am Beschäftigungsort, ist der Abzug der Aufwendungen als Werbungskosten oder Betriebsausgaben auf die notwendigen Mehraufwendungen begrenzt (vgl. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 1 EStG); Entsprechendes gilt für den steuerfreien Arbeitgeberersatz. Bislang war nicht geklärt, welche Höchstgrenze für den Mehraufwand betreffend Unterkunftskosten maßgebend ist.

Hintergrund sind die folgenden beiden Streitfälle:

  • Ein Steuerpflichtiger, der am Beschäftigungsort eine etwa 93 qm große Dreizimmerwohnung unterhielt, machte die dafür insgesamt angefallenen Kosten als notwendige Mehraufwendungen im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung geltend.
  • Eine Steuerpflichtige begehrte für eine 57 qm große Wohnung den Abzug von Werbungskosten.

Beide Streitfälle wurden vom Bundesfinanzhof an das Finanzgericht zwecks weiterer Sachverhaltsfeststellungen zurückverwiesen.

 

Lösung

Der Bundesfinanzhof hat entschieden: Die Unterkunftskosten sind „notwendig“, wenn sie den Durchschnittsmietzins einer 60 qm-Wohnung am Beschäftigungsort nicht überschreiten. Das gilt auch dann, wenn zu der Wohnung ein Zimmer gehört, das teilweise auch büromäßig genutzt wird. Dabei kann es sich jedoch um ein häusliches Arbeitszimmer handeln mit der Folge, dass die hierfür anfallenden Aufwendungen gesondert zu beurteilen sind.

Beispiel zur Ermittlung der Unterkunftskosten:

Beträgt der Durchschnittsmietzins für die Zweitwohnung am Beschäftigungsort z.B. 7,50 € je qm, sind Unterkunftskosten bis zur Höhe von 450 € monatlich (60 qm x 7,50 €) notwendig.

Bis zur Höhe von 450 € monatlich steht es dem Arbeitnehmer frei, ob er sich eine größere, billigere Wohnung oder eine kleinere, teurere Wohnung nimmt. Nimmt er sich z.B. eine 75 qm große Wohnung zu einer Miete von 6 € pro qm (75 qm x 6 € = 450 €), sind die Unterkunftskosten ebenso notwendig, wie wenn er sich eine 50 qm große Wohnung zu 9 € Miete pro qm nimmt (50 qm x 9 € = 450 €).

Sind die Mietkosten in den vorstehenden Beispielen höher als 450 € monatlich, ist lediglich der 450 € monatlich übersteigende Teil nicht notwendig und kann daher weder steuerfrei ersetzt noch als Werbungskosten abgezogen werden.

Beachten Sie: Den Durchschnittsmietzins am Beschäftigungsort müssen Sie ermitteln! Die vorstehend erwähnten 7,50 € pro qm sind nur beispielhaft gewählt worden.

 

Praxishinweise:

  • Die Flächenbegrenzung von 60 qm kann auch nicht mit der Begründung überschritten werden, dass z.B. ein Mangel an kleineren Wohnungen herrsche oder die Wohnungsauswahl eilbedürftig sei.
  • Da ab 2007 die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur noch steuermindernd berücksichtigt werden, wenn es sich um den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung handelt, wirken sich die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer in der Zweitwohnung am Beschäftigungsort in aller Regel nicht mehr aus.
  • Eine doppelte Haushaltsführung liegt ab 2008 nicht vor, solange die auswärtige Beschäftigung als vorübergehende Auswärtstätigkeit anzusehen ist (R 9.11 Abs. 1 Satz 2 LStR 2008). Die vorübergehende Auswärtstätigkeit geht also ab Januar 2008 nicht mehr nach Ablauf von drei Monaten in eine doppelte Haushaltsführung über. Dies ist auch deshalb wichtig, weil bei einer Auswärtstätigkeit die tatsächlich angefallenen Unterkunftskosten der Höhe nach unbegrenzt vom Arbeitgeber steuerfrei ersetzt bzw. vom Arbeitnehmer als Werbungskosten abgezogen werden können.

Dipl.-Finanzwirt Jürgen Plenker

BC 11/2007