Basiszinssatz nach IDW S 1 steigt zum 1.11.2022 auf 1,75%


 

Der Basiszinssatz nach IDW S 1 steigt zum 1.11.2022 auf gerundet 1,75%. Im Vergleich zum Vormonat steigt der Basiszinssatz ungerundet von 1,485% auf 1,747%. Zum 1.11.2022 erreicht der gerundete Basiszinssatz somit ein Niveau, wie es zuletzt per 31.1.2015 beobachtet werden konnte. Das Wachstum beim Basiszinssatz hält somit weiter an.

 

Praxis-Info!

Der für Bewertungszwecke relevante Basiszinssatz hat zum 1.11.2022 weiterhin eine steigende Tendenz. Mit einer Zunahme von 0,262%-Punkten im Vergleich zum Vormonat setzt sich der betrachtete Anstieg auch in diesem Monat weiter fort, der sich ebenfalls im gerundeten Basiszins niederschlägt.

Der für Zwecke von (Unternehmens-)Bewertungen relevante Basiszinssatz nach IDW S 1 unterlag seit mehreren Jahren einem insgesamt fallenden Trend. Zu Beginn des Jahres 2020 war noch eine grundsätzlich steigende Tendenz beim Basiszinssatz festzustellen. Allerdings gingen die zunehmende Ausbreitung des Corona-Virus sowie die anschließenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auch an der Entwicklung des Basiszinssatzes nach IDW S 1 nicht spurlos vorüber. Die Auswirkungen waren bis vor Kurzem noch spürbar. Seit dem 1.1.2022 hat der Basiszinssatz zwischenzeitlich von 0,10% auf aktuell 1,75% um mehr als 1,60-Prozentpunkte zugelegt. Der Basiszinssatz befindet sich derzeit auf einem Niveau ähnlich zum Dezember 2014 sowie zum Januar 2015.

Der Fachausschuss für Unternehmensbewertung und Betriebswirtschaft (FAUB) des IDW hat aufgrund der mehrere Jahre anhaltenden Niedrigzinsphase eine Empfehlung für die Vorgehensweise bei der Rundung des Basiszinssatzes ausgesprochen. Sofern dieser unter einem Prozentpunkt liegt, ist der für die Unternehmensbewertung relevante Basiszinssatz auf 1/10-Prozentpunkte zu runden. Bei Zinssätzen oberhalb von 1,00% – wie derzeit – ist der Zinssatz weiterhin auf ¼-Prozentpunkte zu runden.

Bereits vor der Corona-Krise bewegte sich der Basiszinssatz auf historischen Tiefständen und war ungerundet zum 1.11.2019 erstmals sogar leicht negativ. Bis Ende Februar 2020 erholte sich der basierend auf einer dreimonatigen Durchschnittsbetrachtung ermittelte Basiszinssatz wieder leicht auf 0,20%. Diese kurze Erholungsphase wurde durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise unterbrochen. Seit Jahresbeginn 2022 ist jedoch eine deutlich steigende Tendenz beim Basiszinssatz zu beobachten – nicht zuletzt ausgelöst durch die hohen Inflationsraten und die im Jahr 2022 wiederholt nach oben angepassten Leitzinsen der Notenbanken.

Zum 1.11.2022 beträgt der Basiszinssatz ungerundet 1,747% (per 1.10.2022: 1,485%). Im Vergleich zum Vormonat ergibt sich ungerundet ein Anstieg, der sich in diesem Monat auch im gerundeten Wert niederschlägt. Der Anstieg der Vormonate setzt sich somit weiterhin fort, und der Basiszinssatz steigt weiter an. Hintergrund dafür dürften auch die derzeitigen Verwerfungen auf den internationalen Kapitalmärkten sowie die politischen Unsicherheiten sein, die eine Flucht der Anleger in sichere Bundesanleihen zur Folge haben. Auch historisch hohe Inflationsraten sorgen für steigende Basiszinssätze. Das Statistische Bundesamt gab bekannt, dass die Inflationsrate in Deutschland im September 2022 bei 10% im Vergleich zum Vorjahresmonat lag. Damit erreicht die Inflationsrate ein neues Rekordhoch. Als Maßnahme gegen die Inflation hat zudem die EZB den Leitzins (Hauptrefinanzierungsgeschäft) im Jahr 2022 dreimal in Folge schrittweise von 0,00% auf 2,00% angehoben. Erstmals seit Jahren wurde der Leitzins im Juli 2022 von 0,00% um 0,50%-Punkte auf 0,50% angehoben. Kurze Zeit darauf erfolgte im September 2022 erneut eine Erhöhung um 0,75%-Punkte auf 1,25%, und jüngst im Oktober 2022 beschloss die EZB – vor dem Hintergrund der hohen Inflation – eine weitere Anhebung um 0,75%-Punkte auf 2,00%. Weitere Erhöhungen des Leitzinses noch im Jahr 2022 sind nicht ausgeschlossen, zumal für den Monat Oktober 2022 eine noch höhere Inflationsrate als für den Monat September erwartet wird. Experten rechnen mit einem Leitzins für den Euroraum von 2,50% zum Jahresende. Das insgesamt steigende Zinsniveau beeinflusst auch den bewertungsrelevanten Basiszinssatz.

 

WP/StB Prof. Dr. Christian Zwirner,
Dr. Kleeberg & Partner GmbH WPG StBG, München (www.kleeberg.de)

Gregor Zimny, CVA, Dr. Kleeberg & Partner GmbH WPG StBG, München

 

 

 

BC 12/2022