Nachhaltigkeitsberichterstattung: Beispiel aus der Gesundheits- und Sozialwirtschaft


 

Zwar ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung bisher nur für wenige Unternehmen in Deutschland verpflichtend. Dies wird sich aber zukünftig ändern. Zum einen werden große Kapitalgesellschaften und gleichgestellte Personenhandelsgesellschaften (insbesondere GmbH & Co. KG) verpflichtet. Zum anderen können aber auch Anforderungen aus Satzung oder Gesellschaftsvertrag zu einer Berichtspflicht führen. Nachfolgend zeigt ein Beispiel aus der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, welche Anforderungen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu erfüllen sein werden.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Neben den großen kapitalmarktorientierten Unternehmen werden künftig auch große Kapitalgesellschaften (§ 267 Abs. 3 HGB) zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet sein. Darunter fallen auch Gesellschaften des Gesundheits- und Sozialwesens. Dasselbe gilt für gleichgestellte Personenhandelsgesellschaften im Sinne des § 264a HGB. Sofern Gesellschaften nach Gesetz, Verordnung, Satzung oder Gesellschaftsvertrag, wie es auch bei Unternehmen der Sozialwirtschaft und bei gemeinnützigen Körperschaften vorkommt, vollumfänglich wie große Kapitalgesellschaften Rechnung legen müssen, werden diese grundsätzlich ebenfalls verpflichtet sein.

In dem Zusammenhang stellt sich die Frage: Was soll künftig berichtet werden?

 

 

Lösung

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird drei wesentliche Bereiche umfassen:

  • Umwelt (Environment),
  • Soziales (Social) und 
  • Unternehmensführung (Governance).

Häufig werden diese drei Bereiche zusammenfassend als ESG bezeichnet. Für Gesellschaften aus dem Gesundheits- und Sozialwesen sind zwar auch die Bereiche Umwelt und Unternehmensführung für die Berichterstattung relevant, der Sozialbereich wird hier aufgrund der Personalintensität im Dienstleistungssektor und der oft gemeinnützigen Ausrichtung der Gesellschaften aber eine ganz zentrale Rolle einnehmen. Mit Sozialfaktoren sind hier nicht nur die Belange der eigenen Mitarbeiter (Mikroansicht) gemeint, sondern auch die Belange von Kunden und Mitarbeitern entlang von Lieferketten (Makroansicht). Hierbei soll u.a. im Fokus stehen, wie das Unternehmen einen positiven sozialen Beitrag leistet.

Neben den Verpflichtungen aus der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive, EU-Richtlinienvorschlag zur nachhaltigkeitsbezogenen Unternehmensberichterstattung) kommen auf alle Unternehmen, die zukünftig verpflichtend einen Nachhaltigkeitsbericht aufstellen müssen, erweiterte Berichtspflichten im Bereich Umwelt zu. Diese ergeben sich aus der am 18.6.2020 erlassenen sog. EU-Taxonomie-Verordnung. Diese definiert zum einen, welche Wirtschaftstätigkeiten als ökologisch nachhaltig gelten, und zum anderen, in welcher Form Unternehmen über diese ökologisch nachhaltigen Tätigkeiten zu berichten haben.

Dazu sind drei Kennzahlen zu ermitteln und offenzulegen, und zwar der Anteil

  • der Umsatzerlöse,
  • der Investitionsausgaben und
  • der Betriebsausgaben,

die mit Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind, die als ökologisch nachhaltig (taxonomiekonform) einzustufen sind. Die Prüfung der Taxonomiekonformität einer Wirtschaftstätigkeit erfolgt nach vorgegebenen Kriterien und kann sehr komplex sein.

Haben z.B. Krankenhäuser oder größere Pflegeeinrichtungen einen hohen Bestand an Gebäudeeigentum, müssen sie sich u.a. um die Instandhaltung bzw. den Erhalt sowie die Renovierung kümmern (regelmäßig Betriebsausgaben). Zudem kann die Erweiterung des Gebäudebestands durch Kauf oder Neubau ein Thema sein (regelmäßig Investition). Diese Investitionen und Betriebsausgaben sind künftig zu kategorisieren in solche, die mit Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind, die als ökologisch nachhaltig einzustufen sind, und solche, die es nicht sind. Notwendig ist daher eine Zuordnung zu einer Wirtschaftstätigkeit und die Überprüfung dieser auf Taxonomiekonformität.

Unabhängig davon, ob ein Nachhaltigkeitsbericht verpflichtend ist oder freiwillig aufgestellt wird, ist es wichtig, dass es sich nicht um ein reines Berichtsthema, sondern um ein Managementthema handelt. Denn

  • die Auseinandersetzung mit den eigenen Nachhaltigkeitszielen,
  • die Ableitung von Maßnahmen,
  • die Festlegung von Verantwortlichkeiten und
  • die Einrichtung eines Monitorings (automatische Überwachung), um die Erreichung der gesetzten Ziele auch messen zu können,

erfordern die Etablierung oder Veränderung von Prozessen im Unternehmen. Die Verantwortlichkeit hierfür liegt bei der Unternehmensleitung, die auch die Nachhaltigkeitsziele als Teil der Unternehmensstrategie festlegt. Um die ersten Schritte in die richtige Richtung zu machen, ist der Dialog mit wesentlichen Stakeholder-Gruppen, im Gesundheits- und Sozialwesen insbesondere mit der eigenen Belegschaft und – sofern sinnvoll möglich – mit Vertragspartnern zu suchen. Nur so können die wesentlichen Themen für das eigene Unternehmen identifiziert und erreichbare sowie passgenaue Ziele abgeleitet werden.

 

 

Praxishinweise:

  • Basis der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist eine Analyse der wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen für das eigene Unternehmen sowie die Durchführung einer Bestandsaufnahme bereits vorhandener Regeln, Projekte und Maßnahmen im Kontext der Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Dabei wird rasch die Erkenntnis reifen, dass kein Unternehmen bei Null anfängt, sondern bestimmte Einrichtungen/Abläufe zur Erfüllung der ESM-Kriterien bereits lange vorhanden sind.
  • Neben der verpflichtenden Anwendung für einen bestimmten Kreis von Unternehmen sprechen auch viele Gründe für eine freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung. Einige wesentliche Vorteile der freiwilligen Berichterstattung im Gesundheits- und Sozialwesen können sein:
    Gewinnung von Mitarbeitenden: Diversität, Flexibilität und Work-Life-Balance spielen eine zunehmende Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers;
    Festigung der Reputation: Darstellung der eigenen Tätigkeiten im Sozialbereich können zur Festigung des Ansehens einer gemeinnützigen Gesellschaft beitragen;
    „Green Financing“: Banken werden künftig verpflichtet, auf die Nachhaltigkeit der Darlehensverwendung zu schauen, aber auch private Geldgeber achten auf die Nachhaltigkeit ihrer Anlagen.

 

WP/StB Ariane Büchtmann, Senior Manager, PKF Fasselt, Duisburg; WP Denis Fiedler, Senior Manager, PKF Fasselt, Braunschweig

 

 

 

BC 12/2022