Bilanzbuchhaltung und Controlling – ein Job mit Zukunft?


 

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat einen Simulator entwickelt, der aufzeigt, welche Tätigkeiten heute schon von einem Roboter erledigt werden können. Je höher der Automatisierungsgrad, desto unsicherer ist die Zukunftsperspektive des Berufsbilds.

 

Praxis-Info!

Mithilfe des sog. Job-Futuromats lässt sich erahnen, wie es um die Zukunftsperspektive von einzelnen Tätigkeiten von Bilanzbuchhaltern und Controllern bestellt ist. Neben dem potenziellen Automatisierungsgrad wird auch eine Übersicht über die allgemeine Job- und Einkommensentwicklung des Berufsbilds gegeben. Die Zahlen beruhen auf Daten der Bundesagentur für Arbeit.

Für jedes Berufsbild haben Berufsexperten im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit eine Reihe von Tätigkeiten definiert. Anschließend wird geschaut, welche dieser Tätigkeiten theoretisch schon heute von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden können.

 

 

Bilanzbuchhalter/in

Die Automatisierbarkeit wird für dieses Berufsbild als „hoch“ eingestuft. Laut Job-Futuromat besteht der Arbeitsalltag im Wesentlichen aus elf verschiedenen Tätigkeiten, von denen acht bereits heute automatisiert werden können:

  • Bilanzierung (automatisierbar)
  • Finanzplanung
  • Kosten- und Leistungsrechnung (automatisierbar)
  • Steuerrecht (automatisierbar)
  • Steuererklärungen anfertigen (automatisierbar)
  • Rechnungslegung nach HGB (automatisierbar)
  • Buchführung, Buchhaltung (automatisierbar)
  • Gewinn- und Verlustrechnung (automatisierbar)
  • Controlling
  • Jahresabschluss (automatisierbar)
  • Statistik.

Die Darstellung zeigt, dass wesentliche Kerntätigkeiten des Berufsbilds „Bilanzbuchhalter/in“ schon heute weitgehend automatisierbar sind. Die nicht vollständig automatisierbaren Tätigkeitsfelder sind Finanzplanung, Controlling und Statistik. Mit anderen Worten: Die Bereitstellung des Zahlenwerks kann heutzutage automatisiert werden, die Interpretation der Zahlen noch nicht.

Im Vergleich zur Gesamtheit der Berufsbilder wächst die Zahl der Spezialisten in der Buchhaltung langsamer. So ist seit dem Jahr 2012 die Zahl der Beschäftigten insgesamt um 10,4% gestiegen, die Zahl der Spezialisten in der Buchhaltung dagegen lediglich um 3,3%. Ende 2017 waren 248.637 Spezialisten in der Buchhaltung sozialversicherungspflichtig beschäftigt, mit einem mittleren monatlichen Bruttogehalt von 3.466 €.

 

 

Controller/in

Die Automatisierbarkeit wird für dieses Berufsbild als „mittel“ eingestuft. Laut Job-Futuromat besteht der Arbeitsalltag im Wesentlichen aus acht verschiedenen Tätigkeiten, von denen fünf bereits heute automatisiert werden können:

  • Buchführung, Buchhaltung (automatisierbar)
  • Kosten- und Leistungsrechnung (automatisierbar)
  • Controlling
  • Revision (automatisierbar)
  • Finanzplanung
  • Kalkulation (automatisierbar)
  • Berichtswesen, Information (automatisierbar)
  • Betriebswirtschaftslehre.

Die Darstellung wirft einige Fragen auf. So ist es nicht ersichtlich, warum das Berichtswesen automatisierbar ist, die Tätigkeit „Statistik“ im Berufsbild Bilanzbuchhalter aber nicht. Auch ist nicht klar, was genau die Tätigkeit „Betriebswirtschaftslehre“ beinhalten soll.

Im Vergleich zur Gesamtheit der Berufsbilder wächst die Zahl der Experten im Controlling schneller. So ist seit dem Jahr 2012 die Zahl der Beschäftigten insgesamt um 10,4% gestiegen, die Zahl der Experten im Controlling dagegen um 25,2%. Ende 2017 waren 66.961 Experten im Controlling sozialversicherungspflichtig beschäftigt, mit einem mittleren monatlichen Bruttogehalt von 5.455 €.

 

 

 

Hinweis:

Der Job-Futuromat enthält viele weitere Berufsbilder, wie z.B. „Leiter Finanz- und Rechnungswesen“ oder „Vertriebscontroller“.

 

 

Fazit

Auch wenn manche Darstellungen etwas holzschnittartig daherkommen, bietet der Job-Futuromat doch einige lohnenswerte Denkanstöße bezüglich der Zukunftsperspektive einzelner Berufsbilder. Gerade jüngere Mitarbeiter sollten ein Auge darauf haben, Expertenwissen in den zurzeit nicht automatisierbaren Tätigkeitsfeldern zu erlangen. Dabei muss klar sein, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt. Tätigkeiten, die heute noch manuell erledigt werden müssen, können im nächsten Jahr schon automatisiert sein. Es bleibt somit spannend.

 

Christian Thurow, Dipl.-Betriebsw. (BA), Senior Business Audit Manager, London (E-Mail: Thurow@virginmedia.com)

 

 

BC 9/2019