Teilwertabschreibung auf abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens


BFH-Pressemitteilung vom 19.7.2006, Nr. 31

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 14.3.2006 (I R 22/05) entschieden, dass eine Teilwertabschreibung bei einem abnutzbaren Wirtschaftsgut nur möglich ist, wenn der Teilwert des Wirtschaftsguts zum Bilanzstichtag voraussichtlich mindestens für die halbe Restnutzungsdauer unter dem planmäßigen Restbuchwert liegt. Er hat damit die Auffassung der Finanzverwaltung bestätigt. Noch nicht entschieden ist mit diesem Urteil, welche Anforderungen an eine Teilwertabschreibung auf nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter, etwa Grundstücke, zu stellen sind.

Es handelt sich um die erste höchstrichterliche Entscheidung, die sich mit der Auslegung des neuen § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG befasst. Nach dieser seit 1999 geltenden Vorschrift sind Teilwertabschreibungen nur noch erlaubt, wenn die Wertminderung voraussichtlich dauerhaft ist. Davor war eine Teilwertabschreibung bereits möglich, wenn der Teilwert unter den Buchwert des Wirtschaftsgutes gesunken war.

  • Der Buchwert eines abnutzbaren Wirtschaftsgutes ergibt sich aus den Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um die Absetzungen für Abnutzung.
  • Teilwert ist der Betrag, den ein Erwerber des ganzen Betriebs im Rahmen des Gesamtkaufpreises für das einzelne Wirtschaftsgut ansetzen würde.

Im Streitfall hatte die Klägerin, eine GmbH, im Jahr 1990 ein Gebäude errichtet, das sie in den Jahren 1996 und 1998 erweiterte. In ihrer Bilanz zum 31.12.2000 nahm sie auf das Gebäude eine Teilwertabschreibung in Höhe von rund 150.000 DM mit der Begründung vor, der Teilwert des Gebäudes sei dauerhaft um diesen Betrag gesunken. Das Finanzgericht war dieser Einschätzung gefolgt, weil es davon ausgegangen war, dass die Wertminderung unter Zugrundelegung eines Zeitraums von fünf Jahren voraussichtlich anhalten werde.

Dem widersprach der BFH. Von einer dauerhaften Wertminderung sei nicht schon dann auszugehen, wenn der Teilwert innerhalb von fünf Jahren nach dem Bilanzstichtag voraussichtlich seinen Buchwert nicht erreiche, sondern nur dann, wenn der Buchwert zum Bilanzstichtag mindestens für die halbe Restnutzungsdauer unter dem planmäßigen Restbuchwert liege.

 

Praxis-Info!

Die im Steuerrecht (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG) einGEführte Teilwertabschreibung bei „einer voraussichtlich dauernden Wertminderung“ entspricht der handelsrechtlichen Regelung für die außerplanmäßigen Abschreibungen (gemäß § 253 Abs. 2 Satz 3 Halbs. 2 HGB). Wann eine voraussichtlich dauernde Wertminderung anzunehmen ist, ist allerdings weder in handels- noch in steuerrechtlichen Vorschriften näher präzisiert.

Nach herrschender Meinung ist von einer dauerhaften Wertminderung auszugehen, wenn der Wert des Wirtschaftsguts den planmäßigen Rest des Buchwerts als Bewertungsobergrenze während eines erheblichen Teils der Nutzungsdauer im Unternehmen nicht erreichen wird. Der BFH schließt sich dabei folgender Auffassung im Schrifttum zum „erheblichen Teil der Restnutzungsdauer“ an: Auch bei langlebigen Wirtschaftsgütern des abnutzbaren Anlagevermögens ist von einer dauernden Wertminderung auszugehen, wenn der Wert des jeweiligen Wirtschaftsguts zum Bilanzstichtag mindestens für die halbe Restnutzungsdauer (steuerlich: laut amtlichen AfA-Tabellen bzw. bei Gebäuden gemäß § 7 Abs. 4 und 5 EStG) unter dem planmäßigen Restbuchwert liegt. Andernfalls handle es sich um eine bloße Wertschwankung.

Die BFH-Auffassung bezieht sich dabei auch auf Teilwertabschreibungen auf Gebäude, deren Nutzungsdauer zwischen 25 und 50 Jahren liegen kann. Eine an der Eigenart des Wirtschaftgutes ausgerichtete Wertminderungs-Prognose sollte nicht in Betracht kommen.

Auf die Frage, ob der Prognosezeitraum nicht doch möglichst kurz gewählt werden sollte, um dem Gebot der vorsichtigen Bewertung (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB) entsprechen zu können, geht der BFH nicht ein. Danach wäre eine sachlich begründete Wertprognose lediglich über einen Zeitraum von längstens fünf Jahren möglich, zumal dieser Zeitraum auch ansonsten für mittelfristige unternehmerische Planungen angenommen wird.

[Anm. d. Red.]

BC 8/2006