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LG Hannover verurteilt 18-jährigen Raser wegen Mordes

  • zu LG Hannover , Urteil vom 07.01.2019 - 31 KLs 12/18

Ein 18-Jähriger ist wegen Mordes in Tateinheit mit vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis und Diebstahls zu einer Jugendstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Hannover wirft ihm vor, mit einem zuvor gestohlenen Mercedes SLK mit hoher Geschwindigkeit durch die hannoversche Bahnhofstraße gefahren zu sein. Dabei habe der Wagen einen 82-Jährigen erfasst, der an den Verletzungen starb (Urteil vom 07.01.2019, Az.: 31 KLs 12/18).

Gleichzeitig Unterbringung in Entziehungsanstalt angeordnet

Das LG Hannover hat zudem die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB) angeordnet. Zuvor sollen jedoch eineinhalb Jahre der Jugendstrafe vollstreckt werden. Außerdem darf ihm die Verwaltungsbehörde vor Ablauf von vier Jahren keine Fahrerlaubnis erteilen.

Verteidigung bestreitet Tötungsvorsatz

Der Angeklagte hatte im Prozess angegeben, vor dem Geschehen im Juni 2018 so viel getrunken zu haben, dass er sich nur noch bruchstückhaft erinnern könne. Die Verteidigung hatte beantragt, den jungen Mann nur wegen fahrlässiger Tötung zu einem Dauerarrest zu verurteilen, er habe keinen Tötungsvorsatz gehabt.

LG bejaht Vorsatz sowie Verdeckungsabsicht

Dem folgte die Jugendkammer nicht. Der Angeklagte habe vorsätzlich und aus Verdeckungsabsicht gehandelt, um nicht bei dem Pkw-Diebstahl erwischt zu werden. Auch aus dem zeitlichen Ablauf der Tat ergebe sich, dass der Angeklagte keineswegs dermaßen betrunken gewesen sei, dass er die Konsequenzen nicht mehr habe überblicken können. So sei der junge Mann, der keinen Führerschein gehabt habe, mühelos mit einem Schaltwagen zurechtgekommen, habe zunächst noch tanken wollen und dann auf ein Anhaltezeichen einer Polizeistreife adäquat reagiert, indem er rechts geblinkt und angehalten habe. Erst beim Befahren der Fußgängerzone habe er stark beschleunigt, obwohl sich dort offensichtlich Passanten aufhielten. Nach den gerichtlichen Feststellungen kollidierte der Mercedes mit dem Opfer bei mindestens 59 km/h.

Angeklagter bereut Tat

Der Angeklagte bereute die Tat aufrichtig. Er erklärte, dass es für ihn unerträglich sei, einen Menschen getötet zu haben. Das Verfahren fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Angeklagte kann das Urteil binnen einer Woche mit der Revision anfechten. Gegebenenfalls müsste der Bundesgerichtshof die Entscheidung auf Rechtsfehler untersuchen.

Aus der Datenbank beck-online

BGH, Unerlaubtes Auto-Straßenrennen mit Todesfolge, BeckRS 2018, 2754

BGH kippt Mordurteil für Raser, FD-StrafR 2018, 402920

Walter, Der vermeintliche Tötungsvorsatz von "Rasern", NJW 2017, 1350

Aus dem Nachrichtenarchiv

Illegales Autorennen auf Ku'damm - Neuer Mordprozess in Berlin beginnt, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 13.08.2018, becklink 2010684

BGH: LG Köln muss erneut über Bewährung für Kölner Raser entscheiden, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 06.07.2017, becklink 2007183

LG Hagen verhängt Freiheitsstrafen für zwei Raser nach Unfall mit Verletzten, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 04.07.2017, becklink 2007151

Bundestag verabschiedet Gesetz: Illegale Straßenrennen künftig Straftat, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 29.06.2017, becklink 2007114

LG Berlin verurteilt Autoraser nach tödlichem Ausgang illegalen Straßenrennens wegen Mordes, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 27.02.2017, becklink 2005887

Redaktion beck-aktuell, Verlag C.H.BECK, 8. Januar 2019 .

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