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Als exklusiven Service für Sie wählt die NJW-Redaktion auf ihrer wöchentlichen Redaktionskonferenz Entscheidungen aus, denen sie das Prädikat „Entscheidung der Woche“ verleiht. Dabei handelt es sich um Judikate, die – noch vor dem Erscheinen im Heft – besonders hervorgehoben werden sollen, weil der übliche Erscheinungsrhythmus des Heftes weder etwa der Bedeutung der Erkenntnis noch beispielsweise der Dringlichkeit der Publikation gerecht würde. Bis wir eine zitierfähige Fundstelle liefern, stellen wir Ihnen unser Material – kostenlos – zur Verfügung. Die Entscheidung der Woche können Sie durch einen Klick auf das Downloadsymbol als pdf-Dokument aufrufen. Schauen Sie rein!



Nicht ganz bibelfest

OLG Hamm, Beschl. v. 3.11.2016 – 13 UF 109/16

Eltern müssen nicht jeden Irrweg ihrer Sprösslinge finanzieren! Auch nicht die Ausbildung zu einem Abschluss als Prediger, welcher nirgendwo anerkannt wird.

In dem Fall ging es um den Unterhaltsanspruch eines 1997 geborenen jungen Mannes. Der kassierte nach gescheiterter Ehe seiner Eltern von seinem Vater zuletzt rund 700 Euro Unterhalt. Der Vater und spätere Antragsteller glaubte, seinem Sohn damit ein Studium der Wirtschaftspsychologie (Bachelor) zu finanzieren. Damit lag er nicht so ganz richtig. Denn aus irgendwelchen Gründen hatte es mit dem Studienplatz nicht geklappt. Der Sohn und spätere Antragsgegner änderte daraufhin kurzerhand seine Berufspläne und trat eine Ausbildung an einer Bibelschule in den USA an. Die firmierte zwar unter dem beeindruckenden Namen „Bethel School of Supernational Ministry“, doch der Vater hatte so seine Zweifel, ob man da überhaupt einen qualifizierten beruflichen Abschluss erwerben könne.

Kann man, meinte das Familiengericht, und zwar als Prediger oder Pfarrer einer freikirchlichen Gemeinde. Das hatte zumindest der Antragsgegner treuherzig versichert. Aber weitergehende Recherchen des OLG Hamm brachten Unerfreuliches für ihn ans Licht: Denn weder war die Bethel School in irgendeiner Weise oder von irgendwem anerkannt, noch führte deren Besuch unabhängig von dessen Dauer zu einem allgemeinen Abschluss. Da half es dem Antragsgegner und seinem Unterhaltsanspruch auch nicht weiter, dass die Bethel School ihm bescheinigt hatte, der Schulbesuch diene auch zur Charakterbildung der jungen Leute.

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