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Als exklusiven Service für Sie wählt die NJW-Redaktion auf ihrer wöchentlichen Redaktionskonferenz Entscheidungen aus, denen sie das Prädikat „Entscheidung der Woche“ verleiht. Dabei handelt es sich um Judikate, die – noch vor dem Erscheinen im Heft – besonders hervorgehoben werden sollen, weil der übliche Erscheinungsrhythmus des Heftes weder etwa der Bedeutung der Erkenntnis noch beispielsweise der Dringlichkeit der Publikation gerecht würde. Bis wir eine zitierfähige Fundstelle liefern, stellen wir Ihnen unser Material – kostenlos – zur Verfügung. Die Entscheidung der Woche können Sie durch einen Klick auf das Downloadsymbol als pdf-Dokument aufrufen. Schauen Sie rein!



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VG Ansbach, Urt. v. 3.8.2016 – AN 4 K 16.00882

Die Umbettung einer Urne bedarf das Vorliegen ganz besonderer Umstände. Die Totenfürsorge unter erschwerten Umständen, weil zwischen dem Urnengrab der Mutter und dem Wohnort der Tochter rund 270 km Luftlinie liegen, reicht hierfür nicht aus.

Der Fall reicht weit in die deutsch-deutsche Geschichte zurück, nämlich in die Zeit, als es noch zwei deutsche Staaten gab. Zu dieser Zeit siedelte die Klägerin zusammen mit ihrer Mutter aus der ehemaligen DDR nach Bayern um. Als die Mutter starb, stand der „antiimperialistische Schutzwall“ noch, weshalb die Urne mit der Asche der Verstorbenen auf einem bayerischen Friedhof beigesetzt wurde. Kurz darauf überschlugen sich die geschichtlichen Ereignisse: Zunächst fiel der bereits erwähnte Schutzwall zwischen beiden deutschen Staaten, dann zog die spätere Klägerin wieder zurück in ihre thüringische Heimat. Und weil es der sehnlichste Wunsch ihrer Mutter war, doch bitte nicht in der bayerischen Wahlheimat ihre letzte Ruhe finden zu müssen, stand für die Tochter außer Frage, den Umzug nach Thüringen nur zusammen mit ihrer Mutter bzw. deren Asche anzutreten. Das gestaltete sich schwierig, denn dazu hätte die Urne umgebettet werden müssen. Und davon wollte die Friedhofsverwaltung nichts wissen, zumindest nicht vor Ablauf der zehnjährigen Ruhefrist. So lange wollte wiederum die Tochter nicht warten; deshalb musste die Angelegenheit vom VG Ansbach geklärt werden. Das Gericht schlug sich auf die Seite der Friedhofsverwaltung und deshalb ruht die Mutter erst einmal weiterhin in Bayern.

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