RA Dr. Christian Rauda, \GRAEF \Rechtsanwälte, Hamburg

WIPO: Hape Kerkeling erhält Schlämmer-Domains zurück


Das WIPO Arbitration and Mediation Center in Genf hat dem bekannten Comedian und Entertainer Hape Kerkeling die Domains "Schlaemmerblog.tv" und "SchlaemmerhatGolf.tv" zugesprochen

Das WIPO Arbitration and Mediation Center in Genf hat dem bekannten Comedian und Entertainer Hape Kerkeling die Domains "Schlaemmerblog.tv" und "SchlaemmerhatGolf.tv" zugesprochen (Verfahrensnummer DTV 2008-0009; http://www.wipo.int/amc/en/domains/decisions/html/2008/dtv2008-0009.html). Kerkeling hatte die fiktive Figur des "Horst Schlämmer" erfunden, eines Provinzreporters aus Grevenbroich mit altertümlicher Brille und schiefen Zähnen. I.R.e. Viralkampagne für den Automobilkonzern Volkswagen AG warb er mit verschiedenen Videoclips für das Modell "Golf".

Hierfür wurden die Domains "Schlaemmerblog.tv" und "SchlaemmerhatGolf.tv" eingerichtet, die nach Ablauf der Kampagne wieder gelöscht wurden. Dies machte sich ein Domaingrabber zunutze, der die Domains registrierte und dort pornografische Angebote darbot. Dadurch entstand ein erheblicher Imageschaden für Kerkeling und Volkswagen AG .

Das Schiedsgericht konnte offenlassen, ob ein erfundener Name einer Figur als besseres Recht ausreicht (so WIPO Case No. D2006-0099 -- Bernardka Pulko v. Greg Frazier), da Hape Kerkeling über die Marke "Horst Schlämmer" verfügte. Der Bestandteil "Schlämmer" wurde als prägend eingestuft und mit "Schlaemmerblog" und "SchlaemmerhatGolf" für verwechslungsfähig gehalten. Das Schiedsgericht folgte insofern der Argumentation des Ast., dass die Elemente "blog" und "hat Golf" generisch seien und nicht kennzeichnend (ähnl. hat die WIPO hinsichtlich der Domains "winat coke.com" und "cokerules.com" entschieden, WIPO Case No. D2001-0618 -- The Coca-Cola Company v. Masud Osman).

Die Besonderheit des Falls lag indes darin, dass das Schiedsgericht ohne weiteres von einer bösgläubigen Registrierung ausging, obwohl die Domains vor Inbesitznahme durch den Domaingrabber vom Berechtigten gelöscht worden waren, da die Werbekampagne ausgelaufen war. Wer also einmal seine Domains löscht, hat damit seine Rechte nicht verloren.

Umgekehrt können Dritte, die vom Inhaber selbst freigegebene Domains registrieren, damit immer noch dessen Rechte verletzen. Wer als Domaininhaber also Domains löscht, sollte die Kontrollfrage stellen, ob es für ihn unerheblich wäre, wenn Dritte die Domain registrierten und dort pornografische Angebote einstellten. Im Zweifelsfall sollten die Domains also lieber behalten werden. Das neue WIPO-Urteil hilft Rechteinhabern allerdings, solche Domains zurückzuerhalten, die sie in der Rückschau lieber nicht freigegeben hätten.


Dr. Christian Rauda, GRAEF Rechtsanwälte, Hamburg


MMR 11/2008, S. VI