Indien: „The Gateway of India“ – Ein Praktikum bei der Kanzlei Luetkehaus Consultancy Services in Bombay


Den ersten Blick auf Bombay erhasche ich aus dem nachts einschwebenden Flugzeug. Ein Lichtermeer, das nicht zu enden scheint. Schnell werden mir die Dimensionen dieser Stadt bewußt. Fast 30 Millionen Menschen versprechen Gedränge, Chaos, aber auch eine ungewöhnliche Dichte neuer Eindrücke. Bombay spiegelt als größte Stadt und Wirtschaftsmetropole die Gegensätze und Widersprüche Indiens in besonders intensiver Form wider. Da sind die modernen Bürotürme am Nariman Point, die schillernde Filmindustrie Bollywoods und die geschäftige Atmosphäre der Innenstadt. Dazwischen aber sieht man im Müll stöbernde verkrüppelte Bettler und Großfamilien, die nachts auf dem Gehweg schlafen. Diese Zerrissenheit setzt sich in der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung des Subkontinents fort. High Tech vor allem in der Computerindustrie und im Anlagenbau trifft auf tiefes religiöses Traditionsbewußtsein. Aus meiner Sicht besonders faszinierend war es deshalb zu sehen, wie ein so traditionsreicher Kulturstaat mit den Herausforderungen des Internet-Zeitalters umgeht.

Gerade in dieser Hinsicht bot die Mitarbeit in dem zentral im alten Geschäftszentrum Bombays gelegenen Büro von Luetkehaus Consultancy Services (LCS) interessante Einblicke. Die deutschen Geschäftsführer Dr. Isabell und Christian Lütkehaus sind Juristen. Sie konzentrieren sich auf die wirtschaftliche Beratung deutscher Unternehmen, die in Indien investieren wollen. So konnte ich mich gründlich in das stark vom englischen Recht geprägte indische Common Law einarbeiten. Auch die in der Ausbildung etwas vernachlässigte Vertragsgestaltung bot ein interessantes Betätigungsfeld. Dabei war natürlich hilfreich, daß trotz aller aktueller nationalistischer Tendenzen (so heißt Bombay inzwischen offiziell Mumbai) im Geschäftsleben weiter ausschließlich Englisch gesprochen wird. Wirtschaftlich interessierte Juristen haben auch die Möglichkeit, die von LCS hauptsächlich praktizierte Durchführung und Betreuung von Cross Border Investments, z. B. in Form eines Joint Ventures, von der Gründung über die Verwaltung (Buchhaltung, Steuern, etc.) bis zur Auflösung kennenzulernen. Die drei deutschen und vier indischen Kollegen nahmen sich für meine Fragen viel Zeit und halfen, die vielen Rätsel des indischen Alltags auch außerhalb der Arbeit ein wenig aufzuklären.

Die faszinierend fremde Kultur lernt man in Bombay selbst und bei Ausflügen kennen. Am Hafen erhebt sich das „Gateway of India“, die prächtige 1911 für den englischen König Georg V. errichtete Empfangshalle als Wahrzeichen der Stadt aus dem Wasser. Bombay ist noch immer der ideale Ausgangspunkt, um den riesigen Subkontinent in seiner unbeschreiblichen Vielfalt zu erkunden. Wegen der vielen ungewohnten Eindrücke, die auf mich als Neuankommenden einprasselten war ich anfangs froh, gemeinsam mit anderen Praktikanten und Referendaren auf Entdeckungstour zu gehen. Mitstreiter sind schnell kennengelernt, da die Telefonnummern von anderen Ausbildungsstellen im Büro bereitliegen. Als eine der wenigen indischen Städte hat Bombay ein lebhaftes Nachtleben. Auch da findet man schnell heraus, wo sich das Trinken und Tanzen lohnt. Wer schon in Deutschland gerne indisch und chinesisch gegessen hat, wird sich in Bombay besonders wohl fühlen. Die Kosten für Essen, Ausgehen und die sonstige Freizeit sind gering. Teuer sind in Bombay die Mieten. Hilfreich ist es deshalb, daß LCS auf Wunsch schon im voraus ein bezahlbares Zimmer besorgt, das über eine besonders in der Zeit vor dem Monsum sehr angenehme Klimaanlage verfügt. Ich wohnte in einem Haus mit mehreren internationalen Praktikanten direkt bei Chowpatty Beach, einem beliebten abendlichen Treffpunkt der Inder.

Der Aufenthalt in Bombay erfordert Neugier auf eine fremde, manchmal auch befremdliche Kultur. Ein wenig Abenteuerlust wird mit einem Einblick in das Funktionieren einer faszinierenden, facettenreichen Gesellschaft belohnt. Juristisch lernte ich ein interessantes internationales Aufgabengebiet kennen, das nicht immer den bekannten ausgetrampelten Pfaden folgt. Nach der Zeit in Bombay kehrte ich mit einer veränderten Wahrnehmung, einem enorm erweiterten Erfahrungshorizont und dem Gefühl, einige neue Freunde gewonnen zu haben, nach Deutschland zurück. Wer Interesse an einer Referendarstation oder einem Praktikum bei LCS hat, sollte sich frühzeitig mit Dr. Isabell Lütkehaus unter folgender Adresse in Verbindung setzen:

Luetkehaus Consultancy Services Pvt. Ltd.

Ismail Building, 4th floor, 381

Dr. D. N. Road

Flora Fountain

Mumbai (Bombay) 400 001

India.

Telefon: +91-22-282 5274

Telefax: +91-22-283 8296

E-Mail:

Tobias Teufer, München


JuS 9/1999