SEPA – Der europäische Zahlungsverkehr ''rückt zusammen''


Auch auf den ersten Blick einfache organisatorische Umstellungen, wie die Änderung der Angaben zur Bankverbindung im Überweisungsverkehr, bedürfen guter Vorbereitung – gerade dann, wenn davon alle Geschäftspartner eines Unternehmens betroffen sind. Dies gilt in jedem Fall für die Euro-Zahlungen innerhalb der 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz, die seit Jahresbeginn 2008 zum einheitlichen europäischen Zahlungsraum SEPA (Single Euro Payments Area) zählen und wie nationale Zahlungen behandelt werden. Dabei sollen mittelfristig die bestehenden nationalen Zahlungsinstrumente bis 2012 abgelöst werden.

Wie können sich Finanzbuchhaltungen hierauf optimal, z.B. hinsichtlich der IT, vorbereiten? Welche Besonderheiten sind u.a. bei einer SEPA-Lastschrift zu beachten?

 

Welche Voraussetzungen müssen in den Unternehmen geschaffen werden?

Unternehmen müssen ihre IT-Systeme auf SEPA-Fähigkeit prüfen und gegebenenfalls umstellen (z.B. hinsichtlich der zu erfassenden Stammdaten bei Debitoren). Die Umstellung sollte für die nächsten zwei Jahre eingeplant und hierfür entsprechende Schritte beim Systemhersteller des betrieblichen Finanzbuchhaltungsprogramms eingeleitet werden (Näheres siehe unten „Was ist zu beachten?“).

Banken versorgen ihre Firmenkunden in der Regel mit Informationsmaterial über SEPA und den damit verbundenen Umstellungen im Zahlungsverkehr.

 

Da für Zahlungen in Europa künftig – statt der Nennung der Bankleitzahl – die Angabe der BIC (Bank Identifier Code; ist identisch mit dem Swift Code der Bank, einem nach ISO 9362 international standardisierten Bankcode) und – statt der Nennung der Kontonummer – die Angabe der IBAN (International Bank Account Number) erforderlich sein wird, sollten bereits jetzt

  • für Debitorenzahlungen (Überweisungen) BIC und IBAN der Kunden im In- und Ausland gesammelt und entsprechend in die Stammdaten einpflegt werden,
  • den Geschäftspartnern (z.B. Kreditoren – insbesondere im Ausland) die eigenen Unternehmens-Nummern mitgeteilt werden.

 

Was ist zu beachten?

  • Die Umstellung aller Bankkontoangaben auf BIC und IBAN muss bis spätestens 2010 erfolgen.
  • Zu klären ist, ob das betriebliche Finanzbuchhaltungsprogramm eine Funktion für die Umstellung auf BIC und IBAN enthält.
  • Soll ein Softwareprogramm zur Umstellung auf BIC und IBAN verwendet werden, sind die hierfür anfallenden Kosten einzuplanen.
  • Die Ermittlung von IBAN und BIC aller Geschäftspartner und deren Eingabe in die Stammdatenverwaltung ist zeitaufwendig.

 

Wie lassen sich IBAN und BIC ermitteln?

Zur Ermittlung und Prüfung von IBAN (aus den bestehenden Kontonummern und Bankleitzahlen oder den entsprechenden nationalen Nummern) wird im Internet ein „IBAN-Rechner“ zur Verfügung gestellt (für Ermittlung und Prüfung einzelner IBAN kostenlos, für „IBAN-Massen-Berechnungen“ gegen Gebühr) – allerdings können hier Fehler nicht vollständig ausgeschlossen werden:

 

BIC-Nummern sind (anhand von Banknamen und Standort) zu ermitteln und zu prüfen über den Link:

 

Informationen zu den Ermittlungsmethoden für die Prüfsummenbildung der IBAN finden Sie hier:

 

Praxishinweis:

Da bei der Ermittlung von BIC und IBAN über Programme Fehler nicht ausgeschlossen werden können, empfiehlt es sich, BIC und IBAN beim Kunden selbst anzufordern. Hier ist ein entsprechender zeitlicher Vorlauf einzuplanen.


Die IBAN setzt sich folgendermaßen zusammen:

  1. 2-stelliger Ländercode (bestehend aus Buchstaben, gemäß ISO 3166-1)
  2. 2-stellige Prüfziffer (bestehend aus Ziffern, gemäß ISO 7064)
  3. max. 34-stellige Kontoidentifikation (bestehend aus Buchstaben und/oder Ziffern)

Eine deutsche IBAN hat immer exakt 22 Stellen mit folgender Struktur, wobei kürzere Kontonummern mit führenden Nullen auf 10 Stellen erweitert werden:

 

DEpp bbbb bbbb kkkk kkkk kk

DE = Länderkennzeichen für Deutschland

pp = zweistellige Prüfziffer

bbbbbbbb = die 8-stellige deutsche Bankleitzahl

kkkkkkkkkk = die 10-stellige Kontonummer

 

siehe auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/International_Bank_Account_Number

 

Eine tabellarische Übersicht des IBAN-Aufbaus der europäischen Länder finden Sie beispielsweise hier:

 

Praxishinweis:

Durch SEPA lässt sich die Abwicklung des Cash Managements effizienter und transparenter gestalten: So können künftig die Bankkonten aus unterschiedlichen EU-Ländern leichter konzentriert werden, d.h., die Steuerung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs lässt sich dann ggf. von einem Bankkonto bzw. Standort aus abwickeln.

 

Wie sehen SEPA-Überweisungen und SEPA-Lastschriften aus?

Mit SEPA wird der Zahlungsverkehr (Euro-Überweisungen, Lastschriften)

  • nach einheitlichen Normen und Vorgaben,
  • zu ausgehandelten Preisen,
  • in einer vorgegeben Ausführungsfrist,
  • mit einheitlichen Formaten, Formularen und Vordrucken

durchgeführt.

 

SEPA-Überweisung

Die SEPA-Überweisung entspricht im Wesentlichen der heutigen (kostengünstigen) EU-Standardüberweisung und kann bei Angabe von IBAN und BIC sowohl für innereuropäische als auch innerdeutsche Zahlungen genutzt werden.

  • Bisherige Betragsgrenze von 50.000 € für eine Standardüberweisung entfällt.
  • Ausführungsfrist bis zur Gutschrift auf begünstigtem Konto bis 2011: Auftragstag + 3 Tage;

    Ab 2012 für elektronische Aufträge: Auftragstag + 1 Tag;

    Ab 2012 für beleghafte Aufträge: Auftragstag + 2 Tage

  • Einheitliches Übertragungsformat für elektronisch eingereichte Zahlungen basiert auf xml.

 

 

SEPA-Lastschrift

Mit der SEPA-Lastschrift wird es erstmals möglich sein, europaweit Lastschriften abzuwickeln. Sie ist eine Kombination aus Einzugsermächtigung und Abbuchungsauftrag mit einigen Erweiterungen.

  • Der Zahlungspflichtige erteilt dem Zahlungsempfänger ein Lastschriftmandat (papierhaft oder digital signiert). Das vom Zahlungspflichtigen unterschriebene Mandat wird sowohl seiner Bank als auch dem Zahlungsempfänger weitergeleitet.
  • Zur Bearbeitung einer eingereichten Transaktion muss sich der Lastschrifteneinreicher (Zahlungsempfänger) mit einer zugeteilten UCI-Kennung (Unique Creditor Identifier) eindeutig identifizieren.
  • Ein Fälligkeitsdatum wird festgelegt.
  • Soweit zwischen Zahlungspflichtigem und Zahlungsempfänger nichts anderes vereinbart wurde, muss 14 Tage vor Fälligkeit der Lastschrift ein Avis an den Zahlungspflichtigen erfolgen.
  • Die Lastschrift inklusive der Mandatsdaten soll bei der ersten Lastschrift 5 Tage vor Fälligkeit und bei Folge-Lastschriften 2 Tage vor Fälligkeit bei der Bank des Zahlungspflichtigen vorliegen (diese könnte in der Folge beispielsweise künftige Lastschriften anzeigen oder bei der Kontodisposition berücksichtigen).

Weitere Informationen zur SEPA-Lastschrift finden Sie hier:

 

Zur Umsetzung:

Da der Regelungsbedarf bei den Lastschriften in den einzelnen Staaten um einiges höher ist als bei den Überweisungen, wird die SEPA-Lastschrift voraussichtlich europaweit frühestens Ende 2009 zur Verfügung stehen.

 

Autorin

Anja Schleicher, M.A., Mitarbeiterin der BC-Redaktion, Verlag C. H. Beck, München

BC 4/2008