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Wandtke/Bullinger/von Welser, Fallsammlung zum Urheber- und Medienrecht

Artur-Axel Wandtke / Winfried Bullinger / Marcus von Welser (Hrsg), Fallsammlung zum Urheber- und Medienrecht, München (C.H.BECK) 4. Aufl. 2015, ISBN 978-3-406-66810-4, € 69,-


MMR-Aktuell 2017, 388509    Fälle zum Urheberrecht sind immer gewünscht. Urheberrecht erfreut sich immer größerer Beliebtheit an deutschen Rechtsfakultäten und darüber hinaus. Im gleichen Maße wächst der Wunsch nach guter didaktischer Literatur für junge Urheberrechtler. Wandtke & Co. haben mit ihrem Fallbuch insofern neues Terrain betreten und mit ihrer Fallsammlung immer schon schöne Fälle zum Urheberrecht zusammengestellt. Dies ist bei der 4. Auflage so geblieben: Die drei Autoren, alle drei gestandene Urheberrechtsexperten, haben mit neuen Fällen aus der Zeit bis Oktober 2014 neues „Futter“ für die urheberrechtliche Vorlesung geschaffen. Das Buch umfasst nun 48 Fälle, nicht nur zum Urheberrecht (dazu alleine 34 Fälle), sondern auch zum KUG (6 Fälle) sowie zum Rundfunk- und Medienrecht (6 Fälle). Bei einigen Fällen und Lösungen hätte ich mir mehr gewünscht, dass Fälle aus der aktuellen Rechtsprechung auftauchen. Beim ersten Fall wird pauschal behauptet, dass das Element der Gestaltungshöhe letztendlich im Lichte der Geburtstagszug-Entscheidung des BGH (MMR 2014, 333 m. Anm. Hoeren) obsolet geworden sei. Dies kann man differenzierter sehen. Komplexer als im zweiten Fall geschildert (S. 8 f.) ist die Thematik der Links und der Frames inzwischen geworden. Da hilft es wenig, in Fußnote 13 zu dem Fall einfach zu sagen „die entgegengesetzte Auffassung ist vertretbar“. Ähnliche Bedenken habe ich beim vierten Fall, wo es um die Schutzfähigkeit von Benutzeroberflächen geht. Hier einfach auf die alten Definitionen von Software aus DIN-Vorschriften des letzten Jahrhunderts zu verweisen, ist wohl nicht ausreichend (S. 20). Auch ist die Diskussion um die Abgrenzung Benutzeroberfläche und Programmierung nicht ganz einfach, wie das Beispiel Java zeigt. Etwas mehr rechtspolitischen Mut hätte ich mir gewünscht bei Fall sieben, wenn es um den Grundsatz der angemessenen Vergütung im Urheberrecht geht. Die Regelung ist schlichtweg in der Praxis unbrauchbar und dementsprechend deutlich kann man das auch formulieren, statt die armen Studenten mit sinnlosen Definitionen rund um Angemessenheit und Redlichkeit zu quälen (S. 43). Dass der Grundsatz des § 32a UrhG nicht bei Programmierern gelten soll, ist wohl eher eine Mindermeinung (Fall zwölf, S. 69). Aus § 87f UrhG noch einen Fall zu machen (Fall 19), dürfte fast ein Ding der Unmöglichkeit sein. Dies gelingt nur deshalb, weil der Verfasser (S. 116) einfach ein Textteilchen von 30 Wörtern als nicht mehr kleinstes Teil ansieht. Dazu verweist er darauf, dass der EuGH ja schon einmal Zeitungsbeiträge mit elf Wörtern als urheberrechtsfähig angesehen habe (S. 116). Dass dies im dortigen Fall aber eine Besonderheit des Einzelfalls war, verschweigt der Verfasser tunlichst. Und so weiter, und so weiter.

Meines Erachtens ist der Wandtke auch in seiner 4. Auflage ein in jeder Hinsicht empfehlenswertes Lehrbuch mit gut lesbaren Fällen. Wer sich allerdings im Detail interessiert, sollte beim Gebrauch vorsichtig sein.

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.



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