AG München

Kein Schmerzensgeld bei Anprall gegen Panzerglasscheibe im Zoo


Die Verletzung durch Anprall auf eine Panzerglasscheibe vor dem Giraffengehege begründet keinen Schmerzensgeldanspruch.


Zum Sachverhalt

An einem Sonntag im August 2016 will sich die Klägerin beim Anprall an die Absperrscheibe zum Giraffengehege im Münchner Tierpark eine ein Zentimeter große Prellmarke am Nasenbein, Nasenbluten und Kopfschmerzen zugezogen haben. Sie sei vom Tierparksanitäter erstversorgt und nachfolgend drei Tage arbeitsunfähig krank geschrieben worden. Neben Schmerzensgeld von 500 Euro macht die Klägerin die Pauschale für den Schadensregulierungsaufwand von 25 Euro sowie die nutzlos aufgewendeten Kosten für die Eintrittskarte geltend. Aufgrund der Sonneneinstrahlung, die zu Spiegelungen geführt habe, sei der Klägerin ein Erkennen der Glasscheibe unmöglich gewesen. Die beklagte Münchner Tierpark Hellabrunn AG, deren Haftpflichtversicherer im Vorfeld eine Regulierung des Schadens abgelehnt hatte, hätte mit Warnschildern darauf hinweisen müssen, dass Gehege und Besucherbereich durch eine Glasscheibe getrennt sind.

Die Beklagte meint, durch die zwischen im Abstand von 1,70 m aufgestellten Stahlsäulen eingespannten Glasscheiben ihre Verkehrssicherungspflicht, nämlich zur Trennung von Wildtieren und Besuchern, erfüllt zu haben. Besucher könnten auch nicht ernsthaft erwarten, dass eine solche Abgrenzung nicht existiere. Der Boden im Besucherbereich unterscheide sich auch sichtlich von dem im Gehege. Im Gehege seien Heu und Stroh an der Scheibe aufgeschichtet. Auch fordere im Eingangsbereich ein gelbes Verbotsschild alle Besucher bildlich dazu auf, nicht gegen die Scheibe zu klopfen.

Entscheidung des AG

Das AG München hat im vereinfachten schriftlichen Verfahren den Antrag der Klägerin auf Zahlung von 539 Euro abgewiesen. Nach Auffassung des AG hat die Beklagte ihre Verkehrssicherungspflicht nicht verletzt. Eine Gefahrenquelle begründe eine Haftung des Verantwortlichen erst, wenn sich aus der zu verantwortenden Situation vorausschauend für einen sachkundig Urteilenden die nahe liegende Gefahr ergebe, dass Rechtsgüter Dritter verletzt werden könnten. Anderenfalls alle eine gleichwohl eintretende Schädigung in den Risikobereich des Verletzten.

Die im Giraffenhaus zwischen dem Besucherbereich und dem Tiergehege eingezogene Panzerglasscheibe sei für die betroffenen Verkehrskreise hinreichend gut erkennbar. Es handele sich nicht um eine durchgehende Glasscheibe, sondern die Verglasung sei von mehreren senkrechten Stahlträgern durchbrochen, die dem durchschnittlich aufmerksamen Besucher vor Augen führten, dass hier eine Abtrennung zwischen Besucherbereich und Tiergehege vorhanden sei. Der durchschnittliche Besucher werde auch von vornherein voraussetzen, dass eine solche Abtrennung vorhanden sei, handele es sich doch bei den im Gehege befindlichen Giraffen um Wildtiere mit nicht unerheblichem Gefährdungspotential. Zudem sei auch der Bodenbereich des Giraffenhauses so ausgestaltet, dass sich für den Besucher ein Hinweis auf die Glasabtrennung ergebe. Im Übergangsbereich befinde sich eine deutlich sichtbare Schwelle. Zudem sei der Boden im Bereich des Tiergeheges mit Stroh und Sägespänen eingestreut, welche sich zumindest an Teilen der Glasabtrennung sammelten. Ein Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gegen die Beklagte scheide daher aus.

AG München, Urt. v. 21.12.2017 – 158 C 7965/17


Pressemitteilung des AG München Nr. 15 v. 23.2.2018