AG München

Hundemisshandlung durch Zurücklassen im überhitzten Auto


Auch Hunde dürfen bei Hitze nicht ohne ausreichende Versorgung im Auto zurückgelassen werden.


Zum Sachverhalt

Eine 29-jährige in München Frau gab der Polizei gegenüber an  dass sie ihren Hund, eine Rottweiler/Doggenmischung, am 13.9.2016 bei offenem Autofenster auf einem Parkplatz maximal 20 min im Auto gelassen habe. Außerdem habe sich eine Wasserschale im Auto befunden. Dabei habe sie das Auto ca. alle 10 min kontrolliert und beim zweiten Nachsehen sei bereits die Polizei vor Ort gewesen, die den Hund unter Augen des Sohnes gewaltsam mitgenommen habe. Ferner seien blutunterlaufene Augen bei der Rasse des Hundes ganz normal, ebenso das Hecheln, wenn es warm sei.

Eine Zeugin gab demgegenüber an etwa kurz nach 11 Uhr das unversperrte Fahrzeug mit dem Hund erstmals wahrgenommen haben. Bereits zu diesem Zeitpunkt habe der Hund stark gehechelt und Schaum vor dem Mund gehabt. Die Scheibe der Beifahrerseite sei etwa fünf cm geöffnet gewesen, alle anderen Scheiben verschlossen. Im Fußraum der Beifahrerseite habe eine verschlossene Flasche Wasser gelegen, aber keine Wasserschüssel. Der vernommene Polizeibeamte gab an, etwa gegen 11:20 Uhr zum Fahrzeug gekommen zu sein. Der Hund habe Schaum vor dem Mund gehabt, stark gehechelt und Eiter sei ihm aus den Augen gelaufen. Zudem habe er hyperventiliert und nach seiner Einschätzung als Hundehalter, sei der Hund „fertig“ gewesen. Er selbst sei bis ca. 13:00 Uhr am Tatort verblieben. Er habe dann einen entsprechenden Notizzettel an der Windschutzscheibe zurückgelassen. Die Betroffene sei erst gegen 16:00 Uhr auf die vom Einsatzort ca. fünf Autominuten entfernte Polizeiwache gekommen und habe sich fürchterlich aufgeregt.

Die Außentemperatur betrug nach amtlicher Messung 25 Grad Celsius im Schatten. Nach den Ausführungen des Amtstierarztes lasse das Hyperventilieren des Hundes mit Schaum am Mund bereits auf eine eingetretene erhöhte Thermoregulationsaktivität des Hundes aufgrund eines Hitzestaus im Pkw schließen. Bei fehlender Möglichkeit Flüssigkeit aufzunehmen sei ein Austrocknen des Körpers die Folge. Dadurch können Körperfunktionen erheblich beeinträchtigt werden und sogar das Tier verenden.

Entscheidung des AG

Das AG München hat die Betroffene wegen einer Ordnungswidrigkeit gemäß § 18 I Tierschutzgesetz zu einer Geldbuße von 200 Euro verurteilt. Nach Auffassung des AG hat die Betroffene ohne vernünftigen Grund fahrlässig einem Hund erhebliche Leiden zugefügt. Sie hätte die Gefahr für den Hund durchaus erkennen können. In der Presse werde häufig über solche Fälle, sei es im Auto zurückgelassene Kleinkinder oder Tiere mit den entsprechenden Gefahren berichtet. Sie hätte auch ohne weiteres durch Öffnen der Fenster und Bereitstellen einer Wasserschale das Leiden des Hundes verhindern können. Bei der Bemessung der Geldbuße sei zu berücksichtigen gewesen, dass nur eine fahrlässige Begehungsweise vorgelegen habe, keine Vorbelastungen bekannt seien und eine Wiederholung bereits deswegen unwahrscheinlich sei, da die Betroffene den Besitz des Hundes aufgegeben habe, welcher sich immer noch im Tierheim in Hof befinde.

AG München, Urt. v. 29.11.2017 – 1115 OWi 236 Js 193231/17


Pressemitteilung des AG München Nr. 2 v. 8.1.2018