BFH

Personenbezogene Ermittlung bei häuslichem Arbeitszimmer


Nutzen mehrere Steuerpflichtige ein häusliches Arbeitszimmer gemeinsam, ist die Höchstbetragsgrenze von 1.250 Euro personenbezogen anzuwenden, so dass jeder von ihnen seine Aufwendungen hierfür bis zu dieser Obergrenze einkünftemindernd geltend machen kann.


Zu den Sachverhalten

Der BFH ist bislang von einem objektbezogenen Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer ausgegangen. Die abziehbaren Aufwendungen waren hiernach unabhängig von der Zahl der nutzenden Personen auf 1.250 Euro begrenzt. Nunmehr kann der Höchstbetrag von jedem Steuerpflichtigen in voller Höhe in Anspruch genommen werden, der das Arbeitszimmer nutzt, sofern in seiner Person die Voraussetzungen des § 4 V 1 Nr. 6b S. 2 EStG erfüllt sind.

Im ersten Fall nutzten die Kläger gemeinsam ein häusliches Arbeitszimmer in einem Einfamilienhaus, das ihnen jeweils zur Hälfte gehörte. Finanzamt und das FG Baden-Württemberg (Urt. v. 12.7.2012 – 3 K 447/12, BeckRS 2012, 96098) erkannten die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer von jährlich ca. 2.800 Euro nur i. H. von 1.250 Euro an und ordneten diesen Betrag den Klägern je zur Hälfte zu.

Entscheidungen des BFH

Der BFH hat die Vorentscheidung aufgehoben und die Sache an das FG zurückverwiesen. Nach Auffassung des BFH ist der auf den Höchstbetrag von 1.250 Euro begrenzte Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer jedem Steuerpflichtigen zu gewähren, dem für seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, wenn er in dem Arbeitszimmer über einen Arbeitsplatz verfügt und die geltend gemachten Aufwendungen getragen hat. Der BFH hat zudem klargestellt, dass die Kosten bei Ehegatten jedem Ehepartner grundsätzlich zur Hälfte zuzuordnen sind, wenn sie bei hälftigem Miteigentum ein häusliches Arbeitszimmer gemeinsam nutzen. Im Streitfall hatte das FG jedoch nicht geprüft, ob der Klägerin in dem Arbeitszimmer ein eigener Arbeitsplatz in dem für ihre berufliche Tätigkeit konkret erforderlichen Umfang zur Verfügung stand.

Im zweiten Fall hat der BFH betont, dass für den Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer feststehen muss, dass dort überhaupt eine berufliche oder betriebliche Tätigkeit entfaltet wird. Außerdem müsse der Umfang dieser Tätigkeit es glaubhaft erscheinen lassen, dass der Steuerpflichtige hierfür ein häusliches Arbeitszimmer vorhalte. Dies habe das FG Niedersachsen (Urt. v. 25.3.2013 – 3 K 406/12, BeckRS 2014, 94525) nicht aufgeklärt.

Der BFH hat mit diesen Urteilen also seine Rechtsprechung zu § 4 V 1 Nr. 6b S. 2 EStG zugunsten der Steuerpflichtigen geändert.

BFH, Urt. v. 15.12.2016 – VI R 86/13, VI R 53/12


Pressemitteilung des BFH Nr. 13 v. 22.2.2017