Jörg Ukrow

Digitalisierungsberichte 2018 der Landesmedienanstalten veröffentlicht


Erstmalig haben die Landesmedienanstalten in diesem Jahr den seit 2005 erscheinenden Digitalisierungsbericht in einen Audiobericht und einen Videobericht getrennt.

Knapp zwei Drittel ihrer Zeit und damit weiterhin den weit überwiegenden Teil des Konsums audiovisueller Inhalte widmen die Deutschen nach dem während der IFA 2018 vorgestellten Digitalisierungsbericht Video dem „klassischen“ Fernsehen. Allerdings erfreuen sich Video-on-Demand (VoD-Angebote) einer immer größeren Beliebtheit: Gut 29 Mio. Personen ab 14 Jahren in Deutschland nutzen mind. einmal im Monat VoD, was etwa 42% der Bevölkerung entspricht. VoD ist dabei besonders bei jungen Zielgruppen beliebt: Fast zwei Drittel (62%) der 14 bis 29-Jährigen geben an, vorzugsweise nicht-lineare Angebote zu nutzen. Dabei dominiert die VoD-Nutzung deutlich: Bei den 14 bis 29-Jährigen nimmt VoD mittlerweile mehr als die Hälfte (56%) der gesamten für den Videokonsum aufgewendeten Zeit ein. Der Anteil des „klassischen“ linearen Fernsehens hat sich dagegen innerhalb der letzten beiden Jahre von fast der Hälfte (47%) auf etwas mehr als ein Viertel (29%) des Zeitbudgets verringert.

 

Online haben die Fernsehsender zudem zunehmend das Nachsehen gegenüber großen Streaming-Anbietern. Bereits heute nutzen mehr Menschen Angebote von Netflix, YouTube und Co. als Mediatheken von privaten Fernsehsendern. Zwar werden die Mediatheken der Fernsehsender von einem knappen Drittel der Bevölkerung regelmäßig genutzt, insb. die VoD-Seiten der privaten Fernsehsender bleiben mit einem Nutzeranteil von 16,5% jedoch weit hinter den Streaming-Anbietern zurück.

 

Nach dem Digitalisierungsbericht Audio hat mehr als die Hälfte der Deutschen ab 14 Jahren Zugang zu digitalen Radiogeräten mit DAB+, IP, Satelliten- oder digitalem Kabelempfang oder nutzt Webradio. Der Radioempfang über Satellit und Kabel ist weiterhin rückläufig, während DAB+ und IP mit Wachstumsraten von 15% (DAB+) und 13% (IP) als Übertragungsweg auf stabilem Wachstumskurs bleiben. Die aktuellen Daten des Digitalisierungsberichts Audio zeigen zudem deutlich, dass die Akzeptanz von DAB+ maßgeblich vom verfügbaren Programmangebot abhängt. In Bundesländern wie Bayern oder Sachsen ist die lokale und regionale Programmvielfalt vergleichsweise hoch. Zugleich hat mehr als jeder fünfte Haushalt (22%) in diesen beiden Ländern ein DAB+ Empfangsgerät, gut 5% mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Bundesweit haben gut 12,7 Mio. Personen über 14 Jahren Zugang zu einem DAB+ Radiogerät, das sind 1,7 Mio. mehr als im Vorjahr.

Dr. Jörg Ukrow, LL.M.Eur., ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Instituts für Europäisches Medienrecht (EMR) und stellvertretender Direktor der Landesmedienanstalt Saarland (LMS).