Kathrin Jansen; Thorsten Ricke

„Medienwandel und Medienkrise – Folgen für Medienstrukturen und ihre Erforschung“


„Medienwandel und Medienkrise – Folgen für Medienstrukturen und ihre Erforschung“. Bericht vom ersten Workshop des Netzwerks Medienstrukturen in Düsseldorf

MMR-Aktuell 2011, 313155  Am 17./18. September 2010 fand in der Landesanstalt für Medien (LfM) in Düsseldorf der erste Workshop des Netzwerks Medienstrukturen statt. Zielsetzung des Workshops mit dem Titel „Medienwandel und Medienkrise – Folgen für Medienstrukturen und ihre Erforschung“ war es, Veränderungen von Medien und Medienstrukturen sowie Gründe und Folgen dieser Veränderungen zu diskutieren und zu analysieren.

Das Schlagwort der Medienkrise war der Ausgangspunkt für die diversen Round Tables und Vorträge. In ihrer Begrüßung nannte Frauke Gerlach (LfM) den Paradigmenwechsel von analog zu digital als Ursache für die Krise und rief dazu auf, diese Medienkrise als Chance zu begreifen. Wie diese Krise überwunden werden kann, wurde in einem ersten Round Table diskutiert. Hierbei wurden auch die Möglichkeiten, die sich durch die Gründung einer „Stiftung Medientest“ ergeben könnten, angesprochen. Auf die Frage, ob und wie die Krise im Medienbereich vorbeigeht, konnte jedoch keine abschließende Antwort gefunden werden.

Bei dem Round Table zu den Folgen verschiedener Formen der Medienfinanzierug wurden u.a. von Hans Kleinsteuber (Universität Hamburg) Einblicke in stiftungsfinanzierte Medien in den USA geboten. Auch der Blick auf Entwicklungen in den Nachbarländern Österreich und Schweiz zeigte interessante Aspekte auf, die insbesondere die Frage aufwarfen, inwiefern die Regionalberichterstattung heutzutage noch ausreichend vorhanden ist. Von den Wissenschaftlern wurde in der abschließenden Diskussion festgestellt, dass ein Blick auf Instrumente wie das sog. Crowd-Funding lohnen könnte, um durch die Presse auch zukünftig vor einer weiteren Zunahme von Entpolitisierung und Politikverdrossenheit schützen zu können.

Das abschließende Panel unter dem Titel „Medienregulierung – zunehmend europäisch“ bot einen gelungenen Überblick über die Problembereiche, die sich durch die europäische Regulierung ergeben. Wolfgang Schulz (Hans-Bredow-Institut) warnte davor, dass die Handlungsmöglichkeiten der Staaten immer kleiner würden. Einigkeit bestand unter den Referenten, u.a. Susanne Nikoltchev (Europäische Audiovisuelle Informationsstelle) und Jo Bardoel (Universitäten Amsterdam/Nijmegen), auch darüber, dass dem Europarat zukünftig wieder eine stärkere Rolle bei Fragen zum Medienbereich zukommen solle. Es sei ein „neues Amsterdamer Protokoll“ notwendig, das für den Medienbereich nicht nur wettbewerbsrechtliche Aspekte, sondern zunehmend auch wieder kulturelle Interessen berücksichtige.

Für Nachwuchsforschende wurde in zwei Panels die Möglichkeit geboten, ihre anstehenden oder abgeschlossenen Forschungsprojekte vorzustellen und hierzu Anregungen zu erhalten.

Und auch wenn die Frage nach einem Ausweg aus der Medienkrise nicht abschließend beurteilt werden konnte, bot der Workshop viele interessante Einblicke und konnte Instrumente aufzeigen, die dabei helfen könnten, die Krise in der Tat als Chance zu nutzen, aus der die Medien gestärkt hervorgehen können.

 

Kathrin Jansen ist Mitarbeiterin des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) – öffentlich-rechtliche Abt., Universität Münster.

Thorsten Ricke ist Mitarbeiter des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) – öffentlich-rechtliche Abt., Universität Münster.