Thomas Hoeren

Leupold/ Glossner (Hrsg.), 3D Printing


Andreas Leupold / Silke Glossner (Hrsg.), 3D Printing. Recht, Wirtschaft und Technik des industriellen 3D-Drucks, München (C.H.BECK) 2017, ISBN 978-3-406-70751-3, € 179,-

MMR-Aktuell 2017, 400058   Das ist ja mal was Neues! Der 3D-Druck ist ein vollständig neuer Markt mit faszinierenden neuen Problemen. Und der Schatz ist noch nicht gehoben. Bislang gibt es in Deutschland keine Abhandlung zu den vielfältigen Rechtsfragen dieses neuen Marktsegments. Es war daher überfällig, dass Leupold und Glossner jetzt den Markt neu erschließen und damit gleichzeitig den Standard für die weitere Diskussion unter Juristen setzen. Mit einem Team von mehr als 20 renommierten Co-Autoren ist es ihnen gelungen, ein meisterhaftes enzyklopädisches Werk auf den Markt zu bringen.

Einen breiten Raum nimmt dabei der erste Teil ein, der die verschiedenen technischen Verfahren eingehend beschreibt, getrennt nach den Fertigungsverfahren und den verwendeten Materialien (S. 1-52). Dann untersuchen die Verfasser eingehend die wirtschaftlichen Vorteile des Drucks und die damit verbundenen Veränderungen betrieblicher Prozesse (S. 53-100). In einem dritten Teil werden Praxisbeispiele für die Nutzung der sog. additiven Fertigungsverfahren in der Luftfahrt, dem Bahnverkehr und der Werkstofffertigung beschrieben (S. 101-146). Es folgt ein kurzer Teil zur Logistik, die mit der additiven Fertigung verbunden ist (S. 147), bevor in weiteren Kapiteln das Qualitätsmanagement (S. 159), die Fälschung sicherer Produktion (S. 216-258) und die Arbeitssicherheit in diesem Bereich umfassend erläutert werden.

Der Hauptteil des Buchs beginnt ab den Seiten 269 ff. Hier beschreiben die Verfasser eingehend die vielfältigen juristischen Facetten des Themas. Das Kapitel beginnt mit dem spannenden Thema Datensicherheit und Schutz von Geschäftsgeheimnissen (S. 269-313), sodann werden detailliert die einzelnen Vertragsgestaltungsfragen in diesem Bereich geschildert (S. 326-356). Es folgen die üblichen Kapitel über den Urheberrechts-, Design- und Patentschutz (bis S. 451). Im nächsten Abschnitt geht es um die deliktische Haftung und die Produkthaftung in dem Bereich (S. 452-529), gefolgt von der Frage der Rechtsdurchsetzung im Prozess (S. 530). Es schließen sich Abschnitte über Risikomanagement und technische Normung an (S. 580-637). Das Kapitel endet mit der spannenden Frage der strafrechtlichen Verantwortlichkeit, etwa wenn sich jemand Waffen ausdrucken lässt (S. 638-663). Sodann folgen ausgewählte Spezialfragen juristischer Natur, was den Einsatz z.B. im Bereich Medizin oder Lebensmittel angeht (S. 665-752).

Um es vorweg zu sagen: Ich bin begeistert. Leupold und andere haben exzellente Studien erstellt und den Bereich 3D-Druck gut aufgearbeitet. Wenn ich deshalb etwas kritisiere, handelt es sich lediglich um Petitessen. Die Verfasser haben sich viel Mühe gemacht, jedem Kapitel eine kurze Beschreibung in englischer Sprache beizufügen. Über die Sinnhaftigkeit lässt sich streiten, denn wer kein Deutsch kann, wird mit dem kurzen Abstract direkt wenig anfangen können. Die internationale Literatur zu dem Thema ist leider „unterbelichtet“, was verwundert, da es sich doch insgesamt um einen stark international geprägten Wirtschaftszweig handelt (z.B. hat die WIPO kürzlich eine glänzende Studie zu diesem Sektor veröffentlicht). Rätselhaft ist die Banderole zum Buch. Dort wird auf ein Vorwort von einem Terry Wohlers verwiesen. Das Vorwort entpuppt sich als das einseitige, relativ nichtssagende Grußwort eines Menschen, der für den „Otto-Normal-Juristen“ nicht bekannt ist. Und etwas enttäuscht bin ich von den Ausführungen zum Dateneigentum. Im Kern wiederholt Andreas Wiebe nur ein Kommissionspapier und setzt sich auch nicht richtig mit den verschiedenen Meinungen in der Literatur zu diesem Thema auseinander. Der Bezug zum 3D-Druck ist dabei überhaupt nicht zu erkennen. Man hätte sich schon etwas mehr zum Thema gewünscht, was sich hoffentlich in der nächsten Auflage nachholen lässt.

Aber das sind, wie gesagt, nur Petitessen. Um z.B. ein wirklich glänzendes Teilstück zu erwähnen: Leupold selbst hat in seinem Teil zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen ganz grundlegend den Bereich Geheimnis-Management & Compliance aufbereitet. In dieser Klarheit kenne ich keine andere Abhandlung. Um das Ganze zusammenzufassen: Das ist ein Werk, das einen neuen Wirtschaftszweig grundlegend aufgearbeitet hat und breite Leserkreise verdient.

Professor Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.