Paul Sigel / Tim Wybitul

Jakobs, Vernetzte Gesellschaft. Vernetzte Bedrohungen


Joachim Jakobs, Vernetzte Gesellschaft. Vernetzte Bedrohungen. Wie uns die künstliche Intelligenz herausfordert, Berlin (Cividale) 2016, ISBN 978-3-945219-16-4, € 21,90

MMR-Aktuell 2017, 387804   Schon angesichts der Verabschiedung der neuen Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO) durch das Europäische Parlament wird klar: Der Datenschutz ist und bleibt ein hochgradig relevantes Thema. Um die tatsächliche Seite des Datenschutzrechts zu verstehen, müssen in diesem Bereich tätige Juristen ein umfassendes Verständnis der tatsächlichen Möglichkeiten und Gefahren der Datenverarbeitung durch Unternehmen oder staatliche Stellen haben.

Eine gute Gelegenheit zu einer kritischen Auseinandersetzung mit diesen Themen bietet das vorliegende Buch von Joachim Jakobs. Sehr anschaulich und mit vielen Beispielen und Wortmeldungen untermauert, zeigt das Buch die Möglichkeiten und Risiken immer weitergehender Datenverarbeitungen und -speicherungen durch Unternehmen und von staatlicher Seite auf. Das Buch überzeugt mit seiner klaren Sprache und der hohen Detail- und Beispieldichte aus der Praxis. Auf Grund seiner guten Verständlichkeit richtet sich die vorliegende Veröffentlichung an einen breiten Personenkreis.

Das Buch besteht aus sieben Kapiteln unterschiedlicher Länge. Im ersten Kapitel appelliert der Autor an alle Mitglieder der Informationsgesellschaft, sich mit den Inhalten neuer Technologien zu beschäftigen und sie zu verstehen, bevor diese verwendet werden. Nur dies kann einen sinnvollen Umgang mit bestehenden Risiken ermöglichen. Im zweiten Kapitel beschreibt Jakobs detailliert, welche Möglichkeiten der Datenverarbeitung in technologischer Hinsicht bereits bestehen und in (naher) Zukunft bestehen werden. Er weist dabei deutlich auf die Risiken von Datenverarbeitungen und daraus folgenden Speicherungen großer Datenmengen hin. Ein solches Risiko sei etwa insbesondere die Möglichkeit der Erstellung von umfassenden Profilen und die fehlende Kontrolle durch denjenigen, auf den sich die Daten beziehen, wenn diese einmal erhoben sind. Dies ist auch der Schwerpunkt des dritten, vierten und fünften Kapitels. Jakobs identifiziert vor allem die Unzulänglichkeiten unterschiedlicher Beteiligter (etwa Unternehmen, Regierungen, Gesetzgeber, Konsumenten) hinsichtlich der Herausgabe von Daten und der Sicherung von Datenbeständen sowie die gleichzeitig hohen Fähigkeiten von Cyberkriminellen und Geheimdiensten als größte Risikofaktoren für die Umsetzung eines wirksamen Datenschutzes. Im sechsten und siebten Kapitel schließlich geht es darum, wie persönliche Daten jetzt und in Zukunft besser vor unberechtigten Zugriffen geschützt werden können. Hier geht es dem Autor vor allem um eine angemessene Sicherung von Datenbeständen durch die verarbeitenden Stellen. Auf der Grundlage umfassender Maßnahmen zur Datensicherheit können Zugriffe auf personenbezogene Daten ausschließlich durch hierfür berechtigte Personen erfolgen. Es ist dabei nicht Ziel des Buchs, abschließende und detaillierte Lösungen für jeden Einzelfall zu finden, sondern Möglichkeiten und Konzepte aufzuzeigen. Dies gelingt dem Autor.

Das Buch konzentriert sich deutlich und kenntnisreich auf solche Probleme, die sich durch die Erhebung und weitere Verarbeitung personenbezogener Daten ergeben. Der Autor arbeitet diese Herausforderungen in überzeugender Art und Weise heraus und analysiert sie. Aus Sicht eines Wirtschaftsanwalts hätte es den Nutzen dieses empfehlenswerten Buchs noch weiter verbessert, wenn der Autor noch stärker auch auf mögliche berechtigte Interessen datenverarbeitender Unternehmen sowie auf diejenigen Chancen, die sich aus Geschäftsmodellen im Zusammenhang mit Datenverarbeitungen ergeben, eingegangen wäre. Dies hätte zur Abrundung beigetragen.

Insgesamt handelt es sich um ein durchaus lesenswertes und auch spannendes Buch, das eine gute Hintergrundlektüre darstellt, ein Bewusstsein für die bestehenden Probleme im Umgang mit personenbezogenen Daten schafft und Hinweise auf Möglichkeiten zur Lösung des Problems gibt.

 

Paul Sigel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Frankfurter Büro von Hogan Lovells.

Tim Wybitul ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner im Frankfurter Büro von Hogan Lovells.