Dennis-Kenji Kipker

Alain Bensoussan/Jérémy Bensoussan (Hrsg.), Comparative Handbook: Robotic Technologies Law


Alain Bensoussan / Jérémy Bensoussan (Hrsg.), Comparative Handbook: Robotic Technologies Law, Brüssel (Larcier) 2016, ISBN 978-2-8044-9009-6, € 150,-

MMR-Aktuell 2016, 381857     Automatisierung und Vernetzung sind zwei Schlagwörter, die zurzeit in aller Munde sind. Umso näher liegt es, einen hochaktuellen wie gleichermaßen speziellen Aspekt der Computerisierung unserer Gesellschaft herauszugreifen und rechtlich zu beleuchten – die Robotik. Die in diesem Themenfeld erfahrenen Pariser Rechtsanwälte Alain und Jérémy Bensoussan haben genau das getan und sich für die Herausgabe des „Comparative Handbook: Robotic Technologies Law“ entschieden, das in diesem Jahr im Verlag Larcier, Brüssel, in englischer Sprache erschienen ist. Entstanden ist das Werk über das sog. „Lexing Network“. Hierbei handelt es sich um ein internationales Netzwerk von Rechtsanwälten, die auf Fragestellungen der Digitalisierung und des Technikrechts spezialisiert sind.

Schon bei einem Blick in das Inhaltsverzeichnis des Handbuchs wird der internationale Einschlag des Werks deutlich, der auf das Lexing Network zurückzuführen ist. So haben Juristen aus den verschiedensten Ländern an der Entstehung des Buches mitgewirkt: Belgien, Brasilien, China, Costa Rica, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Japan, Libanon, Portugal, Südafrika, Spanien, Schweiz, dem Vereinigten Königreich und den USA. Dem folgend ist jedes Kapitel auch einem einzelnen dieser Nationalstaaten zugeordnet, dessen Rechtsordnung im Hinblick auf das Roboterrecht untersucht wird. Um eine bessere Vergleichbarkeit der Beiträge untereinander zu erzielen, folgen die einzelnen Abschnitte zu den jeweiligen Rechtsordnungen im Wesentlichen dem gleichen Schema. Adressiert werden Fragen nach der rechtlichen Einordnung von Robotern und ihrer Nutzung, die rechtspolitische Diskussion in den jeweiligen Staaten, haftungs- sowie ansatzweise verwaltungsrechtliche Fragestellungen, IP- und datenschutzrechtliche Aspekte, Strafrecht, das Vertragsrecht sowie Spezialgebiete des Einsatzes von Robotern, so im Gesundheitssektor, im Bereich der staatlichen Sicherheitsbehörden (vor allem auch für autonom agierende Flugdrohnen) und für das Modethema Smart Cars. Teilweise wird darüber hinaus in einigen Beiträgen auch auf tiefergehende wirtschaftliche und technische Zusammenhänge Bezug genommen. Hilfreich ist der im Wesentlichen gleiche Aufbau für jedes Kapitel allemal, erleichtert er dem Leser doch die Möglichkeit, die unterschiedlichen Rechtsordnungen zueinander in Bezug zu setzen und miteinander zu vergleichen. Einige Autoren haben das von ihnen bearbeitete Kapitel ferner im Frage-Antwort-Stil durchgliedert; dies ermöglicht einen schnellen Überblick. Wünschenswert wäre es dennoch gewesen, am Ende des Buches eine Zusammenfassung zu finden, ggf. auch in der Form einer Synopse, welche die behandelten Themen nach Nationalstaaten geordnet nochmals aufgreift und in einer Übersicht darstellt. Ebenso vermisst man leider eine abschließende Stellungnahme, nachdem am Anfang des Werks recht umfassend in die Thematik eingeführt wurde.

Insgesamt aber hält das Buch sein im Titel gegebenes Versprechen, eine rechtsvergleichende Einführung in das Roboterrecht zu geben. Wenngleich der Leser die eigentliche rechtsvergleichende Arbeit im Wesentlichen selbst leisten muss, da die gefundenen Ergebnisse nicht nochmals zusammenhängend beleuchtet werden, so stellt das Werk doch eine erhebliche Hilfestellung dar, wenn man sich im internationalen Kontext mit der Automatisierung und den damit verbundenen Rechtsfragen befasst. Für alle, die einen ersten Überblick suchen, der in angemessener Länge auf den Punkt kommt und Orientierung für ein hochspezialisiertes wie komplexes Arbeitsgebiet in einer fremden Rechtsordnung schaffen soll, ist dieses Buch höchst empfehlenswert.

 

Dr. Dennis-Kenji Kipker ist wissenschaftlicher Assistent am Institut für Informations-, Gesundheits- und Medizinrecht (IGMR) an der Universität Bremen und Mitglied im Vorstand der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID) in Berlin.