Thomas Hoeren

Fezer (Hrsg.), Handbuch der Markenpraxis


Karl-Heinz Fezer (Hrsg.), Handbuch der Markenpraxis, München (C.H.BECK) 3. Aufl. 2016, ISBN 978-3-406-67291-0, € 429,-

MMR-Aktuell 2016, 381853     Manchmal frage ich mich, wie Fezer das eigentlich macht. Hat er noch ein Privatleben? Denn wie Karl-Heinz Fezer solche opulenten und grundlegenden Werke zum Immaterialgüterrecht zusammentragen und zusammenstellen kann, ist und bleibt ein Rätsel. Dies gilt auch für die neue Auflage des Handbuchs der Markenpraxis, das vom Verlag zu Recht als „eine einzigartige Darstellung des gesamten Markenverfahrensrechts und des Markenvertragsrechts“ beworben wird.

Schon die Systematik des Buches spricht für sich. Alles, was das Herz zum Markenverfahrensrecht erwartet, findet sich hier. Die einzelnen Verfahrensabschnitte beim DPMA wie beim BPatG werden ebenso präzise von den Co-Autoren vorgestellt wie das Rechtsbeschwerdeverfahren vor dem BGH. Parallel dazu erfolgen Hinweise zum Gemeinschaftsmarkenverfahrensrecht vor dem Harmonisierungsamt, gefolgt von Rechtsmittelverfahren vor den einzelnen Beschwerdekammern in Alicante und beim EuGH. Ein großes Kapitel findet sich zum Markenverletzungsverfahren, übrigens wieder von einem sehr gewieften Vertreter der Anwaltschaft kommentiert und erläutert. Gerade in der Neuauflage besonders hervorzuheben ist der ausführliche Teil zum Domainverfahrensrecht und zur internationalen Streitschlichtung; damit nimmt Fezer die Entwicklungen im deutschen und internationalen Domainrecht endlich auch in die Neuauflage angemessen auf.

Für den Praktiker von weiterem Interesse dürfte die umfangreiche Sammlung von Markenrechtsverträgen sein, die im Buch selbst ausführlich kommentiert und gleichzeitig dem Leser im Folgetext als Download zur Textbearbeitung zur Verfügung gestellt werden. Diese Vertragstexte werden nicht nur in deutscher, sondern auch in englischer Sprache aufbereitet. Angemessen ist dabei auch die Einbeziehung von Vertragsgestaltungshinweisen zum US-amerikanischen Recht. Im Kern geht es hier vor allem um die Marken-„Lizenz“ wie über die Vollübertragung von Marken.

Besonders gut gefallen haben mir wieder die Teile über die sonst eher spärlich kommentierten Phänomene der Markenverwertung im Kreditsicherungsbereich und den für den bestandenen Praktiker wichtigen Bereich der Markenrecherche. Diese Teile schließen auch Hinweise zur monetären Markenbewertung mit ein, unter Einbeziehung der DIN/ISO1668.

 

Ich hoffe, dass schon bei der Auflistung dieser Themen das Herz des Praktikers höherschlägt. Es ist in der Tat ein fulminantes Werk in Neuauflage, das seinen durchaus erschreckend hohen Preis wert ist. Und trotzdem bleibt die Frage: Wie schafft der Fezer das alles?

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.