Volker Lüdemann

Müller-Hengstenberg/Kirn, Rechtliche Risiken autonomer und vernetzter Systeme


Claus D. Müller-Hengstenberg / Stefan Kirn, Rechtliche Risiken autonomer und vernetzter Systeme. Eine Herausforderung, Berlin (De Gruyter) 2016, ISBN 978-3-11-044023-2, € 69,95

 

MMR-Aktuell 2016, 380446     Der Titel des Buches verspricht ein juristisches Lesevergnügen besonderer Art: die intensive Auseinandersetzung mit den spannenden und hochaktuellen Rechtsfragen autonomer und vernetzter Systeme. Wer, wie der Rezensent, das Buch mit dieser Erwartung in die Hand nimmt, wird allerdings enttäuscht. Der juristische Erkenntnisgewinn ist überschaubar. Die rechtlichen Herausforderungen werden nur oberflächlich aufgezeigt. Eine vertiefte Diskussion der Rechtsrisiken findet nicht statt. Die Verfasser geben auch keine praktischen Hinweise oder Lösungsansätze.

 

Sie stellen zunächst auf 120 Seiten die technologischen Grundlagen intelligenter autonomer Systeme dar. Im Vordergrund stehen Virtualisierung, Cloud Computing, Softwareagenten und Multiagenten. Die Ausführungen sind äußerst mühsam zu lesen. Dies liegt zum einen an der weitgehenden Verwendung technischer Fachsprache. Zum anderen oszillieren die Ausführungen beständig zwischen verschiedenen Fachgebieten, von der Softwaretechnik und der Wirtschaftsinformatik über die Soziologie und die Ökonomie bis hin zum Recht. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen, auch weil der Bezug zum Thema an vielen Stellen kaum erkennbar ist.

 

Noch enttäuschender ist allerdings die zweite Hälfte des Buches, die Darstellung der rechtlichen Herausforderungen. Der Teil beginnt mit breit angelegten Ausführungen zur rechtlichen Bedeutung von Willenserklärungen, den Subjekten unserer Rechtsordnung, Gesellschaftsformen, den Möglichkeiten der Wissenszurechnung und der Anfechtung und entwickelt sich dann zu einem Parforceritt durch das deutsche Recht, einschließlich einer Einführung in das Datenschutzrecht und einem Ausblick auf das internationale Recht. Hier stellt sich unweigerlich die Frage, für wen diese Seiten geschrieben sind. Für Juristen ist dieser Überblick auf Grund seiner Oberflächlichkeit wenig erbaulich, für alle anderen schwer verdaulich.

 

Was bleibt nach 350 Seiten Lektüre? Juristen sind enttäuscht und sehen betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen. Nichtjuristen haben bestenfalls den Eindruck gewonnen, dass autonome und vernetzte Systeme rechtlich nicht unproblematisch sind. Das haben sie vermutlich aber ohnehin geahnt. Für diese Erkenntnis lohnt es sich jedenfalls nicht, dieses Buch zu kaufen. Und vergnüglichere und bessere Darstellungen des deutschen Rechts gibt es allemal.

 

Prof. Dr. Volker Lüdemann ist Professor für Wirtschafts- und Wettbewerbsrechts und Leiter des Niedersächsischen Datenschutzzentrums (NDZ) an der Hochschule Osnabrück.