Thomas Hoeren

Bisges, Handbuch Urheberrecht


Marcel Bisges (Hrsg.), Handbuch Urheberrecht, Berlin (Erich Schmidt Verlag) 2016, ISBN 978-3-503-16618-3, € 128,-

MMR-Aktuell 2016, 379853     Marcel Bisges ist seit vielen Jahren als einer der herausragenden Spezialisten des Urheber- und Medienrechts in der Szene bekannt. Es kann daher niemanden verwundern, dass er und sein vornehmlich aus den Reihen der Anwaltspraxis bestehendes Team es geschafft haben, ein schönes Handbuch zum Urheberrecht neu auf den Markt zu bringen. Die Zeit für ein solches Handbuch ist gut. Das Urheberrecht hat in letzter Zeit vielfältige Umsetzungen erfahren und ist auch derzeit noch Gegenstand vielfältiger rechtspolitischer und rechtsdogmatischer Kontroversen. Auch stehen zahlreiche Standardkommentare derzeit vor einer dringenden Aktualisierung. Insofern ist ein großes Bedürfnis nach einer gut handhabbaren Einführung in die Grundstrukturen des Urheberrechts vorhanden.

Und genau das gelingt Bisges und seiner Autorenschaft. Auf knapp 800 Seiten beschreiben die Autoren die vielfältigen Verästelungen des Urheberrechts, beginnend mit dem Werkbegriff (S. 31 ff.), über den Inhalt des Urheberrechts (S. 133 ff.), bis hin zu den Schranken des Urheberrechts (S. 233 ff.). Es schließen sich Überlegungen zu den Verwertungsgesellschaften (S. 406 ff.), zu den technischen Schutzmaßnahmen (S. 455 ff.) und zum Rechtsschutz im Urheberrecht an (S. 543 ff.). Schließlich finden sich Überlegungen zu den Lieferantenschutzrechten (S. 679 ff.) und zum internationalen Urheberrecht (S. 761 ff.). Das Werk folgt insofern im Kern dem Aufbau des Urheberrechtsgesetzes. Das Werk ist bodenständig und praxisorientiert.

Manche Umstimmigkeiten könnte man noch für Neuauflagen anbringen, wie etwa ein Kapitel zur Einführung in die Strukturen des US-Urheberrechts. Auch scheint das Kapitel zum Urhebervertragsrecht für praktische Bedürfnisse relativ dünn (S. 337 ff.). Bei der Besprechung verschiedener Themen fällt die etwas verkürzte Sicht allein auf das deutsche Recht auf (z.B. bei der Nachkolorierung  von Spielfilmen, S. 529). Unklar ist, wieso bestimmte Randnummern einfach freibleiben (s. etwa Rdnr. 503 ff. oder 530 ff.). Für Praktiker ebenfalls knapp geraten sind die Hinweise zu dem wichtigen Thema Zollbeschlagnahme (S. 627). Die Darstellung zu § 85 UrhG und Sampling war schon vor der Entscheidung des BVerfG zu diesem Thema verkürzt (S. 734). Dass die Privatkopierfreiheit eine echte Ausnahmevorschrift sei, kann man mit guten Gründen unter dem Gesichtspunkt der Informationsfreiheit bestreiten (S. 407). Gut gesehen wird, dass § 44a keine Schranke ist, sondern eine vom Autor so benannte sonstige akzessorische Berechtigung (S. 331). Relativ fehl wird die Frage der Umverteilung von Einnahmen der VG Wort dargestellt (S. 444 ff.).

All das sind allerdings nur Kleinigkeiten, verbunden mit einem großen Lob: Das Handbuch Urheberrecht ist für den gestandenen Praktiker, aber auch für Jurastudenten, die den ersten Einstieg ins Urheberrecht suchen, exzellent. Insofern mein Glückwunsch an Bisges und seine Autoren.

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.