Thomas Hoeren

Berger/Wündisch, Urhebervertragsrecht


Christian Berger / Sebastian Wündisch (Hrsg.), Urhebervertragsrecht. Handbuch, Baden Baden (Nomos) 2. Aufl. 2015, ISBN 978-3-8487-0580-1, € 168,-

MMR-Aktuell 2015, 374097    Am spannendsten für Rezensenten ist die Chance, Neuauflagen von Werken zu rezensieren, deren Vorauflage der Rezensent schon einmal in den Fingern hatte. So liegt es auch beim vorliegenden Monumentalwerk von Berger/Wündisch. In MMR-Aktuell 1/2009, S. XXVIII hatte der Rezensent bereits darauf hingewiesen, dass das Handbuch „wirklich sein Geld wert und insofern für jeden Urheber- und Informationsrechtler ein Muss“ sei. An der damaligen Formulierung muss nichts geändert werden. Der Berger/Wündisch ist das Zentralwerk zum Urhebervertragsrecht, das alle Facetten der Vertragsgestaltung im Urheberrecht eingehend und praxisgerecht behandelt. Schon der Blick in das Inhaltsverzeichnis macht die Breite des Buchs klar. Nach einer umfangreichen Einführung in die Grundlagen des Urhebervertragsrechts (S. 21 ff.) folgen kartell- und arbeitsrechtliche Überlegungen zu „Lizenzrechten als Wirtschaftsgut“ (S. 318 ff.). Dann werden im Hauptteil des Buchs einzelne Vertragstypen analysiert (S. 445 ff.). Die Bandbreite der 20 Kapitel reicht vom Verlagsrecht über den Fernseh- und Musikbereich bis hin zum Softwarevertragsrecht und zu Künstlerverträgen. Die Besprechungen der einzelnen Vertragstypen sind auf den Praktiker zugeschnitten und helfen sehr gut, die vielfältigen Probleme in der Vertragsgestaltung im jeweiligen Sektor herauszuarbeiten. Insofern ist „der Berger/Wündisch“ tatsächlich ein „Muss“.

 

Und doch zeigt sich in der 2. Auflage nach sieben Jahren das typische Problem mancher Neuauflagen, nämlich die Altersmüdigkeit. Man muss natürlich auch bei einer Neuauflage den Mut haben, sich vom Alten, Überholten zu lösen und ein Werk richtig „durchzubürsten“. Und hier zeigen Stichprobenkontrollen, dass genau dies nicht immer gelungen ist. So werden bei den Verlagsverträgen noch alte Normverträge aus dem Jahre 2000 hervorgehoben, obwohl bereits 2014 ein neuer Normvertrag für den gesamten Sektor veröffentlicht wurde (s. S. 516 und 564). Bei der Darstellung der insolvenzrechtlichen Probleme fehlt der Hinweis darauf, dass das LG und OLG München jüngst die Insolvenzfestigkeit von „Lizenzverträgen“ deutlicher konturiert haben (S. 376). Starrsinnig halten manche Autoren auch an altbewährten Unweisheiten fest. So wird immer noch vertreten, dass das Speichern im RAM eine Vervielfältigung sei (S. 712). Wieso bei einer Diskussion über Internetrechte die alte Satelliten-Theorie von Bogsch erwähnt werden muss, bleibt ein Rätsel (S. 716). Doch solche Probleme tauchen nur vereinzelt auf. Ansonsten war es wieder eine Freude, in dem Werk herumstöbern zu dürfen. Ich wünsche daher den Kommentatoren und Autoren des Werks den gleichen Erfolg, den sie mit der Erstauflage erzielen konnten.

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.