Ricarda Lotte

Thomas Hartmann, Urheberrecht in der Bildungspraxis


Thomas Hartmann, Urheberrecht in der Bildungspraxis, Bielefeld (W. Bertelsmann Verlag) 2014, ISBN 978-3-7639-5441-4, € 19,90

MMR-Aktuell 2015, 368794     Für Lehrende sind urheberrechtliche Regelungen gleich in zweifacher Hinsicht bedeutsam. Zum einen sind sie als Schöpfer von Lehrmaterialien selbst Inhaber von Urheberrechten, zum anderen müssen sie bei der Verwendung fremder Materialien im Unterricht die Urheberrechte anderer beachten. Welcher Dynamik der von ihnen dabei zu beachtende Regelungsrahmen unterliegt, zeigen etwa die Entscheidungen „Meilensteine der Psychologie“ (BGH MMR 2014, 616) und „TU Darmstadt/Ulmer“ (EuGH MMR 2014, 822 = GPR 2/2015 m. Anm. Grünberger, i.E.). Nicht zuletzt deshalb steht der großen Relevanz urheberrechtlicher Regelungen in der Praxis häufig eine hohe Unsicherheit der Lehrenden sowohl über den Umfang ihrer Rechte als Urheber als auch über den Rahmen der erlaubten Verwendung fremder urheberrechtlich geschützter Materialien gegenüber.

 

Einen wichtigen Beitrag zur Schließung dieser Lücke leistet der von Thomas Hartmann verfasste und vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen herausgegebene Leitfaden, der die für die Bildungspraxis relevanten urheberrechtlichen Fragen behandelt. Er berücksichtigt dabei auch die doppelte Relevanz des Urheberrechts für Lehrende, sodass sich die Ausführungen auf beide urheberrechtliche Rollen der Lehrenden beziehen. Die Perspektive fokussiert sich auf die Rechte als Urheber (1. Kapitel) bzw. auf den Rahmen der rechtlich erlaubten Verwendung von Werken als Nutzer (2. Kapitel).

 

I.R.d. Rechte als Urheber erläutert Hartmann neben der dem Urheber zustehenden Verwertungs- und Urheberpersönlichkeitsrechte und der Rechtsinhaberschaft auch den Schutzbereich des Urheberrechts und die Voraussetzungen für urheberrechtlichen Schutz. Der Beginn des zweiten Kapitels bildet mit der Frage der Lizenzierung unter Berücksichtigung von Rahmenverträgen der Bildungseinrichtungen gleichsam eine Schnittstelle zwischen den beiden urheberrechtlichen Rollen der Lehrenden, bevor sich die Ausführungen mit einer Einordnung und einem Überblick der Schrankenregelungen auf die Nutzerperspektive konzentrieren. Die für den Bildungsbereich besonders relevanten Schrankenregelungen werden detailliert erörtert und die urheberrechtlichen Besonderheiten von Materialien von Schulbuchverlagen, Musiknoten und Veranstaltungsbildern veranschaulicht. Ein Überblick über Open Access, Open Educational Resources und Creative Commons rundet den Leitfaden ab, der mit einem Glossar und dem Abdruck relevanter Gesetzestexte schließt.

 

Auch ohne urheberrechtliches Vorwissen ist der Leitfaden sehr gut verständlich und eignet sich auf Grund zahlreicher Überblicke, Check-Listen, Merkregeln, Beispiele und weiterführender Exkurse auch für ein gezieltes Nachschlagen. Der Leitfaden schärft das Bewusstsein für die Relevanz des Urheberrechts für das Lehren und Lernen und liefert Lehrenden und Bildungseinrichtungen wichtige Hinweise für die Beurteilung urheberrechtlicher Fragestellungen im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit.

 

Ricarda Lotte ist Doktorandin bei Prof. Dr. Grünberger, LL.M. (NYU), Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Wirtschafts- und Technikrecht an der Universität Bayreuth und Stipendiatin am dortigen DFG-Graduiertenkolleg „Geistiges Eigentum und Gemeinfreiheit“.