Wolfgang Bär

Manfred Wernert, Internetkriminalität


Manfred Wernert, Internetkriminalität. Grundlagenwissen, erste Maßnahmen und polizeiliche Ermittlungen, Stuttgart (Boorberg) 2. Aufl. 2014, ISBN 978-3-415-05257-4, € 19,80

MMR-Aktuell 2014, 363668     Die Kriminalität im Internet boomt. Dies wird aber durch die polizeilichen Kriminalstatistiken nur unzureichend abgebildet. So ist es hier in den letzten fünf Jahren zwar zu einer Verdoppelung der registrierten Verfahren gekommen. Bundesweit wurden 2013 rd. 64.500 Verfahren gezählt, von denen nur jeder vierte Fall aufgeklärt werden konnte. Diese Statistik erfasst jedoch keine vom Ausland aus begangenen Taten. Vor allem aber ist durch diese Zahlen die Realität nur unvollständig abgebildet, da viele Taten gar nicht erkannt oder angezeigt werden. Eine Dunkelziffer von bis zu 90% ist daher realistisch. Nach einer aktuellen Studie des Center for Strategic and International Studies (CSIS), die in Zusammenarbeit mit dem IT-Security-Anbieter McAfee erstellt wurde, ist weltweit inzwischen von einem jährlichen Schaden von US$ 400 Mrd. auszugehen. Vor diesem Hintergrund ist es von besonderer Bedeutung, dass auf Seiten der Ermittlungsbehörden das entsprechende Fachwissen vorhanden ist, um Delikte im Bereich der Internetkriminalität angemessen verfolgen und aufklären zu können. Dazu will das vorliegende Buch von Wernert beitragen, der als Polizeibeamter an der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg im Institutsbereich Ausbildung tätig ist. Das Werk richtet sich daher vor allem an die Praxis und die polizeiliche Aus- und Fortbildung und liefert Kerninformationen zu den aktuellen Erscheinungsformen der Internetkriminalität sowie zu den rechtlichen Grundlagen und kriminalistischen Möglichkeiten der Verfolgung.

 

Dazu werden in den ersten beiden Teilen der Kriminalitätsbegriff Cybercrime im engeren und weiteren Sinn sowie die polizeilichen Strukturen und Strategien dargestellt, wobei auch in einem kurzen Teilkapitel „Recht“ in Betracht kommende Ermittlungsbefugnisse (S. 44-54) angesprochen werden. Daran schließen sich knappe Ausführungen zur IT-Technik und zum Internet in technischer Hinsicht an. Im Folgenden werden einzelne konkrete Kriminalitätsphänomene erläutert. Dazu zählen neben WLAN-Straftaten, Betrug bei Internetauktionen, digitale Erpressung, Diebstahl digitaler Identitäten auch Botnetze, kinderpornografische Schriften und Urheberrechtsverletzungen. Besonderen Raum nehmen in diesem Zusammenhang vor allem aber die konkreten Ermittlungsmöglichkeiten zur E-Mail, IP-Adresse und Domain (S. 82-100) sowie die für die Praxis vor Ort wesentlichen Formen der Sicherstellung von elektronischen Beweismitteln (S. 101-123) ein. Ergänzt werden die Darstellungen durch einen Anhang u.a. mit den relevanten gesetzlichen Bestimmungen im StGB, TKG, TMG und der StPO sowie einem Glossar (S. 175-182) mit den relevanten technischen Begriffen.

 

Insgesamt gesehen bietet das Buch zur Internetkriminalität von Wernert damit vor allem für den polizeilichen Ermittlungsbeamten vor Ort, der etwa auf Grund der Anzeigenaufnahme oder der Durchführung des Ersten Angriffs mit dieser Materie konfrontiert ist, einen Einstieg in die relevanten technischen, kriminalistischen und rechtlichen Grundlagen in diesem Bereich. Es ist daher als Beitrag zur Vermittlung von Grundlagenwissen i.R.d. polizeilichen Aus- und Fortbildung durch seine anschauliche und durch Bilder und Grafiken ergänzte Darstellung gut geeignet, den mit diesem Kriminalitätsphänomen befassten Polizeibeamten entsprechende Informationen für die Praxis an die Hand zu geben.

 

Ministerialrat Dr. Wolfgang Bär ist Referatsleiter im Bayerischen Staatsministerium der Justiz in München.