Wolfgang Bär

Schönke/Schröder, Strafgesetzbuch: StGB


Schönke/Schröder, Strafgesetzbuch: StGB. Kommentar, München (C.H.BECK) 29. Aufl. 2014, ISBN 978-3-406-65226-4, € 159,-

MMR-Aktuell 2014, 361512     Nach der Vorauflage aus dem Jahr 2010 ist der Standardkommentar von Schönke/Schröder zum Strafgesetzbuch in seiner inzwischen 29. Auflage Anfang 2014 neu erschienen. Auch mit der Neuauflage hat sich der bereits die letzten Auflagen prägende Generationswechsel bei den Autoren weiter fortgesetzt. Nachdem die langjährigen Mitkommentatoren Peter Cramer, Theodor Lenckner und Walter Stree schon bei der Vorauflage ausgeschieden waren, war es auf Grund des Todes von Prof. Dr. Heine erforderlich, weitere Veränderungen bei den Mitautoren vorzunehmen. Neben den bereits bei der Vorauflage tätigen Autoren Albin Eser, Jörg Eisele, Walter Perron, Detlef Sternberg-Lieben, Nikolaus Bosch, Bernd Hecker und Jörg Kinzig sowie Ulrike Schittenhelm sind als neue Kommentatoren Bettina Weißer (Uni Münster) und Frank Schuster (Uni Würzburg) bei dieser inzwischen „fünften Autorengeneration" hinzugekommen. Mit diesem Autorenwechsel waren wieder zahlreiche Neukommentierungen verbunden. Die Neuauflage wurde aber auch dazu genutzt, durch die Einfügung von Zwischenüberschriften die Lesbarkeit der Kommentierungen zu verbessern und für den Benutzer eine noch schnellere Auffindbarkeit der relevanten Erläuterungen zu erreichen.

 

Der seit der Vorauflage vergangene Zeitraum von fast vier Jahren machte es erforderlich, zahlreiche Gesetzesänderungen bis hin zum 47. StÄG v. 24.9.2013 einzuarbeiten. Diese Novellierungen haben aber im Vergleich zu den Vorauflagen diesmal nur punktuell zu Veränderungen geführt. Dagegen musste aber vor allem die umfangreiche Rspr. des BVerfG, des BGH sowie auch des EuGH - speziell zum Bereich der Sicherungsverwahrung - ebenso wie das neue Schrifttum Berücksichtigung finden. Damit ist der Schönke/Schröder als Standardkommentar und Mittler zwischen Theorie und Praxis wieder zu einem umfassenden, aktuellen und fundierten Hilfsmittel bei der täglichen Arbeit geworden, in dem für alle, die sich vertiefend mit dem materiellen Strafrecht auseinanderzusetzen haben, durch die ausführliche und strukturierte Darstellung eine gute Verbindung von Praxisnähe und Wissenschaftlichkeit hergestellt wird. Die Erläuterungen zu den einzelnen Bestimmungen tragen einerseits den Interessen der Praktiker Rechnung, die sich in einem übersichtlich gestalteten Kommentar schnell zur Lösung ihres konkreten Verfahrens an der höchst- bzw. obergerichtlichen Rspr. orientieren wollen. Andererseits findet auch der eher an wissenschaftlichen Fragen interessierte Nutzer durch die zahlreichen Verweise auf aktuelle Fundstellen und teilweise vertretene weitere Ansichten einen schnellen Einstieg in umstrittene neue Rechtsfragen. Die den umfangreichen Kommentierungen vorangestellten Übersichten und Hinweise auf das relevante Schrifttum erleichtern dabei das Auffinden wichtiger und auch aktuell diskutierter neuer Problemstellungen.

 

Ohne dass hier auf alle Details dieses exzellenten Werks eingegangen werden kann, sollen doch im Folgenden einige wenige im Bereich der Computer- und Internetkriminalität relevante Gesichtspunkte herausgestellt werden: Dazu zählen zunächst die in der Vorbem. zu § 1 in Rdnr. 25 ff. enthaltenen erweiterten Kommentierungen zum europäischen Strafrecht sowie zur Anwendbarkeit deutschen Strafrechts bei Taten im Internet in § 9 Rdnr. 7-7c bei grenzüberschreitenden Straftaten. Da gerade das Internet auch zur Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Schriften genutzt wird, finden sich neben umfassenden Darstellungen zu den im Strafrecht gerne übersehenen Beschränkungen der strafrechtlichen Verantwortlichkeit durch die §§ 7-10 TMG bei Telemedien in § 184 Rdnr. 70-90 auch aktuelle Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Besitz von Computerdaten mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten bei § 184b Rdnr. 15a f., ohne hier aber bereits Rechtsfragen im Zusammenhang mit neuen Streaming-Techniken einzubeziehen. Die Kommentierungen zu den §§ 202a-202c StGB berücksichtigen aktuelle Entwicklungen und neue Begehungsformen - etwa im Bereich des Phishing und Skimming. Auch im Bereich des Computerbetrugs (§ 263a StGB) und der Fälschung beweiserheblicher Daten (§ 269 StGB) ist es zu zahlreichen Umgestaltungen und Vertiefungen gekommen. I.R.d. Datenveränderung und Computersabotage sind die aktuellen Problemstellungen - etwa im Zusammenhang mit DoS- bzw. DDos-Attacken - näher dargestellt.

 

Insgesamt gesehen hat der Kommentar von Schönke/Schröder als „Klassiker“ aus dem Bereich des materiellen Strafrechts mit seiner auf über 3.200 Seiten angewachsenen Neuauflage wieder die erforderliche Aktualität erreicht und ist deshalb für jeden professionellen Strafrechtler weiterhin als Standardwerk unverzichtbar.

 

 

 

Ministerialrat Dr. Wolfgang Bär

ist Referatsleiter im Bayerischen Staatsministerium der Justiz in München.