Alice Overbeck

Peter Lutz, Grundriss des Urheberrechts


Peter Lutz, Grundriss des Urheberrechts, Heidelberg (C.F. Müller) 2. Aufl. 2013, ISBN 978-3-8114-9505-0, € 29,99

 

MMR-Aktuell 2014, 354364     Die kontroverse öffentliche Diskussion über ein Leistungsschutzrecht für Verleger hat die Gesetzgebung im Urheberrecht wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Der Bundesgesetzgeber hatte sich schließlich für die Einführung des Leistungsschutzrechts zum 1.8.2013 entschieden. Neuerungen rühren im Urheberrecht in jüngster Zeit ansonsten vornehmlich aus der Rechtssetzungsebene der Europäischen Union. Hier sind die Änderung der Schutzfristenrichtlinie und die Richtlinie über verwaiste Werke zu nennen. Diese Gesetzesänderungen hat Prof. Dr. Peter Lutz in der 2. Auflage seines Werks „Grundriss des Urheberrechts“, das im C.F. Müller Verlag in der Reihe „Start ins Rechtsgebiet“ erschienen ist, ebenso berücksichtigt wie die aktuelle Rechtsprechung der nationalen Gerichte und des EuGH.

 

Das Werk verfolgt das Ziel, Jurastudierenden und juristisch gebildeten Interessierten eine Einführung und einen umfassenden Überblick über das Urheberrecht zu vermitteln, ohne sich in der Darstellung langwieriger Meinungsstreits und Diskussionen zu verlieren. Damit unterscheidet sich das Werk von vielen anderen urheberrechtlichen Lehrbüchern und dürfte bei Studierenden, wie schon die Erstauflage, auf großen Zuspruch stoßen. Die Intention des Werks erreicht der Autor durch die ansprechende und auf den Punkt gebrachte Darstellung der urheberrechtlichen Grundsätze in klarer Sprache.

 

In insgesamt 28 Abschnitten gelingt dem Autor auf über 400 Seiten eine gut strukturierte Darstellung der urheberrechtlichen Grundzüge mit vielen Praxisbezügen. Auffallend ist, dass Lutz den Leser in den Fokus der Darstellung stellt. Dies gelingt ihm mit Wiederholungsfragen, die sich an jeden Sinnabschnitt anschließen und anhand derer der Leser seinen individuellen Lernfortschritt überprüfen kann. Ferner erleichtert ein umfassendes Stichwortverzeichnis das gezielte Nachschlagen.

 

Der Autor beginnt im ersten Abschnitt mit einer Einführung in die nationalen und internationalen Quellen des Urheberrechts. Daran schließt sich eine Darstellung des Verhältnisses von Urheberrecht zu anderen Rechten wie der Verfassung, den europarechtlichen Grundlagen und den gewerblichen Schutzrechten an (2. Abschnitt). In Abschnitt 3 erläutert Lutz den urheberrechtlichen Werkbegriff und die Voraussetzungen des Urheberrechtsschutzes. Es folgen Ausführungen zu den einzelnen Werkarten (4. Abschnitt). Die Bearbeitung von Werken wird ebenso wie die freie Benutzung in einem eigenen Teil behandelt (5. und 6. Abschnitt). Gleiches gilt für die in den §§ 4, 5  UrhG geregelten Sammelwerke, Datenbankwerke und amtlichen Werke (7. bis 9. Abschnitt). Im zehnten Abschnitt wird die Person des Urhebers in den Fokus der Betrachtung gestellt. Der 11. Abschnitt befasst sich daraufhin mit den Rechten des Urhebers, wobei zunächst die Urheberpersönlichkeitsrechte und sodann die körperlichen und unkörperlichen Verwertungsrechte dargestellt werden. An dieser Stelle erläutert der Autor auch das Folgerecht des Urhebers und dessen Rechte hinsichtlich Vermietung und Verleihung des Werks. Es folgt eine umfangreiche Darstellung der Schranken des Urheberrechts (12. Abschnitt). Diesen Abschnitt führt der Autor mit allgemeinen Regeln für alle Schranken ein und erklärt dann die einzelnen gesetzlichen Schranken. Im 13. Abschnitt finden sich die besonderen Bestimmungen für Computerprogramme und im 14. Abschnitt befasst sich der Autor mit den Leistungsschutzrechten. Daran schließt sich ein kurzer Teil zu ergänzenden Schutzbestimmungen an (15. Abschnitt), bevor der Verfasser im 16. Abschnitt zu den möglichen Rechtsverletzungen von Urheber- und Leistungsschutzrechten kommt und das Anspruchssystem sowie Zwangsvollstreckung und Strafnormen im Urheberrecht erläutert. Der 17. Abschnitt befasst sich mit der internationalen Dimension des Urheberrechts und stellt verschiedene internationale Abkommen in diesem Bereich dar. Bevor der Autor sich im 19. Abschnitt dem Recht am eigenen Bild widmet, das im KUG geregelt ist, führt er zuvor noch in die Rechtsstellung und Aufgaben der Verwertungsgesellschaften ein (18. Abschnitt). Der 20. Abschnitt stellt die Grundsätze des Urhebervertragsrechts dar und die Abschnitte 21 bis 29 befassen sich daraufhin ausführlich mit der Verwertung urheberrechtlicher Werke im Einzelnen. Hier werden verschiedene Vertragstypen (Verlagsvertrag, Filmverträge, Datenbankverträge u.a.) vorgestellt und ihre Konzeption erklärt. Dadurch erhält das Werk zum Schluss noch einen besonderen Praxisbezug.

 

Auf die ausführliche Darstellung von Meinungsstreitigkeiten und Diskussionen wird zwar verzichtet, diese werden jedoch nicht übergangen, sondern immer knapp erwähnt, sodass dem Leser wenig entgeht. Zur Vertiefung von Einzelproblemen stehen die Literatur- und Rechtsprechungsnachweise zur Verfügung. Hierfür hat Lutz die urheberrechtliche Literatur und Rechtsprechung umfassend ausgewertet.

 

Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass der Autor mit dem „Grundriss des Urheberrechts“ das Ziel, einen umfassenden, verständlichen Überblick über das Urheberrecht zu geben, vollends erreicht. Für Einsteiger in dieses Rechtsgebiet ist das Werk daher uneingeschränkt zu empfehlen.

 

 

Alice Overbeck ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht – Zivilrechtliche Abteilung – Forschungsstelle Recht im Deutschen Forschungsnetz (DFN) an der Universität Münster.