Silke Glossner

Baumgartner/Ewald: Apps und Recht


Ulrich Baumgartner / Konstantin Ewald, Apps und Recht, München (C.H. Beck) 2013, ISBN 978-3-406-63492-5, € 29,80 

 

MMR-Aktuell 2013, 345985     Schon Grundschülern ist es heute nicht mehr vermittelbar – aber es gab tatsächlich einmal eine Zeit, da war ein Handy ausschließlich zum Telefonieren gedacht. Die heutigen Mobiltelefone können natürlich viel mehr als das: Sie lotsen durch fremde Städte, fotografieren, sie  spielen und machen Musik, sie berichten über Neuigkeiten, aktuelle Lawinengefahren, Kochrezepte und Prominente oder motivieren zum Abnehmen. Möglich machen das die sog. Apps, kurz für Application software – also eine Anwendungssoftware für Mobilgeräte.

 

Mit den rechtlichen Problemen rund um diese Apps befassen sich Ulrich Baumgartner und Konstantin Ewald in dem neu erschienen Band „Apps und Recht“. Soweit ersichtlich, sind die Autoren die ersten, die sich umfassend aus diesem Blickwinkel mit der Thematik auseinandersetzen – was fast verwundert, sind die Apps doch inzwischen ein Milliardengeschäft geworden.

 

Der Bogen, den die Autoren in insgesamt 10 Kapiteln spannen, ist ein weiter: Er beginnt bei den Rechtsproblemen der Entwicklung von Apps, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf urheberrechtliche Fragestellungen gelegt wird. Dem Vertrieb von Apps einschließlich der besonderen Problemstellungen des E-Commerce wie z.B. den fernabsatzrechtlichen Bestimmungen und den Informationspflichten im Netz sind weitere Kapitel gewidmet. Das anschließende Kapitel zum Datenschutzrecht zeigt die gesetzlichen Anforderungen auf, verschweigt aber nicht die Diskrepanz zwischen den rechtlichen Vorgaben und den tatsächlichen Realitäten im Netz. Schließlich spannt der Band dann den Bogen über das Jugendschutzrecht hin zu der Frage nach der Haftung von App-Entwicklern, App-Anbietern und App-Handelsplattformen.

 

Dem Band ist es deutlich anzumerken – die Autoren „brennen“ für ihr Thema, ihre Ausführungen sind nicht nur durch ihr rechtliches, sondern auch ihr technisches Verständnis der Thematik gekennzeichnet. Es gelingt ihnen daher ohne weiteres, auch den weniger mit der Materie vertrauten Leser teilhaben zu lassen an den Möglichkeiten dieser neuen Technologie und sie einzuweihen in die sich auftuenden juristischen Dimensionen. Zahlreiche Beispiele aus der Praxis, Übersichten, Grafiken und Screenshots erleichtern auch dem weniger internet-affinen Leser das Verständnis, der Band ist insgesamt sehr übersichtlich gestaltet. Bei einem so breiten Ansatz, wie ihn die Autoren gewählt haben, besteht fast immer die Gefahr, dass Probleme nur angerissen werden; dies ist hier indes nicht der Fall. Die Autoren haben vielmehr den goldenen Mittelweg gefunden: Ihnen gelingt es, einen Überblick und breiten Einblick zu vermitteln, ohne sich in Details zu verlieren.

 

Ein Problem allerdings, das alle Autoren im Bereich des IT-Rechts trifft, ist auch bei diesem Band spürbar; man kann in einem sich permanent und rasant wandelnden rechtlichen Umfeld immer nur den Augenblick abbilden, bevor die Vorgaben von Gesetzgebung und Rechtsprechung - nicht zuletzt getrieben durch ständige technische Neuerungen - sich weiter fortentwickeln. So gehen die Autoren zwar z.B. auf die gegenwärtigen Anforderungen des Fernabsatzrechts ein, jedoch noch nicht auf die zu erwartenden Neuerungen auf Grund des Anpassungsbedarfs im deutschen Recht an die Europäische Verbraucherrechterichtlinie. So bleibt zu wünschen, dass diesem Band in rascher Folge Neuauflagen folgen werden, sodass der Leser bei dem brandaktuellen Thema immer auf dem neuesten Stand bleiben kann.

 

Silke Glossner ist Richterin in der 5. Zivilkammer des LG München I und Mitherausgeberin des „Anwaltshandbuch IT-Recht".