Christian Alexander Koch

Kainz/ Scherrer/ Werner (Hrsg.), Sportfinanzierung und Sportwetten


Florian Kainz/Urs Scherrer/ Christian Werner (Hrsg.), Sportfinanzierung und Sportwetten, Schriftenreihe Causa Sport, Bd. 6, Stuttgart (Richard Boorberg) 2012, ISBN 978-3-415-04787-7, € 43,-

MMR-Aktuell 2013, 343257                Das vorliegend rezensierte Werk, bestehend aus 22 Beiträgen verschiedener Autoren, beruht im Wesentlichen auf den anlässlich des Kongresses der „Early Warning System GmbH“ (im Folgenden: EWS) in Zusammenarbeit mit dem „Swiss Sport Forum“ abgehaltenen Kongresstagen im März 2011 in Zürich zu dem Thema „Sportwetten - Märkte, Fakten, Recht“. EWS ist eine Tochtergesellschaft der FIFA, die 2005 gegründet worden ist und den Zweck verfolgt, die Integrität des Sports zu schützen.

Der Band greift ein brandaktuelles Thema auf. Sportwetten erfreuen sich bereits seit längerem größter Beliebtheit. Auftrieb hat die Veranstaltung, Vermittlung und Teilnahme an ihnen insbesondere durch das Medium Internet erfahren, das es mit überschaubarem Aufwand ermöglicht, in Sekundenschnelle von überall weltweit aus auf fast jegliches sportliche Ereignis eine Wette zu platzieren. Der Online-Sportwettenmarkt ist dabei Segen und Fluch zugleich: Große, international agierende Sportwettenanbieter ermöglichen einerseits z.B. lukrative Sponsoring-Verträge im Sportbereich und werden i.R.d. Sportfinanzierung künftig eine stets wichtiger werdende Rolle spielen – verwiesen sei in diesem Zusammenhang insbesondere auf den Beitrag des Rechtsanwaltskollegen Dr. Jörg von Appen mit dem Titel „Der Sport als handelbare Ware: Fußball, Fernsehen, Flaschenbier“ sowie auf die Abhandlung von Prof. Dr. Oliver Haas „Herausforderungen mit Blick auf die Finanzierung des professionellen Fußballsports“. Andererseits geht von dem riesigen Online-Sportwettenmarkt aber auch eine ernst zu nehmende Gefährdung für den Sport aus. So werden vermehrt Sportereignisse manipuliert, um auf den dann vermeintlich vorhersehbaren Ausgang des Spiels eine entsprechende Sportwette abzuschließen (vgl. zu den einzelnen Wettformen und der Gesamtproblematik Koch, Diss. Berlin 2007). Auch der Fußball wird regelmässig von sog. „Match-Fixing“-Skandalen erschüttert, wie den Medien immer häufiger zu entnehmen ist. Der Kampf gegen Sportmanipulationen dürfte, neben dem gegen Doping, auch in Zukunft ein sehr wichtiges Thema für den Sport und seine Protagonisten sein. Um eine wirksame Abwehr dieses globalen Phänomens zu ermöglichen, ist es unerlässlich, dass auch die als privatrechtliche Vereine ausgestalteten Sportorganisationen tätig werden. Die FIFA hat hierzu EWS geschaffen, ein Überwachungssystemen zur Sicherung der Integrität des Sports, auf dessen „Möglichkeiten und Grenzen“ Detlev Zenglein in seinem Beitrag hinweist. Daneben ist es aber essenziell, dass gerade auch die nationalen Staaten alles daran setzen, dass entsprechende Fälle von Match-Fixing entdeckt, verfolgt und sanktioniert werden. Das setzt in einem ersten Schritt aber voraus, dass die Straftatbestände der jeweiligen Staaten entsprechendes Verhalten unter Strafe stellen. Wie Dr. Laila Mintas in „Match-Fixing – Klare Abseitsposition des deutschen Gesetzgebers“ zutreffend aufzeigt, ist auf nationaler Ebene ein dringender Handlungsbedarf – auch immer noch in Europa – gegeben.

Das Gesamtwerk „Sportfinanzierung und Sportwetten – Reflexionen zu Phänomenen, Möglichkeiten und Gefahren im kommerziellen Sport“ durchleuchtet das Thema Sportwetten von verschiedenen Perspektiven und gibt vielfach sehr interessante Einblicke in diese umfangreiche Materie.

 

Dr. Christian Alexander Koch ist Rechtsanwalt in Berlin.