Thomas Hoeren

Gregor, Der Produzent und die Rechte am Filmwerk


Nikolas Gregor, Der Produzent und die Rechte am Filmwerk, Köln (Carl Heymanns Verlag) 2010, ISBN 978-3-452-27347-5, € 94,-

 

MMR-Aktuell 2012, 340784         Schon immer war die Rechtsprechung im Filmrecht mit der Rechtsstellung des Filmproduzenten beschäftigt. Der Filmproduzent ist eine Chimäre. Er hat zwar „nur“ ein Leistungsschutzrecht nach § 94 UrhG, kann aber gleichzeitig ein deutlich erweitertes Persönlichkeitsrecht am Filmwerk geltend machen. Klar sind auch die Konturen in Streitfällen, wenn die Einordnung eines Finanziers als Filmproduzent unklar ist. Schließlich wird in Deutschland in Wellenbewegungen diskutiert, ob man nicht doch ein Produzentenurheberrecht einführen sollte. Einer dieser schwierigen Fragen nimmt sich Nikolas Gregor in seiner Dissertation an. Die Arbeit zeichnet sich vor allem durch eine klare Gliederung und strukturierte Vorgehensweise aus.

Nach einem ersten Teil, in dem die europarechtlichen Grundlagen der Tätigkeit des Filmproduzenten erläutert werden, werden dann verschiedene Regulierungsmodelle vorgestellt, von der Legalzession im Verhältnis zum Urheber- bis zum Produzentenurheberrecht. Die verschiedenen Regulierungsmodelle werden rechtsvergleichend am Beispiel Österreichs, Großbritanniens und Deutschlands gegenübergestellt. Schwerpunkt liegt dann im dritten Teil der Dissertation, die sich mit der Rolle des Filmproduzenten im deutschen Urheberrecht beschäftigt. Insbesondere werden die Konturen des Leistungsschutzrechts nach § 94 UrhG herausgearbeitet. I.E. ist nach  Gregor nur der deutsche Weg (Schöpferprinzip, Leistungsschutzrecht, Übertragungsvermutungen in § 89 UrhG) europarechtskonform. Die Arbeit kommt zu einem klassischen „Ja“ zum deutschen Weg und gleichzeitig zu einem sehr schönen Kompendium des Filmproduzentenrechts im UrhG. Die Arbeit ähnelt einer früheren Dissertation von  Annette Weber zur „Urheberrechtlichen Stellung des unabhängigen Film- und Fernsehproduzenten“, 2007. Allerdings kommt  Weber zu einem anderen Ergebnis als  Gregor; sie möchte Elemente des britischen und französischen Rechts in das deutsche Recht übernehmen. Ein wenig unkritisch erscheint die Gleichsetzung von Filmproduzenten und Filmhersteller (Rdnr. 11 ff.), die durchaus in der Literatur als kritisch angesehen wird (s. z.B. Schulze, in: Dreier/Schulze, UrhG § 94 Rdnr. 7).

 I.E. handelt es sich aber in jedem Fall um eine sehr schöne Übersichtsarbeit, die auch Praktikern in der Filmszene wichtige Denkansätze vermittelt. Die eigene Argumentation des Verfassers ist stets gut abgewogen und nach Maßgabe klassischer Auslegungsmethoden generiert. Insofern kann die Arbeit nur nachhaltig zur Lektüre empfohlen werden.

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.